Wir stellen diese Frage bewusst ein wenig provokativ.
Um zu verstehen, worum es überhaupt geht, müssen Sie sich aber erst einmal folgendes Video ansehen: Kindergärtnerin mit Down-Syndrom (Kurzreportage im Schweizer Fernsehen) - verbunden mit Dank an Lydias Mami für den Hinweis.
Einverstanden: Menschen mit Down-Syndrom haben ein anderes Potential als Menschen ohne Down-Syndrom. Neue Tätigkeitsbereiche und selbst neue Berufe werden geschaffen.
Dass man in unserem Fall den Schritt getan hat, INKLUSION (welche unseres Erachtens erst als verwirklicht betrachtet werden kann, wenn man das Wort nicht mehr braucht) so groß zu schreiben, dass man einen Menschen mit Down-Syndrom aktiv an der Erziehung von Kindern teilhaben lässt, ist zweifellos extrem lobenswert.
Foto: Alessandra Fatuzzi im Schweizer Fernsehen
Wie aktiv ist nun aber Alessandras neu geschaffener Berufszweig wirklich?
Welche Verantwortung besitzt sie?
Ist der Begriff "Kindergärtnerin" gerechtfertigt; handelt es sich tatsächlich um einen halbwegs vollwertigen Arbeitsplatz, oder geht es eher um eine für den Krippenbetreiber billige Stelle als Hilfskraft?
Diese und viele andere Fragen stellten sich uns sofort beim ersten Ansehen des Berichts.
Es wird nicht gesagt, wie viele Stunden Alessandra pro Tag, Woche oder Monat in der Kinderkrippe tätig ist. Es wird nicht allzuviel davon gezeigt, wie die "Spielassistentin" mit den Kindern zusammen ist und ihnen möglicherweise sogar etwas zeigt.
In der Küche und beim Saubermachen - meist also fein im Hintergrund - sehen wir Alessandra. Ausnahmen: Beim Füttern und Händewaschen sehen wir sie tatsächlich zusammen mit den Kindern.
Wir können vorstellen, dass Lydias Mami etwas betrübt von folgendem Umstand ist: Alessandras Bezahlung.
Da ist in der Reportage einerseits die Rede von einer 10-jährigen Ausbildung und einem extra neu geschaffenen Beruf, und fast im gleichen Atemzug spricht man dann von einem symbolischen Lohn von 230 Euro pro Monat als Entschädigung.
Damit niemand die Richtung unserer Kritik fehlinterpretiere:
Alessandra ist dort, die Kinder haben jeden Tag mehr als indirekten Kontakt mit ihr. Die Meinungen der befragten Eltern und der Direktorin ernten unseren Beifall. Im Großen und Ganzen beurteilen wir die Angelegenheit also als eine fantastische mit gigantischem Potential (hinsichtlich einer realistischen Umsetzung des humanen - nicht des politischen - Ziels der Integration von Menschen mit Behinderung).
Aber am Detail muss noch gearbeitet werden.
Wenn es sich um einen Hilfsjob handelt, dann sollte man ihn auch so nennen und keine Schönfärberei betreiben - das kann auf lange Sicht nicht im Sinne der Sache sein.
Wenn es sich um einen JOB handelt, dann sollte dieser auch ENTLOHNT und nicht ein symbolischer Pipibetrag als Anerkennung und Entschädigung überreicht werden.
Wozu Alessandra dort in der Krippe beruflich wirklich in der Lage und was dies an finanzieller Gegenleistung wert wäre, steht auf einem anderen und gewiss nicht unstreitbaren Blatt, aber vielleicht sollte man sich auch darüber noch einmal Gedanken machen.
Denn solange zumindest der Eindruck entsteht, dass Alessandra nur dort in der Krippe sein darf (im Sinne von "geduldet werden"), ist das Ziel der Gleichbehandlung noch nicht erreicht.
Trotzdem sei noch einmal unser Hut gezogen vor dieser wichtigen Entscheidung, die man getroffen hat und welche unter den (noch) herrschenden Umständen aus Sicht der Kinderkrippe zweifellos auch ein gewisses Risiko darstellte.
Immer das Aktuellste
Alessandra Fatuzzi - Darf eine junge Frau mit Down-Syndrom (mit-)verantwortlich für die Erziehung meiner Kinder sein?
Paula und der Sondelfinger Kindergarten in der Reichenecker Straße - Inklusion ist mehr als nur eine gesetzliche Forderung
"Von Kopf bis Fuß ganz Paula" hat Andreas Dörr seinen Artikel genannt, in dem er von der sechsjährigen Paula und ihrem Umfeld berichtet. Und in dem er eine ganze Menge Leute zu Wort kommen lässt, welche wiederum so einige Dinge sagen, über die man als Leser oder Zuhörer vielleicht ein zweite Mal nachdenken könnte. Wenn man diese Dinge nicht sowieso schon als Selbstverständlichkeit verinnerlicht hat.
Aber lesen Sie selbst: >>> Zum Artikel im Reutlinger Generalanzeiger
Down-Syndrom: Die neusten Pressemeldungen
Über das Buch "Aus dem Bauch heraus. Pränataldiagnostik und behindertes Leben" von Franz-Joseph Huainigg und der Aktion Leben wird im österreichischen Original Text Service berichtet.
Im Zusammenhang mit dem Run for Children" spricht die Erste Vorsitzende des Elternkreises Down Syndrom Aleksandra Wabra über Integration, Unterforderung, Förderung u.v.m.: Rhein-Zeitung.
Wie Lukas so ist - davon erzählt uns Juliane Maier. Von einem Jungen, der Schüler in der Klasse 3b der Grundschule in Ranis (Thüringen) sein darf. Und davon, was seine Mitschüler davon halten: TLZ.de
Aus dem Chiemgau wird uns berichtet, wie Sonja Huber aus Schwindegg einen Luftballon-Weitflugwettbewerb gewann (ihr Ballon flog über 200 KILOmeter!) und sich nun auf einen Besuch im Legoland freuen darf. Eine Aktion der Selbsthilfegruppe „Von wegen Down“: Chiemgau online
Über die Eröffnung der Vernissage „Die Besonderen“ im „Haus Walstedde“ im gleichnamigen nordwestdeutschen Ort berichtet Nicole Krellmann: IVZ online.
Gemeinsam anders leben - Mehr vom Leben
So klappt's
Von Nathalie Göbel im SÜDKURIER
Alle reden von Integration. Ob es um ausländische Mitbürger geht oder um Menschen mit Behinderung, das Schlagwort lautet „Integration“ und oft mag man das Wort gar nicht mehr hören.
Zu viele halbherzige Projekte werden gestartet, die nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden. Entweder, weil sie niemand weiterverfolgt oder weil sie schon von Anfang an nicht darauf ausgelegt waren, länger zu bestehen.
Der kleine St. Georgener Verein „Gemeinsam anders leben“ zeigt, dass es auch anders gehen kann. Petra Misselwitz arbeitet trotz Down-Syndrom im Laden, und das nicht nur einmal pro Woche oder als „Projekt“, sondern mit einem Arbeitsvertrag. Dieser garantiert ihr eine Halbtagsstelle und Aufgaben, die sie darin bestätigen, dass eine Behinderung nicht zwingend den Ausschluss aus dem „normalen“ Erwerbsleben bedeutet.
Die Kunden wiederum kommen ganz unbefangen mit einem Menschen mit Behinderung in Kontakt. So einfach kann Integration funktionieren – ohne Worthülsen, „Projekte“ und Politiker, die meistens auch nicht wissen, wen sie eigentlich wie integrieren möchten.
Integration beginnt an der Ladentheke
Von Nathalie Göbel im SÜDKURIER
Petra Misselwitz hat das Down-Syndrom und arbeitet seit knapp einem Jahr im „Anderen Laden“ in St. Georgen
An diesem Vormittag ist im „Anderen Laden“ viel los. Gerade noch hat Petra Misselwitz die Second-Hand-Bekleidung wieder ordentlich ins Regal sortiert, da kommt bereits die nächste Kundin. Monika Storz sucht Tassen und Kerzenleuchter für eine größere Familienfeier. So viele, wie sie benötigt, hat sie gar nicht zu Hause vorrätig. Dafür wird sie in der Flohmarktabteilung des Ladens fündig. „Ich finde eigentlich fast immer etwas“, lacht sie.
Petra Misselwitz sorgt derweil dafür, dass die Einkäufe sicher verpackt werden. Sorgfältig packt sie Tassen und Kerzenleuchter in Zeitungspapier ein und rechnet aus, was die Kundin bezahlen muss. „Kassieren, das ist Übungssache“, sagt sie selbstbewusst. Für Petra Misselwitz ist die Arbeit im Laden nicht einfach nur ein Job. Die 40-Jährige hat das Down-Syndrom. Längst nicht alle Menschen, die von dieser Chromosomenstörung betroffen sind, können arbeiten gehen. Viele sind in Werkstätten beschäftigt – für Petra Misselwitz nicht das Richtige.
„Die Werkstattarbeit war für Petra zu monoton“, sagt Bettina Knieß, die gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Anfang 2009 den Verein „Gemeinsam anders leben“ gegründet hat. Die Arbeit mit Menschen ist Petra Misselwitz gewöhnt: Sie arbeitete 14 Jahre lang als Hilfskraft im Kindergarten Schatzinsel. Kleine hauswirtschaftliche Arbeiten gehörten ebenso zu ihren Aufgaben wie das Spielen mit den Kindern.
Alles anders oder ganz normal?
Gefunden in der Frankfurter Neuen Presse
Unter dem Motto «Frauen sind anders – Männer auch» waren vor einem Jahr Menschen mit Behinderung zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Die jetzt in «Mehr vom Leben» versammelten Texte sind unverstellt authentisch. Sie reichen von prägnanten Zitaten und Gedichten über autobiografische Skizzen bis zu psychologisch treffenden Minidramen und satirischen Kurzgeschichten.
Ihr Anderssein hebt Gehandicapte hervor, aber noch immer sind verschämtes Wegschauen und reflexartiges Mitleid die überwiegenden Reaktionen. Was Frauen und Männer mit den unterschiedlichsten Einschränkungen wirklich bewegt – ihre Pläne und Träume, ihre Vorstellungen von Glück und Liebe, auch ihre Trauer und Resignation – lässt sich hier erfahren. Und so manches lieb gewonnene Vorurteil kann ad acta gelegt werden: etwa jenes, Behinderte würden nur unter ihresgleichen optimal gefördert. Die junge Frau mit Downsyndrom, die von ihrem hervorragenden Hauptschulabschluss an einer normalen Schule erzählt, ist der überzeugende Beweis für die Vorteile des integrativen Lernens.
«Mehr vom Leben» ist anregend und informativ, klug und witzig – auch und vor allem für Menschen ohne Behinderung. kab
Julia Fischer / Anne Ott / Fabian Schwarz (Hg.): «Mehr vom Leben. Frauen und Männer mit Behinderung erzählen». Balance Buch + Medien, Bonn. 279 S., 14,95
Bist du auf der Montessori-Schule? Was hast du denn?
Unterschiede zählen nicht
Von Julia Steinbach
in den Westfälischen Nachrichten
Borken. Es ist 9 Uhr morgens in der Montessori-Grundschule. Für die Klasse C steht Freiarbeit auf dem Programm. Dominik (7) hat sich in eine Ecke verzogen, um in einem Buch zu schmökern. Freund Jakob kommt dazu: „Mein Vater wäre jetzt schon viel weiter, der hat das nämlich gelernt“, sagt der Acht-Jährige. „Hab ich auch“, erwidert Dominik und fügt hinzu: „Ich bin nämlich nicht in der ersten, der dritten oder vierten, sondern schon in der zweiten Klasse.“
Für Außenstehende mag diese Erklärung komisch klingen. Doch für Jakob ist sie notwendig. Denn das Wissen darum, zu welchem Jahrgang ihre Schulkameraden gehören, ist für die Montessori-Schüler nicht selbstverständlich. Zwar gibt es auch hier Klassen. Aber der Unterricht ist zum großen Teil jahrgangsübergreifend. Die vier Klassen heißen darum einfach A, B, C und D. Und das ist nicht das einzig Besondere. Die Schule arbeitet integrativ. Seit 25 Jahren lernen hier Kinder mit und ohne Förderbedarf zusammen nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik.
In der Klasse C haben fünf Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf, so wie Susanne, ein Kind mit Down-Syndrom. Die Zehnjährige sitzt in einer großen Gruppe Mädchen und Jungen, lacht, redet und bastelt an einer Kette. „Die Förderkinder sind noch mehr integriert als erhofft“, sagt Dieter Neugebauer, Mitglied der Schulleitung, stolz.
Zusammen mit der Fachlehrerin für Sonderpädagogik Petra Kerßen-Müller betreut der Lehrer an diesem Morgen die Freiarbeit der bunt gemischten Klasse. Wie seine Kollegin sitzt er an einem der niedrigen Holztische. Mal steht eine ganze Traube Schüler um ihn herum, mal hat nur ein einziges Kind Erklärungsbedarf. Ermahnen muss der Pädagoge nur selten. Die Arbeitsmoral ist gut. „Viele Kinder fangen sogar schon vor Beginn des Unterrichts an zu arbeiten“, sagt Dieter Neugebauer.
Am späten Vormittag teilen sich dann die Jahrgangsstufen. Für die ersten und zweiten Jahrgänge steht fächerübergreifendes Lernen auf dem Stundenplan. Die dritten und vierten Jahrgänge teilen sich in Untergruppen auf und gehen zum Epochenunterricht. „Das bedeutet, ein bestimmtes Fach wird über mehrere Wochen unterrichtet“, erklärt Neugebauer. Bei den Drittklässlern ist Kunst dran. Lehrerin Ursula Risthaus hat ein lustiges und interessantes Thema ausgesucht: Kniepuppen-Basteln. Mit den fertigen Puppen soll die Gruppe bei der Jubiläums-Feier auftreten.
Wo es gewünscht wird, setzt Risthaus selbst die Nadel an oder gibt Tipps. Doch das meiste machen die Kinder unter sich aus. „Wenn ich nicht weiß, wie ich einen Stich machen soll, frage ich erst mal meine Freundin Zoe“, erklärt Lily (8).
Selbstständigkeit wird hier groß geschrieben, gegenseitiges Helfen sowieso. Und wo kommt Montessori-Pädagogik ins Spiel? Eigentlich überall. „Die Lehre Maria Montessoris geht vom Kind aus“, sagt Dieter Neugebauer. „Das Kind entwickelt sich und wird dabei begleitet, aber nicht fremdbestimmt.“ Damit unterscheide die Montessori-Pädagogik sich maßgeblich von anderen Lehrmethoden, bei denen von Anfang an ein Ziel vorgegeben wird.
Am Anfang habe sich das Konzept schwer getan, vor allem wegen des integrativen Ansatzes. „Viele Kinder wurden gefragt: Bist du auf der Montessori-Schule? Was hast du denn?“, sagt Neugebauer. Solche Fragen gebe es aber schon lange nicht mehr. Drittklässlerin Lily fasst das Selbstverständnis der Schüler zusammen: „Ich finde es gut, dass die Kinder mit Förderbedarf dabei sind. Die sind doch genauso wie wir.“
Integration Kindergarten & Schule: Schaden oder "bremsen" Kinder mit Behinderung ihre Mitschüler? (Diskussion)
Der Ausgangsbeitrag:
Integration soll negativ sein ?
Ich habe letzte Woche den Bescheid vom KiGa bekommen, dass meine Tochter für September einen Platz bekommen hat.
Nun habe ich bereits bei der Anmeldung gesagt, ich fände es schön, wenn sie in die Integrationsgruppe käme, also gemeinsam mit behinderten und nichtbehinderten Kindern.
Nun ist Mitte Juni der erste Infoabend wo es auch um die Aufteilung in die verschiedenen Gruppen geht.
Für mich ist klar, dass meine Tochter in die Integrationsgruppe geht, wenn das machbar ist - einfach aus dem Grund, weil ich es schön fände, wenn sie damit aufwächst, dass der Umgang mit behinderten Menschen so normal ist wie mit nichtbehinderten. Ich wünsche mir für sie ein Aufwachsen in Toleranz, soweit ich ihr das ermöglichen kann.
Auch in der Spielgruppe, in der sie im Moment noch ist, ist ein Junge mit Down-Syndrom.
Nun hat mir eine andere Mutter aus dieser Spielgruppe "im Vertrauen" gesagt, dass sie ihr Kind niemals in die Intergrationsgruppe geben würde, denn da werde es nicht gescheit gefördert und bliebe auf der Strecke, zumal ein Kind ja auch das Recht hat, eine gesunde Welt zu erleben und zu begreifen.
Hüh....?
Mir sind solche Aussagen zutiefst fremd...um es höflich auszudrücken.
Allerdings muss ich zugeben, dass mir der Satz, dass meine Tochter dort nicht gefördert wird, also quasi zurückstecken muss, doch im Gehörgang sitzt...auch wenn ich es nicht glauben mag.
Die Vorstellung, im KiGa diesen Floh im Ohr anzusprechen, ist mir irgendwie zuwider....ich will für mein Kind das Beste, und das ist u.a. optimale Förderung, die aber auch die soziale/emotionale Intelligenz mit einschliesst...
Habt ihr eine Idee ? Oder Erfahrungen ?
Danke....
Violet
>>> Reaktionen lesen und mitdiskutieren
KÖNIGS WUSTERHAUSEN: Behinderungen sollen nicht mehr zelebriert werden
GLEICHSTELLUNG: Das Einfache, das so schwer zu machen ist
Bei einem Aktionstag wurde gestern dafür geworben, Menschen mit Behinderungen besser einzubeziehen
Von Andrea Müller in der Märkischen Allgemeinen
KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Die Leute blieben gestern stehen, waren neugierig auf das, was auf dem Bahnhofsvorplatz in Königs Wusterhausen geschah. Vertreter von Kreis, Stadt und wohltätigen Trägern starteten hier eine Aktion zur Gleichstellung behinderter Menschen. Der 5. Mai steht alljährlich unter diesem Zeichen. Luftballons, Umfragebögen und Abzeichen mit dem Wort „Inklusion“ zogen die Aufmerksamkeit der Vorbeieilenden auf sich.
„Ich finde es ganz schlecht, dass nicht alle Türen zum Bahnhof immer geöffnet sind“, erklärte ein Königs-Wusterhausener auf dem Weg zu seiner Bahn. Andere beklagten das Chaos wegen des Schienenersatzverkehrs, da gegenwärtig auf der Zug-strecke Königs Wusterhausen–Lübben gebaut wird. Der war auch Inhalt einer Befragung, bei der man sich danach erkundigte, ob man allein reiste oder in Familie, ob mit oder ohne Gepäck, ob mit oder ohne Rollstuhl, ob man mit der Parkplatz-Situation zufrieden sei. Manche machten sich bei dem Interview richtig Luft, war das Chaos hinter dem Bahnhof – hier stehen die Busse des Schienenersatzverkehrs – sowieso schon groß. Wer hier noch durch eine Behinderung eingeschränkt war, kam gar nicht mehr klar.
Dabei sollen künftig Behinderte nicht mehr als solche behandelt werden, sondern wie andere Menschen auch. Dafür wurde extra ein neues Wort erfunden. „Inklusion“ war auf den Stickern der Agierenden gestern zu lesen. „Behinderungen sollen nicht mehr zelebriert werden“, erläuterte der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Luplow. Dabei zeigte er ein Foto. Darauf waren junge Menschen am Tisch zu sehen und eine junge Frau als Kellnerin. Darunter stand: Sie unterscheidet nur noch, dass sie noch nicht Feierabend hat. Die Kellnerin hatte das Down-Syndrom, eine geistige und zum Teil auch körperliche Behinderung.
„Inklusion“ bedeutet Einbeziehung und so will es Luplow auch verstanden wissen. Ginge es nach den Initiatoren, so würde es bald keine speziellen Werkstätten mehr für Behinderte geben und keine Förderschulen für Kinder mit Behinderungen. Sie würden wie andere Kinder auch eine Schule besuchen und arbeiten gehen. Es ist das Einfache, das so schwer zu machen ist. Dass das Zeit braucht, ist allen klar: „Wir reden nicht von sofort, sondern über ein Zeitfenster von 25Jahren“, sagte er.
Elke Voigt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald, und Michael Schneider von der Arbeitsgemeinschaft Bau und Verkehr des Kreises, konnten gestern aber auch einen tollen Erfolg verkünden. In Bindow hatten sie sich davon überzeugt, dass im Ortsgemeinschaftshaus an die Barrierefreiheit gedacht wurde. „Sie hatten eine Toilette für Behinderte im Außenbereich geplant“, so Schneider, der im Rollstuhl sitzt. „Sie haben dann schnell eingesehen, dass es so nicht geht“, meinte Elke Voigt. So wird das Stuhllager geräumt und zur behindertengerechten Toilette umgebaut. „Manchmal fehlt die Vorstellungskraft, was eine Außentoilette bedeutet“, so Voigt. Sie und auch Schneider haben sich über das Erreichte sehr gefreut.
Schweiz: Diskussion um Insieme - Kampagne "Schraube locker" & Co.
Wieder eine Provokation, doch die Empörung bleibt aus
Von Markus Brotschi in der BAZ online
Foto: Sulzer, Sutter AG
Insieme zeigt Plakate von geistig Behinderten mit Aussagen wie «Schraube locker». Die IV musste eine ähnliche Kampagne nach heftigen Protesten von Behindertenverbänden abbrechen.
«Schraube locker? Sprung in der Schüssel? Für mich keine Behinderung»: Mit diesen Sprüchen werden ein Mann und eine Frau mit Downsyndrom präsentiert. Verantwortlich für die Kampagne ist Insieme, eine Organisation für Eltern behinderter Kinder. Vor einem halben Jahr stand auf Plakatwänden Ähnliches: «Behinderte sind dauernd krank» oder «Behinderte liegen uns nur auf der Tasche». Absender war die Invalidenversicherung (IV). Die IV musste ihre Kampagne nach einem Entrüstungssturm der Behindertenorganisationen, darunter auch Insieme, abbrechen.
Wie kommt Insieme dazu, auf ihr 50-jähriges Bestehen mit der gleichen Methode hinzuweisen, die sie kürzlich verurteilte? «Es sind Redewendungen, die jeder von uns kennt», sagt Kommunikationsleiterin Beatrice Zenzünen. Ziel sei es, eine Diskussion über Vorurteile anzuregen. Zenzünen sieht den Unterschied zur IV-Kampagne darin, dass die IV zuerst nur Vorurteile verbreitete und «viel zu lange mit der Auflösung der Urheberschaft zuwartete». Zudem seien die Auflösungen schlecht erkennbar gewesen und keine Betroffenen einbezogen worden.
Das Tabu brach Pro Infirmis
Fragt sich allerdings, ob die IV nicht kritisiert worden wäre, wenn neben den Sprüchen Behinderte abgebildet worden wären. Die Auflösung lieferte die IV aufgrund der Proteste nach wenigen Tagen: «Behinderte liegen uns nur auf der Tasche – wenn wir ihre Fähigkeiten nicht nutzen», «Behinderte sind dauernd krank – und trotzdem morgens die Ersten im Büro». Doch es war zu spät, die Kampagne wurde eingestellt.
Von Kritikern der IV-Plakate erhält die Insieme-Kampagne Lob. Die Abbildung Betroffener schaffe Authentizität und verleihe den Sprüchen Selbstironie, findet Bruno Schmucki vom Invalidenverband Procap. Bei der IV-Kampagne sei die Provokation dagegen im Vordergrund gestanden.
Bis vor wenigen Jahren verwendeten Behindertenverbände nur Symbolbilder oder zeigten höchstens einen Rollstuhlfahrer von hinten. Das Tabu brach 2001 Pro Infirmis, die Menschen mit ihrer Behinderung zeigte, etwa mit einem verstümmelten Bein. Für Mark Zumbühl, Kommunikationschef von Pro Infirmis, kommt es auf den Urheber einer Kampagne an. «Die Insieme-Kampagne kommt von den Betroffenen und von Organisationen, welche die Anliegen von Menschen mit Behinderung verstehen.» Auf den Plakaten sind Schauspieler der Zürcher Theatergruppe Hora zu sehen, die mit geistig Behinderten arbeitet. Die Plakate seien im Einverständnis mit den Betroffenen, den Angehörigen und den Betreuern realisiert worden, betont Insieme.
«Vorurteile werden zementiert»
Für den Zürcher Werber Frank Bodin erreicht die Insieme-Kampagne ihr Ziel trotzdem nicht. «Sie sagt mir nichts Neues und widerlegt das im Spruch ausgedrückte Vorurteil nicht. Damit werden die Vorurteile sogar zementiert.» Bodin hält sowohl die Insieme-Plakate als auch jene der IV für «dumm». Als Beispiel einer gelungenen Kampagne nennt er jene von Pro Infirmis. Mit dem Slogan «Wir lassen uns nicht behindern» seien Menschen mit ihrer körperlichen Behinderung auf würdige Weise gezeigt worden und hätten ein «neues Selbstbewusstsein» demonstriert. Diese Aussage sei für die Betrachter neu und überraschend gewesen. Wer aber Kalauer wie «Schraube locker» brauche und Menschen mit einer Schraube oder einer zersprungenen Schüssel präsentiere, zeige, dass eine grundlegende Kampagnenidee fehle.
>>> ZUR DISKUSSION
8. Sportfestival für Menschen mit Down-Syndrom am 12. Juni 2010 in Frankfurt
von Simone Linne in der giessener-zeitung.de
Unter dem Motto „Unser Sommermärchen“ lädt die Initiative „Down-Syndrom – Wir gehören dazu“ zum 8. Deutschen Down-Sportlerfestival am Samstag, 12. Juni, nach Frankfurt ein.
Seit 2003 richtet die HEXAL Foundation gGmbH nun schon das Deutsche Down-Sportlerfestival aus. Für Menschen mit Down-Syndrom. Die Teilnehmer sind zwischen 4 und 50 Jahre alt und bekommen im Sport sonst nur selten Lob und Anerkennung. Das ist bei diesem Festival ganz anders und die Begeisterung bei den kleinen Sportlern und den Zuschauern ist riesengroß.
Angefangen hatte alles in Frankfurt mit 75 Sportlern und 250 Zuschauern. 2005 kam als zweiter Austragungsort Magdeburg hinzu. Heute nehmen an beiden Festen mehr als 800 Sportler und 3.500 Zuschauer teil. 400 ehrenamtliche Helfer betreuen die Teilnehmer während des Festivals. Zehn Sportdisziplinen werden inzwischen angeboten. Erstmals gibt es in diesem Jahr die Mini-WM; ein Fußballturnier mit Renate Lingor. Neu ist auch der Musical-Workshop „König der Löwen“.
Feierlicher Abschluss bildet auch in diesem Jahr die Siegerehrung. Jeder Sportler erhält aus den Händen unserer Promis eine Medaille und eine Urkunde. Die Schirmherrschaft übernimmt erneut Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Unterstützt wird das Festival durch zahlreiche Prominente, etwa von Joachim Hermann Luger („Vater Beimer“ aus der Lindenstraße), Bobby Brederlow (Bambi-Preisträger mit Down-Syndrom) und Henni Nachtsheim („Badesalz“).
Anmeldungen werden ab sofort entgegengenommen bei medandmore communication GmbH, 06172-9661-25, down-sportlerfestival@medandmore.de oder unter www.down-sportlerfestival.de.
Tempo ist gut, Vertrauen schöner
Von Johannes Kloth in der saarbruecker-zeitung
Am Anfang war ich Steffi. Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis Özkan mich das erste Mal mit meinem richtigen Namen ansprach. Als ich ihn kennenlernte, war Özkan 14 Jahre alt. Ich leistete meinen Zivildienst in einer Schule für geistig behinderte Kinder, betreute Özkan und elf weitere Schüler einer Klasse. Ein Jahr. Tag für Tag.
Neben dem Down-Syndrom war es seine türkische Herkunft, die Özkan in Deutschland den Spracherwerb zusätzlich erschwerte. Dass er so lange Zeit den Namen einer langjährigen Schul-Praktikantin rief, wenn er mich sah, hatte jedoch einen anderen Grund. Die Beziehung zu geistig behinderten Kindern hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. Und Vertrauen braucht Zeit.
Das habe ich in meinem Jahr Zivildienst gelernt. Einem Jahr, das zu den schönsten Erfahrungen meines Lebens gehört. Selten habe ich mich so ausgeglichen gefühlt wie in der Zeit, die ich mit diesen Kindern verbrachte. Als er mich schließlich in sein Herz geschlossen hatte, war Özkan nicht mehr zu bremsen. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Türkei-Urlaub, brachte seine Lieblingscomics mit in die Schule, forderte mich zum „Armdrücken“ heraus.
Özkan und ich standen im Zoo stundenlang vor dem Gehege der Esel, seinen Lieblingstieren. Ich brachte ihm Fußballspielen bei. Und er mir – so pathetisch es klingen mag –, dass es Wichtigeres im Leben gibt, als die eigene Karriere zu planen. Noch immer besuche ich Özkan regelmäßig in der Werkstatt, in der er mittlerweile arbeitet.
Ab kommenden Oktober, so will es Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg, soll der Wehrdienst – und damit auch der Zivildienst – nur noch sechs Monate dauern. Das würde eine weitere Reduzierung des ohnehin nur noch neun von einst 20 Monate umfassenden „Ersatzdienstes“ bedeuten. Gestern habe ich mir die Frage gestellt: Was wäre gewesen, hätte die Politik die Straffung des Zivildienstes und die Schul- und Studienreformen bereits zu meiner Zeit umgesetzt?
Dank des achtjährigen Gymnasiums hätte ich mit 18 mein Abitur gemacht, noch im selben Jahr meinen Zivildienst beendet und vermutlich mit 21 Jahren bereits einen Bachelor-Abschluss in der Tasche gehabt. Das wäre dem modernen Arbeitsmarkt sicherlich gerechter geworden. Viele schöne Erfahrungen der Zivi-Zeit, von denen ich noch heute zehre, wären mir jedoch verwehrt geblieben.
Und Özkan? Er würde sich heute vermutlich – wenn überhaupt – nur noch an einen Typen namens Steffi erinnern. Der kurz mal reingeschneit kam in sein Leben.
Magdeburg: Nur eine der vielen Aktionen zum Welt-Down-Syndrom-Tag
gefunden bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben
Am 20. März 2010 ab 09:15 Uhr wird an der Endhaltestelle Leipziger Chaussee anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages eine Kampagne der Zürcher Hochschule der Künste gestartet.
Am 21. März wird alljährlich der Welt-Down-Syndrom-Tag begangen. Aus diesem Anlass haben Studierende der Zürcher Hochschule der Künste eine Kampagne erarbeitet, die in Zusammenarbeit mit dem Theater HORA in Zürich und lokalen Partnern aus Magdeburg wie der Magdeburger Verkehrsbetriebe GmbH (MVB) und der ökumenischen Initiative „hingucken…denken…einmischen“ verwirklicht wird.
Die blaue Straßenbahn der Initiative „hingucken… denken… einmischen“ fährt am 20. März auf der Linie 9 im Zeitraum von 10 – 18 Uhr. Hier können sich die Fahrgäste zum Thema Down-Syndrom bei den Veranstaltern informieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. Dazu werden die Studenten Exemplare einer speziellen Ausgabe der Zeitschrift „bunt“ verteilen, die sie zu diesem Anlass gestaltet haben.
Frau Prof. Katharina Tietze, die das Projekt leitet dazu: „In der Ausgabe der Zeitschrift „bunt“ finden die Leser gewohnte Themen wie: Fashion, Kultur und Gesundheit. Erst auf den zweiten Blick wird den Lesern auffallen, dass immer wieder Menschen mit Down-Syndrom darin vorkommen. Wir wollen so für eine vielfältige Gesellschaft werben und machen gleichzeitig auf das Down-Syndrom aufmerksam. Wir haben zu diesem Zweck Interviews mit Schauspielern und anderen Prominenten mit Down-Syndrom geführt und Models für unser aktuelles Fotoshooting gewonnen.“
Auch Pitt Friedrichs, Betriebsleiter der MVB, die eine Straßenbahn zur Verfügung stellt, ist von dem Projekt begeistert: „Wir waren schnell von der außergewöhnlichen Aktion überzeugt und unterstützen diese gern.“
Wer wagt, kann verlieren - wer nicht wagt, hat schon verloren: Doku Soap mit behinderten Menschen im Schweizer Fernsehen
Von Fabian Zürcher bei Blick.ch
Eine siebenteilige Serie, deren Stars geistig Behinderte sind. Acht bis zehn Personen betreiben eine Badeanstalt, mit allem, was dazugehört. Sie kümmern sich um die Verpflegung der Gäste, kassieren Eintritt und organisieren das Unterhaltungsprogramm.
Die Dreharbeiten finden Anfang Sommer in einer Badi vermutlich in Schaffhausen statt. Ausgestrahlt wird die Soap ab 5. Juli jeweils am Montag um 21 Uhr. «Wir wollen zeigen, dass sich geistig behinderte Menschen in unserer Gesellschaft problemlos zurechtfinden. Sie sind Menschen wie du und ich», sagt SF-Programmentwickler Urs Fitze (43) zu BLICK.
Mit der Badi-Show begibt sich das Schweizer Fernsehen auf rutschiges Terrain: «Wir sind uns bewusst, dass es schwierig sein wird, mit Behinderten unverkrampft und gleichzeitig respektvoll umzugehen», so SF-Direktor Ueli Haldimann (56) in der «SonntagsZeitung».
Dem in der Schweiz bisher einmaligen TV-Projekt gegenüber kritisch eingestellt ist SVP-Ständerat Maximilian Reimann (67): «Es ist ethisch fragwürdig, wenn man Leute in den Mittelpunkt stellt, die in ihrer Zurechnungsfähigkeit beeinträchtigt sind.» Und: «Es gibt wohl bessere Sendegefässe, um auf die Lebensverhältnisse von Behinderten einzugehen als eine solche Badi-Soap.»
Anders denkt Barbara Camenzind (42), Sprecherin von Insieme 21 – der offiziellen Vereinigung der von Trisomie 21 Betroffenen: «Leute mit Down-Syndrom sind grossartige Unterhalter. Wichtig ist aber, dass die Teilnehmer nicht zur Belustigung der Zuschauer dienen.»
Camenzind verweist auf die US-amerikanische TV-Soap «The Specials». Das Format zeigt, wie Leute mit Down-Syndrom in einer Wohngemeinschaft leben. «Die Sendung ist total cool!»
Derselben Meinung ist offenbar auch das Schweizer Fernsehen: Ab November plant man im Rahmen von «SF bi de Lüt» am Freitagabend ein ähnliches Format auszustrahlen.
Manfred Fischer ist neuer OÖN-Leserbeirat und gibt ein paar Hinweise zum Umgang mit und der Wortwahl gegenüber Menschen mit Behinderung
Von Marina Huber in den OÖNachrichten
OSTERMIETHING. Manfred Fischer ist neuer OÖN-Leserbeirat. Worauf er achtet und was er von falschen Bildern wie „an den Rollstuhl gefesselt“ hält, erzählt der Rollifahrer im Warte-Interview.
Warte: Worin sehen Sie Ihre Aufgaben als unser Leserbeirat?
Fischer: Als erstes werde ich auf die Ausdrucksweise bei Berichten über Menschen mit Behinderung achten. Zweitens achte ich auf lokale Berichterstattung. Ich will Linz darauf aufmerksam machen, dass es Braunau gibt. Ziel ist es, dass in der Hauptausgabe mehr aus dem Bezirk berichtet wird. Das Interesse an Lokalnachrichten ist groß, das sieht man ja an der Braunauer Warte.
Warte: Was sind denn die größten Patzer, die Sie immer wieder in Berichten über behinderte Menschen lesen?
Fischer: Es gibt einige Formulierungen, die man nicht verwenden sollte. Zum Beispiel an den Rollstuhl gefesselt. Das bringt mich auf die Palme, denn für mich ist der Rollstuhl ein Instrument der Mobilität. Ohne Rolli könnte ich nicht so stark am sozialen Leben außerhalb der Wohnung teilnehmen. Mit ihm bin ich überall dabei.
Warte: Worauf sollen Journalisten bei Berichten über behinderte Menschen achten?
Firscher: Ein Journalist sollte Formulierungen wie ‘der Behinderte’ oder ‘der Blinde’ nicht verwenden. Richtig ist ‘der behinderte Mensch.’ Die Behinderung ist nur eine Eigenschaft des Betroffenen, aber nicht die Haupteigenschaft. Der Mensch wird dadurch auf seine Behinderung reduziert. Auffällig ist auch, dass oft nach dem Armen-Hascherl-Prinzip berichtet wird. Das gefällt mir nicht.
Warte: Wird oft zu viel Mitleid ausgedrückt?
Fischer: Ja, so eine Art Überfürsorglichkeit, die oft zum Ausdruck kommt. Wenn über Menschen mit Down-Syndrom berichtet wird, darf man nicht in ein kindlisches Schema verfallen. Obwohl diese Leute manchmal ein kindliches Aussehen haben, sind sie meist Jugendliche oder Erwachsene. Uns so sollte der Journalist auch über sie berichten.
Foto: Philipp Hubbe
Warte: Was fehlt Ihnen in den OÖN?
Fischer: Es gibt ja diese Straßenbefragungen. Toll wäre, wenn einmal ein Mensch im Rolli zu sehen wäre. Der Rolli soll dabei zu sehen sein, aber ohne Kommentar. Das würde den behinderten Menschen zeigen, dass auch sie gefragt werden. Oder allgemein bei Bildern – vom Jahrmarkt und Einkaufen zum Beispiel. Auch hier ist es wichtig, Fotos auszuwählen, worauf auch behinderte Menschen zu sehen sind. Diese Menschen gehören dazu. Vernachlässigt wird meiner Meinung nach auch die Berichterstattung aus dem Bereich Behindertensport. Diese Berichte sollen aber auch im Sport und nicht unter soziale Anliegen gebracht werden.
Warte: Sie geben auch Schulungen zum Thema richtiger Umgang mit behinderten Menschen. Was sind die wichtigsten Punkte?
Fischer: Es gibt zwei wichtige Punkte. Zum einen sollte man nicht überfürsorglich sein. Zum anderen: fragen, ob und wie man helfen kann. Ich merke, dass Leute oft unsicher sind. Es braucht keiner zu wissen, wie man behinderten Menschen hilft. Man kann jederzeit hingehen und fragen ‘kann ich helfen und wie’. Man hilft auch nicht ohne zu fragen. Das ist mir schon passiert. Ich warte bei einer Rampe auf jemanden und plötzlich packt mich jemand ohne Ankündigung und schiebt mich die Rampe rauf, obwohl ich das gar nicht wollte. Das ist ungut und gefährlich.
Warte: Fragen, aber auch ein Nein akzeptieren.
Fischer: Genau. Einfach weiter gehen und nicht nach drei Schritten stehen bleiben und schauen, ob er die Stufe tatsächlich alleine schafft.
Warte: Was erleben Sie so?
Fischer: Ich habe alles schon erlebt. Ärgerlich ist es, wenn ein Rollifahrer oder Kleinwüchsiger mit einer Begleitperson unterwegs ist, dieser eine Frage stellt und der Begleitperson geantwortet wird. Wenn der behinderte Mensch fragt, dann soll auch er die Antwort erhalten. Oder bestellen im Gasthaus. Die Bestellung läuft, der Rollifahrer ist an der Reihe und der Kellner fragt den daneben: ‘Und was kriegt er’?
Warte: Tatsächlich passiert?
Fischer: Das ist schon einigen Bekannten von mir passiert und ein massiver Grund, sauer zu werden.
Gesetz und Realität: Ein Platz für Paula Sander - Behinderte Kinder auf Schulsuche (Reportage Samstag, 13. März 2010, WDR, tag7)
gefunden beim WDR / Wissen
Eltern, die Kinder mit einer Behinderung haben, müssen kämpfen - nicht mit, sondern oft gegen Gutachter, Sonderpädagogen, Behörden und Lehrer. Im deutschen Schulsystem ist die Aufnahme von Kindern mit Behinderung in eine Regelschule immer noch die Ausnahme, obwohl auch Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat.
"Wir haben an unserer Schule schon genug Probleme. Eine Schülerin mit einem Down-Syndrom wäre da eine zu große Zumutung", sagte eine Schuldirektorin den Eltern von Paula Sander. Das war nicht die einzige Absage.
Nach der UN-Behindertenrechtskonvention darf eine Behinderung kein Grund sein, einen Menschen auszuschließen. An der Umsetzung arbeitet der deutsche Gesetzgeber noch. So besuchen in NRW nur 16 Prozent aller behinderten Kinder und Jugendlichen eine integrative Schule. 106.950 Schüler sind mit ihrer Behinderung auf so genannten "Förderschulen", wo sie nach Handicaps sortiert unter sich bleiben. 
Tina Sander, die Mutter der kleinen Paula, will ihre Tochter deshalb nicht auf eine Sonderschule schicken: "Wie soll sie denn dort lernen, mit dem wirklichen Problemen des alltäglichen Lebens umzugehen?" Genauso denkt Laura Duarte. Gemeinsam mit ihrem Mann kämpft auch sie dafür, dass ihr Sohn Ernesto, der ebenfalls das Down-Syndrom hat, eine Regelschule besuchen kann: "Nur an einer normalen Schule im Kontakt zu Kindern ohne Behinderung kann mein Sohn lernen, sich in dieser Gesellschaft zurechtzufinden."
"tag7" hat beide Familien ein Jahr lang bei ihrer Suche nach einem "integrativen" Schulplatz begleitet. Ein Jahr, in dem die Eltern mit dem Gedanken an die Einschulung ihres Kindes abends ins Bett gehen und morgens wieder aufstehen. Und eines Tages stehen sich Paula und Ernesto sogar als Konkurrenten gegenüber - um einen der wenigen Plätze in einer integrativen Schule in NRW.
Reportage mit: Cornelia Uebel, Yüksel Ugurlu
Helmut Müller erzählt Legenden vom Ich
Von Cosima Lutz 26. Februar 2010 in der Welt
Helmut Müller ist Schauspieler. Und er hat das Down-Syndrom. Begegnung mit einem Charismatiker
Helmut Müller tritt aus dem Dunkel der Bühne nach vorne. Weit holt er mit der Rechten aus, unerwartet sachte führt er die Hand an seinen Mund. In aller Ruhe schminkt er sich die Lippen rot, einmal, zweimal akkurat im Kreis herum, dann ausufernd bis an die Wangen, unter die Nase, ans Kinn. Einzelne Lacher im Publikum. Er reagiert elegant, sagt: "Gut, nicht?" Jetzt lachen alle. In seiner schwarzen Henkerskluft, mit seinem hellen Philosophengesicht und dem knallroten Mund sieht er aus wie ein düsterer Clown, und er hat seine Zuschauer fest im Griff.
Dieser Mann hat Charisma, keine Frage. Andere Schauspieler würden ihn vielleicht eine Rampensau nennen. Andere Schauspieler gingen ja auch irgendwann zum Theater, Müller aber nahm es einfach in Beschlag. Das war vor zehn Jahren, als er als Zuschauer eine Aufführung im Berliner Ramba-Zamba-Theater stürmte.
Die Regisseurin jenes Abends und Mitbegründerin des Theaters, Gisela Höhne, erinnert sich noch gut: "Wir improvisierten eine Szene, in der eine Figur die anderen um sich herum komplett nicht wahrnimmt. Da ging Helmut einfach auf die Bühne und sagte: ,Aber - da sind die doch alle!'" Helmut Müllers Begabung fiel ihr sofort auf, kurz darauf war er engagiert. Seitdem ist er von dieser integrativen Bühne, an der Behinderte professionell Theater spielen, nicht mehr wegzudenken.
Müller ist 69, Schauspieler und hat das Down-Syndrom. Ein Ausnahmemensch, in jeder Hinsicht. Nur jeder Zehnte mit Trisomie 21, wie die Genom-Mutation auch genannt wird, die meist mit einer geistigen Behinderung einhergeht, erreicht heute überhaupt das 70. Lebensjahr. Glückliche Umstände retteten Helmut Müller vor dem Euthanasieprogramm der Nazis. 100 000 Behinderte und Psychiatriepatienten wurden damals ermordet.
Helmut Müller ist nicht einfach nur Vertreter einer Opfergruppe. Er weiß genau, dass sich auch Legenden um ihn ranken - schließlich spielt er ja mit ihnen. Eine Legende geht so: Krankenschwestern hätten im Berliner Paul-Gerhard-Stift, wo Müller 1941 geboren wurde, das Schild mit der Aufschrift "Mongoloid" von seinem Bettchen entfernt. So stand es mal in einem Artikel einer Boulevardzeitung. "Ob das so war, weiß man nicht", sagt aber Helmut Müllers älterer Bruder Olaf, sein gesetzlicher Betreuer. Noch eine Legende: Seine Mutter habe ihn versteckt. "Bewusst versteckt wurde er nicht", widerspricht Olaf. "Unsere Eltern haben versucht, ein möglichst normales Leben zu führen. Aber präsentiert haben sie ihn natürlich auch nicht." Man habe nach der Evakuierung aus Berlin, auf Stationen in Ostpreußen und im Sudetenland und auf dem beschwerlichen Fußmarsch zurück nach Berlin, schlicht "andere Gedanken" gehabt: Wo bekomme ich Heizmaterial für den Winter her, wo etwas zu essen?
Wir haben zwar einen Termin vereinbart, platzen aber trotzdem mitten hinein in die Probe auf der Bühne in der "Kulturbrauerei" in Berlin-Prenzlauer Berg. Ramba-Zamba-Stücke sind nämlich nie fertig, auch nach der Premiere geht die Arbeit weiter. Sie lebt von dem, was die Spieler an Impulsen einbringen. Auch für unser Foto weiß sich Müller zur Freude des Fotografen souverän in Szene zu setzen. Die anderen Ensemblemitglieder schauen konzentriert zu, als sei es Teil des Stücks.
Helmut habe definitiv "den Schalk im Nacken", sagt Klaus Erforth, der 1991 zusammen mit Gisela Höhne, seiner damaligen Frau, das Theater gründete und im Moment das Stück "Müller und Müller - Legenden vom Ich" probt. Müller sei ein "spontaner Komödiant", findet auch Gisela Höhne, er "sucht und berührt immer die Grenze zum Komischen", was seinen Stil so "flirrend" mache. Ja, er "wechselt die Realitäten". Erforth und Höhne bekamen 1976 selbst einen behinderten Sohn: Moritz. Der wurde zu einem der bekanntesten Ensemblemitglieder ihrer Bühne, neben Nele Winkler, der Tochter der Schauspielerin Angela Winkler, und Juliana Götze, die auch schon in Fernsehrollen brillierte.
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Das Bild, das vor allem Bruder Olaf von Helmut Müller zeichnet, passt so gar nicht ins Klischee des ausgegrenzten, bemitleideten Behinderten. "Er ist kein Einzelkämpfer, und Klaus Erforth ist auch nicht sein Ziehvater", grollt Olaf ein wenig über entsprechende Medienberichte. Von allen Seiten bekomme sein Bruder Unterstützung, er sei beliebt, und auch die Berliner Einrichtung, in der Helmut seit 1997 wohne, sei ein Glücksfall. "Wir können froh sein, dass in Deutschland die Behinderten eine so gute Lobby haben", sagt Olafs Frau.
Auf der Bühne erzählt Müller trotzdem seine eigene, eben seine Bühnen-Geschichte. Als "Kommissar H.M." macht er sich auf die Suche nach seinem "unausgelöschten Leben", steht im Programmheft. Wir sehen ihn im Kinderwagen, die Bühnen-Mutter versteckt ihn, gibt ihm die Brust. "Ich bringe dich jetzt durch", wiederholt sie ihr Mantra, eine kleine, tapfere Mutter Courage. Ein bisschen dramatische Zuspitzung darf schon sein. Die Idee zu dem Stück stammt von Helmut Müller selbst, erzählt Winfried Band, Psychologe und Müllers Betreuer im Malteserhof Reinickendorf. Erforth montierte dann Texte des großen Dichters Heiner Müller zu einer assoziativen Collage.
Heiner Müller lernte übrigens wenige Jahre vor seinem Tod 1995 das Theater Ramba Zamba noch selbst kennen. "In einer Welt, in der die alltägliche Geschwindigkeit bestimmt wird durch Computer, Wahrnehmung sich vor allem über elektronische Medien realisiert", so schwärmte damals der Dichter, setze die Arbeit von Höhne und Erforth "auf archaische Äußerungen von Individuen. Dass sie anders sind, ist ihre Qualität im Zeitalter der Nivellierungen."
Zeit, "Ich" zu sagen. Jenseits der Bühne, in der Probenpause beim Interview. Hier wirkt Helmut Müller, der Komödiant, auf einmal viel kleiner. Alles Verschmitzte ist aus seinem Gesicht gewichen, ein Melancholiker sitzt da plötzlich vor uns, und er spricht undeutlicher als auf der Bühne, schwierig fürs ungeübte Ohr. Vielleicht ist er müde von der langen Probe, er arbeitet hier fast täglich vier Stunden, und das mit 69, wer schafft das schon, selbst ohne Down-Syndrom. Wie er denn wohne, fragen wir, allein oder mit anderen? Helmut Müllers Antwort klingt wie: "Man ist immer allein." Wir wiederholen den Satz, fragen ihn, ob wir ihn richtig verstanden haben. Da nickt er und sagt "ja".
Nächste Vorstellung von "Müller und Müller - Legenden vom Ich": Heute und morgen, 19 Uhr, Theater Ramba Zamba, Tel. 030/ 437 35 744
Behinderte Kinder in Schulklassen - Die Diskussion in der Schweiz mit Video der Rundschau SF1 24. Februar 2010
Foto, Video und Text © Schweizer Fernsehen
Gefunden vía Peter Lilienhard
Behinderte, lernschwache und verhaltensauffällige Kinder sollen nicht mehr Sonderschulen besuchen, sondern in normale Klassen integriert werden. Die Reform sorgt für rote Köpfe bei Eltern, Lehrer und Heilpädagogen. Wie funktioniert sie in der Praxis? Die Rundschau hat Daniela, die ein Downsyndrom hat, und die beinahe blinde Nastasja in der Schule begleitet.
Video Stream der Sendung - der Beitrag beginnt in Minute 9:
Auszüge aus der Diskussion zum Beitrag:
° Bin selber Mutter eines, mittlerweile
30-jährigen Sohnes mit Down Syndrom und
möchte allen Eltern mit gleichem Schicksal viel Mut und Zuversicht wünschen.
Unser behinderter Sohn ist uns als drittes Kind geschenkt worden und dieses Schicksal hat besonders mir als Mutter völlig den Boden unter den Füssen weggezogen. Mein Wunsch war natürlich eine "normale Einschulung" für unser Kind. Es wurde damals auch freundlicherweise auf mein Drängen eingegangen und schon bald mussten mein Mann und ich feststelle, dass der Bub total überfordert war. Er hat sich ganz schnell zum Klassenclown gemacht und das tat uns weh. Aus dieser Erfahrung lernten wir, dass eine heilpädagogische Institution viel mehr brachte. 11 Jahre verbrachte unser Sohn in diesem Internat und heute kommen wir zu dem Schluss, dass es die richtige Entscheidung war. Selbständigkeit, Zuverlässigkeit sind nebst einem tollen Charakter sein Markenzeichen. Ein richtiger Segen für unsere ganze Familie.
° Ich bin erstaunt über die vielen gut gemeinten und bisher auch vorgelebten Erfahrungsmethoden in und um Schulen. Pädagogen macht weiter so. Traurig ist jedoch die Tatsache, dass die einzige Motivation der politischen Entscheidungsträger zu Veränderungen im System das Geld ist. Die Klimaerwärmung ist im Anzug. Die Gelderwärmung ist schon da.
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° Integration ist wichtig!!Wir alle leben in einem Land und müssen lernen uns gegenseitig zu akzeptieren. Auch wenn wir alle nicht gleich denken und nicht gleiche Voraussetzungen haben unser Leben zu leben. Die Integration behinderter Menschen in der Volksschule auf zunehmen ist eine wichtige und notwendige Sache... dadurch lernen die "gesunden" Kinder und Jugendlichen diese Menschen, die sich wohl fühlen in dieser Umgebung zu akzeptieren.
Meine Schwester ist auch behindert und konnte auch gewisse Unterrichte besuchen in der Volksschule.
Es ist aber auch klar das nicht jede Klassenstufe dies machen kann.
Mein Vorschlag wäre:
Kindergarten, 1.Klasse und 2.Klasse gesamt schweizerisch so zu gestalten dass es Platz hat für Behinderte die in der gleichen Wahrnehmungsphase sind wie die Kinder in dieser Klasse.
Ziel ist, dass sich die Kinder bewusst werden auch andere Kinder zu akzeptieren und zu integrieren.
° manchmal ist es wirklich besser, man bleibt bei seinen leisten und tut was man kann.
neues könnte sonst viel schlechter werden, als es sein könnte wenn man es gern haben würde.
Es ist einfach: wir können sie nicht wegsperren. sie sind alltag.
Als man in den 70-ern die Ausbildung zum Lehramt machte, wurde im Methodikunterricht gelehrt, dass die Volksschule kein Experimentierfeld sein dürfe.
Das geht heute ganz andere Wege; alles und jedes, was sich irgendein Bildungspolitiker oder der ganze administrative Stab der Erziehungsdepartemente ausdenkt, wird in den Schulalltag geworfen..dort sollen dann die unausgegorenen Ideen ausreifen. Nichts und niemand aus der strategischen Ebene ist je bereit die Reformen vor Ort auf ihren wirklichen Erfolg hin zu überprüfen; ich habe seit meiner 30-jährigen Tätigkeit im Schuldienst (Primarschule, Oberstufe und Gymnasium) noch nie ein wissenschaftliches Mitarbeiterchen in einem Schulzimmer gesehen, das sich erkundigt hätte, ob irgendeines seiner Ideechen überhaupt Sinn machen täte und realisierbar sei, so wie es sich das ausgeheckt hätte....(Kommt hinzu, dass keiner von diesen Erziehungsplanern, es länger als ein Tag in einem Schulzimmer aushalten würde; sie tun also gut daran, überhaupt nicht erst vor Ort zu erscheinen).
Weil alles so unausgegoren und weltfremd in die Schulstuben gelangt, heisst es dann irgendmal für jene, die sich mit den Reformen herumschlagen müssen: "Vorwärts Kameraden, es geht zurück!"
Allmählich gehen den Betroffenen (Lehrpersonen)die Augen auf und sie stellen fest, dass die Reformbesoffenheit in der Erziehungslandschaft nicht ein singuläres, zeitbegrenztes Suchtereignis war, sondern zum chronischen- und krankmachenden Dauerzustand verkommt.
Ich frage mich, ob diese Vorgehensweisen der Bildungspolitiker nicht schon fast kriminellen Charakter haben, weil sie verfassungswidrig sind. Die politisch abgesegneten Leerläufe in der Bildungslandschaft verstossen meines Erachtens gegen die "verfassungsmässige Verhältnismässigkeit".
Im konkreten Zürcher Reformprojekt, "integrieren von Behinderten" -nichts gegen diese hehernen Ziele- treibt dies in den zürichnahen Kantonen ganz besondere Blüten; im Nachäffen von Reformen geübt, versucht man nun auch renitente und verhaltensauffällige Schüler in Regelklassen umzuteilen. Mitgegeben wird diesen Klassen dann ein heilpädagogischer Copilot, der es dann richten soll. Dass da was "krank" ist im Volksschulsystem, verraten die Reformplaner dieses Projekts schon deshalb, da sie einen HEILpädagogen beiseite stellen. Denn heilen muss man ja nur, wo was krank ist oder krank gemacht wir.
Wäre die Volksschule ein Automobilbetrieb, wäre diese aus folgenden Gründen schon längst konkurs:
a) einer zu grossen Modellpalette
b) einer Unzahl an "Rückrufaktionen"
Es grüsst: Ein Auch-Akademiker, der bei seinem Leisten blieb
>>> Weiterlesen
Menschen mit Down-Syndrom: Was kommt nach der Schule? - Alexander Pika in der Mundus-Seniorenresidenz Mainz ist ein Mut machendes Beispiel
Ein Praktikant, der auf die Leute zugeht
24.02.2010 - MAINZ
Von Christophe Braun in der Allgemeinen Zeitung
Foto: hbz/Jörg Henkel
Am meisten Spaß, verkündet Alexander Pika, mache es ihm, sich um die Pflanzen zu kümmern. "Na klar!", bestätigt er auf Nachfrage: In den letzten Monaten habe er seinen grünen Daumen entdeckt. Außerdem arbeitet er sehr gerne im Restaurant - besonders beim Essen servieren. Die Bewohner "sind alle froh, mich zu sehen!", berichtet er stolz. Für das hausinterne Nachrichtenblatt ist er sogar schon interviewt worden.
Alexander Pika ist 19 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Im Sommer 2009 hat er seinen Abschluss an der Peter-Jordan-Schule auf dem Hartenberg gemacht. Seit September letzten Jahres macht er ein Praktikum in der Mundus-Seniorenresidenz in der Großen Bleiche. In wenigen Wochen soll er fest eingestellt werden. Zu Alexanders täglichen Aufgaben gehören Arbeiten in der Hauswirtschaft, im Restaurant und in der Wäscherei. Er arbeitet von 8 bis 14 Uhr, natürlich mit Pausen. Mittagessen bekommt er bei seiner Oma Anne Pika, die selbst seit acht Jahren in der Residenz wohnt.
"Man muss die Mundus schon loben!", sagt Anne Pika: Sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner gingen sehr gut mit ihm um; er habe sich schnell eingelebt. Noch während Alexander zur Schule ging, habe die damalige Hausleiterin sie angesprochen, erzählt Alexanders Oma: "Sie hat gesagt: Frau Pika, wenn Ihr Enkel hier ein Praktikum machen möchte, das ist möglich. Das habe ich Alexanders Mama erzählt. Wir haben vor Freude geweint." Wie es nach der Schule weitergehen sollte, sei lange unklar gewesen. Menschen mit geistiger Behinderung stehen neben den Werkstätten für Behinderte wenige Möglichkeiten offen.
Alexander sei "wirklich mit Begeisterung ans Praktikum herangegangen", sagt Waltraud Hoffmann von der Mundus. Er sei "einfach ein Mensch, der auf die Leute zugeht. Wir waren uns alle einig, dass es wichtig ist, dass wir ihn unterstützen. Wir haben auch gemerkt, wie er in seiner Aufgabe aufgeht."
In der Mundus-Seniorenresidenz wohnen zurzeit etwa 190 Menschen; das Haus hat 75 Mitarbeiter. "Ich bin der Meinung, dass wir nicht nur einen sozialen Auftrag unseren Bewohnern gegenüber haben, sondern auch den Mitarbeitern gegenüber", erklärt Christian Schultz, der Direktor des Hauses. Mit seinem Praktikanten ist er rundweg zufrieden. Manches dauere etwas länger, "aber man kann ihm schon was zutrauen." Gleichzeitig betont Schultz die Rolle der Mitarbeiter, die Alexander bei seinen Arbeiten begleiten.
Wenn am frühen Nachmittag Feierabend ist, steht für Alexander noch einiges auf dem Programm: Er nimmt Tanzunterricht, reitet, lernt Keyboardspielen und besucht die Montessori-Schule; im Augenblick liest er "Robinson Crusoe". Häufig begleitet ihn bei seinen Unternehmungen seine Oma. Und außerdem ist da auch noch seine Lieblingssendung, "Gute Zeiten schlechte Zeiten", von der er keine Folge verpasst.
Nachtrag: Familie Guy 812 (Episode 12 Season 8) - "Extra Large Medium": Ellen (Down-Syndrom), Sarah Palin & die Kontroverse (Video komplette Folge)
Vor ein paar Tagen berichteten wir von der Valentinstagfolge der Serie "Family Guy" und deren Folgen.
Langsam, aber unvermeidlich, sickert das Thema auch in die deutschsprachige Medien- und Bloggerwelt.
Einen der vielen mittlerweile existierenden Artikel möchten wir hier aus zweierlei Gründen erwähnen: Zum einen bietet er noch etwas weiter reichende Information, zum anderen - da der Beitrag in einem bekannten und beliebten Blog veröffentlicht wurde - fühlen sich dort viele Leute berufen (bereits mehr als 40 in nur wenigen Stunden), ihre Meinung kundzutun, was uns (wie kaum anders zu erwarten) einen Durchschnitt durch eine Meinungsvielfalt beschert, wie sie außerhalb von Themen wie Sport, Politik, Religion, Diskriminierung etc. wohl ihresgleichen sucht.
Lesen Sie selbst:
>>> Stefan Niggemeier - Sarah Palin und der Down-Syndrom-Witz
Buchtipp: Karen Kingsbury - Wege des Herzens (Der schwere Weg in die Selbstständigkeit)
Von Christiane Kathmann bei SOUND7.de
»Wege des Herzens« ist der in sich abgeschlossene Fortsetzungsroman von »Tausend Morgen mit dir«. Karen Kingsbury erzählt darin eine wunderschöne Geschichte über ein Leben mit behinderten Menschen und deren Weg in die Selbstständigkeit.
In »Tausend Morgen mit dir« wurde die traurige Liebesgeschichte des Bullenreiters Luke und seiner Kollegin, der Rodeoreiterin Jessie, erzählt - traurig, weil diese sehr jung an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Luke ist auch vier Jahre später noch nicht über ihren Tod hinweggekommen und verlässt das Rodeo, weil ihn dort alles an Jessie erinnert.
Er verbringt den Urlaub bei seinen Eltern und dem jüngeren, geistig behinderten Bruder Carl Joseph. Seit kurzem geht dieser in ein Lernzentrum für Menschen mit Downsyndrom und hat große Fortschritte auf dem Weg in die Unabhängigkeit gemacht. Luke jedoch ist schockiert von dem Gedanken, seinen Bruder alleine leben zu lassen. Dies macht er auch der jungen Lehrerin Rebekka deutlich, die selbst am Verlust der Liebe ihres Lebens leidet.
Klingt wie eine typische Liebesgeschichte: Zwei Menschen mit gebrochenen Herzen, die eigentlich gut zusammenpassen würden, wäre da nicht ...
Gar nicht typisch ist jedoch der Konflikt, der die beiden trennt: Wie viel Selbstständigkeit kann man Menschen mit Downsyndrom zumuten, ohne sie zu gefährden? Mehrmals wird in dem Roman deutlich, dass es für Menschen wie Carl Joseph lebensgefährlich sein kann, alleine zu sein, denn das Downsyndrom geht oft auch mit körperlichen Problemen einher. Dabei bleibt die Geschichte jedoch nicht bei der Lehrerin und dem Bullenreiter stehen, auch Carl Joseph hat ein Wörtchen mitzureden in Sachen Unabhängigkeit.
»Wege des Herzens« ist ein sehr berührender Roman, der hilft, geistig behinderte Menschen und ihre Angehörigen besser zu verstehen. Und manchmal stellt sich die Frage, ob wir im Himmel nicht herausfinden werden, dass wir die eigentlichen Behinderten waren.
Verlag Gerth Medien, 2010
ISBN 978-3-86591-487-3
Preis 14,95 Euro
Film: LIEBE UND SO SACHEN (von Pro Familia zum Thema "sexuelle Bedürfnisse behinderter Menschen")
Von Andreas Zitzmann in der Frankfurter Rundschau
Behinderte haben genauso sexuelle Bedürfnisse wie Nichtbehinderte. Aber trotz aller Aufklärung in den vergangenen Jahrzehnten ist das Thema noch immer weitgehend tabuisiert - nicht nur bei Eltern, sondern oft auch in Einrichtungen für Behinderte. Mehr als "Händchenhalten" ist dort zumeist kaum möglich.
Der Tabuisierung will nun Pro Familia entgegenwirken. Mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch-Lotterie hat Pro Familia Hessen einen knapp einstündigen Film produziert, der im Dezember seine Premiere in Frankfurt hatte und nun erstmals in Hanau zu sehen sein wird.
>>> Trailer ansehen
"Noch vor 20 Jahren", erinnert Brigitte Schlich-Heinze von Pro Familia Hanau, " war es durchaus üblich, Behinderte quasi zwangssterilisieren zu lassen." Inzwischen hat sich einiges getan, aber die junge blinde Frau mit zwei kleinen Kindern ist im Straßenbild nach wie vor auffällig.
Schlich-Heinze und die beiden Sexualpädagoginnen von Pro Familia, Andrea Pohling und Sandra Pappertrausch, versprechen sich von dem Film auch, dass eine "unsichtbare Personengruppe sichtbar" sichtbar gemacht wird. Denn in der Praxis werden besonders geistig behinderte Menschen von ihren Eltern sehr lange "geschützt". Es sind denn
häufig auch die Eltern, die zu der Erkenntnis kommen, dass ihr oft schon erwachsenes Kind sexuelle Bedürfnisse hat.
Wie tabuisiert das Thema ist, erlebte Schlich-Heinze, als Pro Familia in Schulen eine Broschüre zum Thema Behinderung und Sexualität verteilte: "Da gab es von konservativer Seite viel Gegenwind."
Initiiert wurde der Film von Regina Bätz von Pro Familia Schlüchtern. Ihr fehlte einfach Material zu dem Thema. Schlich-Heinze ist kein deutschsprachiger Film bekannt, der sich bislang mit dieser Thematik befasst hätte.
Für die Vorführung am 21. Februar hat Pro Familia bereits viele Einladungen an Betroffene und Organisationen verschickt und auch rege Rückmeldungen erhalten. "Aber natürlich kann jeder, der an dem Thema interessiert ist, die Vorführung besuchen", betont Schlich-Heinze.
Der Film
Der Film "Liebe und so Sachen ..." ist am Sonntag, 21. Februar, um 11 Uhr im Hanauer Central-Kino am Freiheitsplatz zu sehen. Der Eintritt ist frei, Pro Familia bittet aber um eine Spende.
Eintrittskarten können unter Telefon 06181 / 21854 bei Pro Familia bestellt werden.
Mehr Information zum Film bei Pro Familia Hessen!
Als DVD kostet der Film 39 Euro für Privatpersonen, für Organisationen 69 Euro inklusive der Rechte, mit ihm pädagogisch zu arbeiten. Nähere Informationen dazu unter Telefon 069 / 447061 oder www.profamilia-foerderverein-hessen.de Der Spielfilm "Liebe und so Sachen ..." soll zweierlei bieten: zum einen Unterhaltung, zum anderen Aufklärung. Die Geschichte ist einfach erzählt: Zwei junge Leute lernen sich kennen und lieben, beide leiden an dem Down-Syndrom. Gespielt wird das Paar von zwei Profi-Schauspielern, die selbst an dieser Krankheit leiden. Auf der zugehörigen DVD gibt es außerdem praktische Hinweise, beispielsweise wird erklärt, wie ein Kondom richtig benutzt wird.