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Conny Wenk: Der "A little extra"-Wandkalender 2012 ist da

Donnerstag, 8. Dezember 2011




Credit: Conny Wenk

Trotz steigender Bedeutung elektronischer Hilfsmittel, die man immer zur Hand hat, ist es überall auf der Welt noch immer sehr beliebt, sich einen aktuellen Kalender an die Wand zu hängen. Solange der Standard-Wandkalender nicht elektronisch wird (so etwas existiert schon), wird dies auch so bleiben. Denn man muss keine Knöpfe drücken und ist nicht vom Ladezustand eines Akkus abhängig. Ein gedruckter Wandkalender bietet den Vorteil, dass man selbst im schlimmsten Morgenmuffel-Zustand während des Weges zur Kaffeemaschine auf einen Blick zumindest erkennt, welches Datum gerade vorliegt und welcher Wochentag damit verbunden ist. Oder andersherum.

Ein Wandkalender kann aber viel mehr sein als eine pure Informationsquelle. Manchmal wird die Information sogar zur Nebensache. Das passiert zum Beispiel dann, wenn der Kalender mit Motiven - in den meisten Fällen fotografischen - versehen ist, unter/über/neben denen sich der eigentliche kalendarische Teil des Gesamtwerkes befindet. In diesem Moment wird der Kalender zu einer optischen Bereicherung Ihres Wohnumfeldes.

Motivthemen für Fotokalender gibt es wahrscheinlich unbegrenzt. Schlagen Sie einmal ein Wörterbuch an einer x-beliebigen Stelle auf und suchen Sie ein Substantiv oder Adjektiv, mit dem Sie keinen existenten Kalender assoziieren können. Produkte, Landschaften, Orte, Umwelt, Eigenschaften, Leute, Wissenschaft, Tiere ... und, und und. Zu so ziemlich allem werden Sie irgendwo den passenden Kalender finden.

(Subjektiv) richtig gut und wertvoll wird so ein Kalender, wenn Sie nach Ablauf des Jahres, den der Kalender informativ abdeckt, ein Problem bekommen. Dann nämlich, wenn der Kalender durch den neuen, für das kommende Jahr gültigen ersetzt werden muss und die Frage auftaucht, was man mit dem abgelaufenen Kalender tun soll. Wenn man aus irgendeinem Grund eng mit den Fotomotiven verbunden ist (ein gutes persönliches Beispiel ist ein Kalender mit dem jeweiligen Monat und der Jahreszeit entsprechenden Fotos meiner "alten" kleinen Heimatstadt), dann kann diese Situation richtig weh tun. Süßer Schmerz.

Wetter ist Wetter. Egal, ob es gerade regnet, schneit oder die Sonne scheint.
Ich kann aber Fotomotive zusammenstellen, bei denen es entweder um Schnee oder um Regen oder um Sonnenschein geht.
Ein Berg ist ein Berg. Egal, ob er baumbewachsen oder kahl wie mein Hinterkopf ist.
Ich kann aber Fotomotive zusammenstellen, bei denen es entweder um grüne oder um graue oder um braune oder um weiße Berge geht.
Menschen sind Menschen. Egal, ob sie klein oder braun, einarmig oder zweibeinig, sprechend oder taub, katholisch oder TV-süchtig ... sind.
Ich kann aber Fotomotive zusammenstellen, bei denen es entweder um kleine oder um braune oder um sprachlose .... Menschen geht. 

Die fantastische Fotografin Conny Wenk nimmt den Themenbereich, auf den sie sich bei einem Großteil ihrer Arbeit konzentriert, alles andere als auf "die leichte Schulter". Und doch kommen ihre Fotos mit einer Leichtigkeit daher, die mich oft verblüfft. Als einer der Co-Autoren des Buchs Außergewöhnlich: Väterglück  und im Zusammenhang mit dessen Veröffentlichung hatte ich die Ehre, Conny selbst, ihr Werk, ihren Ansporn und ihre Arbeitsweise etwas besser kennen- und schätzenzulernen.

Und ich würde gern - bevor ich den Link zu Connys neuem Kalender, der zu jener Gruppe von Kalendern gehört, die man nach Ablauf des Jahres nicht einfach so wegwerfen kann, erstelle - eine Ergänzung hinsichtlich der vermeintlichen Zielgruppe abgeben:
Neben "Eltern-Kind-Gruppen, Selbsthilfegruppen, Kliniken, Arztpraxen, Logopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Initiativen von Lebensschützern, Kirchen, diakonischen und karitativen Einrichtungen und, und" gehört dieser Kalender meines Erachtens vor allem in die Küche von generell werdenden Eltern, Schwangerschaft planenden Vielleicht-Eltern und (ver-)zweifelnden Entscheiden-Müssen-Eltern.

 

Fluch und Segen: Pränataldiagnose

Donnerstag, 18. März 2010

Eine Meinung zum Thema gefunden bei das-schwangerschafts-erlebnis.de

Wie so oft, kommt das Gute mit dem Bösen Hand in Hand. Ist es nicht wunderbar, frühzeitig wissen zu können, ob Sie ein gesundes Kind erwarten?

Ehrlich gesagt bin ich in dieser Hinsicht ziemlich gespalten. Für mich ist das ein bissel wie mit einem Knüppel über den Friedhof zu gehen: Je fester man ihn packt, desto größer die Befürchtung, dass ein Geist erscheint.

Und haben wir nicht alle auch von Fällen gehört, in denen ein behindertes Kind prognostiziert war und ein gesundes geboren wurde?


Wer einmal miterlebt hat, durch welche Hölle eine werdende Mutter geht, bis sie ein “endgültiges Ergebnis” hat, wird sich selbst diese Frage vielleicht anders beantworten, als jemand anderer.

Wiederholen wir noch mal kurz die entscheidende Passage: „Ein Computerprogramm errechnet daraus das persönliche Risiko …” Hier steht Risiko, nicht Tatsache!

Die Pest bei der Pränataldiagnostik liegt im Umstand, definitivere Ergebnisse erst in fortgeschrittenerem Stadium der Schwangerschaft liefern zu können.

Was bei diesen Tests übersehen wird, ist, was sie mit der werdenden Mutter, mit den werdenden Eltern anstellen!

Zum einen bedeutet ein negatives Ergebnis – also kein Befund – keineswegs, dass das Embryo deshalb auch gesund ist. Immer noch kann es eine Fehlgeburt geben, immer noch kann ein behindertes Kind zur Welt kommen. Immer noch kann alles passieren!

Außerdem lassen diese Tests außer Acht, dass gerade durch sie ein stärkeres Bedürfnis in der Bevölkerung entsteht, möglicherweise behinderte Kinder frühzeitig aussieben zu müssen – was umgekehrt gleichbedeutend mit der Idee ist, dass behinderte Menschen weniger wert sind. Nicht dass das jemand offen sagen würde, aber diese Tests implantieren diesen Gedanken automatisch, denn wäre dem nicht so, wozu dann die Tests?

Und doch bin ich gleichzeitig auch der Meinung, Eltern sollten eine Chance haben, sich zu entscheiden, ein möglicherweise schwerstbehindertes Kind zur Welt zu bringen oder eben nicht. Die Belastungen, die auf die jungen Eltern lebenslang zu kommen können, sollte man, wenn es denn möglich ist, wählen können. Sie sehen, ich bin keineswegs klar und im Reinen mit diesen Tests.

Es bekümmert mich, wenn ich sehe, wie es an einer werdenden Mutter nagt, über Wochen hinweg, bis sie ein Ergebnis hat. Und hat sie es schließlich, hat sie ein Untersuchungsergebnis, eine Wahrscheinlichkeit – kein Kind. Es bekümmert mich, wenn ich mir vorstelle, was in einer erst werdenden Familie stattfindet, je nachdem wie dieser Befund ausfällt. Und stellen Sie sich vor, die werdende Mutter hat schon die ersten Bewegungen und Tritte wahrgenommen, hat schon eine Beziehung aufgebaut – und hört jetzt, dass dieses Kind höchstwahrscheinlich eine schwere Behinderung mit in diese Welt bringen wird. Wer will sich diese Belastung vorstellen?

Ich kenne eine alleinerziehende Mutter, die eine Tochter mit Downsyndrom großzieht – für nichts gäbe sie ihre Tochter her. Und doch: wer wollte mit ihr tauschen?

Pränataldiagnose ist eines dieser so merkwürdigen Entwicklungen, bei denen gut und böse Hand in Hand daher kommen und man beidem auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Die Schwangere muss eine Entscheidung treffen. Sie muss – sie hat da keine Wahl, denn auch wenn Sie nicht entscheidet, hat sie ja entschieden – und alles lastet auf ihr und auf ihr alleine.

Manchmal fällt es schwer, die Zeit zu genießen …

Wenn Down-Syndrom-Kinder angeblich so süß und liebenswert sind, warum will sie dann kaum einer freiwillig bekommen?

Freitag, 12. März 2010

gefunden in Gerlindes Blog

Jeder!

Mein Lieblingszitat aus der Literatur zu den Themen Down-Syndrom und Behinderung:

"Jeder von uns besitzt eine große Zahl von Körperzellen mit Trisomien der verschiedensten Chromosomen, darunter auch Chromosom 21. Überspitzt, aber biologisch korrekt formuliert hat folglich jeder Mensch ein Mosaik-Down-Syndrom."

(Wolfram Henn, Warum Frauen nicht schwach, Schwarze nicht dumm und Behinderte nicht arm dran sind. Der Mythos von den guten Genen, Freiburg im Breisgau 2004, S. 158.)

Haben wir vergessen, dass kein Mensch genetisch perfekt ist, dass es jeden treffen kann??

Wenn Down-Syndrom-Kinder angeblich so süß und liebenswert sind, warum will sie dann kaum einer freiwillig bekommen?
Die Diagnose "Down-Syndrom" schockiert die werdenden Mütter während der Schwangerschaft. Wird das Syndrom erst nach der Geburt festgestellt, weicht in vielen Fällen vorübergehend die Freude über das Kind. Es wird als "Verhängnis" empfunden, als Unheil, dem man nicht entkommen kann. Das ändert sich jedoch oft ganz schnell. Um nichts in der Welt möchte man genau dieses Kind missen! Es wird als besonderes Geschenk verstanden.
"Verhängnis" hatte früher noch eine andere Bedeutung, nämlich 'Fügung Gottes'.

Wenn es um Leben und Tod geht

Freitag, 26. Februar 2010


Es gibt kein richtig und kein falsch
Von Matthias Pesch, 25.02.10 im KÖLNER STADT-ANZEIGER
Foto: Max Grönert


Als die Ärzte die Diagnose Down Syndrom bei ihrem ungeboren Kind stellten, stürzte das die Eltern Kirsten Münch und Richard Bähner auf eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende entschieden sie sich für den kleinen Marek - und gegen eine Abtreibung.

Marek macht seinen Eltern Kirsten Münch und Richard Bähner viel Freude, Wenn es um Leben und Tod geht, Baby, Behinderung Handicap, deutsch, Deutschland, Down Syndrom, Down-Syndrome, Extrachromosom, Kind, Trisomie 21, werdende Eltern,

Marek ist ein Charmeur. Seine dunklen Augen blitzen, sein Gesicht strahlt, sobald Mama oder Papa Blickkontakt suchen. Und pfiffig ist er auch. Der Fotograf hat ihm einmal gezeigt, wo er sich die Bilder auf der Digital-Kamera ansehen kann - beim zweiten Mal weiß der Kleine schon genau, wo er suchen muss.
Marek, 20 Monate alt, ist ein fröhlicher, aufgeweckter Junge. Dass er einmal im Kinderstühlchen sitzen und Brei löffeln, dass er im Bilderbuch blättern und mit seiner Mutter auf dem Boden spielen, ja, dass er überhaupt leben würde - das war lange Zeit keineswegs sicher. Als Kirsten Münch in der 21. Woche schwanger war, haben sie und ihr Partner Richard Bähner erfahren, dass ihr Kind wahrscheinlich behindert sein würde. Trisomie 21, Down Syndrom, so lautete die Diagnose der Ärzte. Für das Paar brach eine Welt zusammen. Sechs lange, quälende Wochen zehrten nicht nur die Kräfte der werdenden Eltern auf, sie brachten auch ihre Beziehung an die Grenze der Belastbarkeit - bis sie sich schließlich für das Kind entschieden. „Ohne psychologische Beratung und Begleitung hätten wir das nicht geschafft“, sagen die beiden Eltern. „Sie war Gold wert.“

Kirsten Münchs Schwangerschaft verläuft unproblematisch. Dass sie im Zentrum für Pränataldiagnostik in Willich am Niederrhein im Februar 2008 eine spezielle Ultraschalluntersuchung vornehmen lässt, hat keinen besonderen Grund. Auf einem Flachbildschirm können die werdenden Eltern jedes Detail beobachten. „Ich sah unseren Sohn richtig schwimmen“, erinnert sich Goldschmied Bähner, der im Heimatort St. Tönis ein Juweliergeschäft betreibt. Aber ihm fällt auch der weiße Punkt auf dem Herzen des Embryos auf. Der Arzt untersucht, misst - und wird immer stiller. „Ist alles in Ordnung“, will Münch wissen. „Darüber reden wir gleich.“

Es ist nicht nur der weiße Punkt, der den Arzt beunruhigt. Eine Anomalie der Ober- und Unterarmlängen, so genannte Sandalenzehen, eine wenig ausgeprägte Nasenwurzel - „1:16“ sei die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind behindert sein werde. „Das ist bei uns gar nicht richtig angekommen“, erinnert sich die gelernte Bankkauffrau Münch. „Wir waren nur geschockt.“

Hundertprozentige Gewissheit könne nur eine Fruchtwasseruntersuchung bringen, erklärt ihnen der Mediziner. Das Paar ist völlig verunsichert, denn die Untersuchung birgt nicht unerhebliche Risiken für das Kind. Sie wollen eine zweite Meinung. In einer Praxis für Pränatalmedizin und Genetik in Düsseldorf wiederholt ein Arzt eine Woche später alle Untersuchungen - und er relativiert die Prognose des Kollegen in Willich. Auf 1:360 schätzt er die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind mit Down Syndrom zur Welt kommt - nach seinen Berechnungen sei das Kind gesund. „Es war wie eine Achterbahnfahrt“, erinnert sich Bähner. „Zwei Ärzte, zwei Koryphäen, zwei Meinungen.“

Und wieder die Frage nach der Fruchtwasseruntersuchung. Und vor allem danach, wie die werdenden Eltern mit einem negativen Ergebnis umgehen würden. Münch und Bähner setzen sich ins Café. „Ich wollte Gewissheit“, sagt Münch. „Ich wollte mich vorbereiten können. Mit Ungewissheit und Angst hätte ich keine drei, vier Monate leben können.“ Ihr Partner ist skeptisch: „Ich habe eher die Vogel-Strauß-Mentalität verfolgt“, sagt er. „Denn es war klar: Wenn wir die Diagnose einer Behinderung bekämen, müssten wir eine Entscheidung treffen.“ Im Hinterkopf haben beide die Hoffnung, „dass das Kind gesund ist und der Rest der Schwangerschaft keine Tortur wird“. Die Hoffnung wird enttäuscht. Münch lässt eine Fruchtwasseruntersuchung machen - sie bestätigt die Trisomie-21-Diagnose. „Wir sind nur noch nach Hause getaumelt.“

Die folgenden Wochen „wünschen wir niemandem“, sagen die beiden. Sie diskutieren viel, streiten auch heftig, es geht immerhin um Leben oder Tod. Beide sprechen mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen, mit ihren eigenen Familien und Freunden - sie gehen unterschiedliche Wege, um für sich zu einer Entscheidung zu kommen. Seit ihrem Besuch in der Düsseldorfer Praxis werden die beiden von Kerstin Hotz-Wegner vom Landesverband Frauen beraten / donum vitae beraten und begleitet. „Sie hat uns von Anfang an klar gemacht: Es gibt keine richtige und keine falsche Entscheidung.“

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Das ist für das Paar einerseits eine erleichternde Feststellung, wirklich entschärft hat sie die Diskussionen aber nicht. Richard Bähner spürt Panik. „Ich hatte das Gefühl, mich mit einem behinderten Kind von allen Träumen verabschieden zu müssen, nie mehr fröhlich sein zu können.“ Gedanken, derer Bähner sich heute schämt. Und er meinte, seine Frau hätte sich, unterstützt von der Beraterin, längst für das Kind entschieden. „Ich fühlte mich ausgegrenzt“, sagt der 44-Jährige. Die Ablehnung ging so weit, „dass ich Kirsten gar nicht mehr als Schwangere gesehen habe. Der Bauch war für mich weg.“

Kirsten Münch hatte einen anderen inneren Kampf durchzustehen. „Vielleicht war ich von Anfang an innerlich überzeugt, das Kind bekommen zu wollen“, gesteht Münch sich ein. „Aber es war mir nicht bewusst.“ Die Angst, den Partner zu verlieren, war groß. Es gab eine Reihe von Gesprächen mit Hotz-Wegner, mal zu zweit, mal alleine. Irgendwann sagte die Beraterin zu Münch: „Sie müssen ihrem Partner sagen, dass Sie das Kind wollen.“ Das hat sie gemacht, und Bähner hat die Nachricht gefasst aufgenommen. Was hat ihn zur Sinnesänderung bewogen? „Ich habe gespürt, dass ein Abbruch für Kirsten nicht machbar wäre. Sie hätte ihr Leben lang darunter gelitten.“ Und heute ist er sicher, dass es ihm selbst nicht anders gegangen wäre.

Von dem Augenblick an ändert sich das Leben der beiden. „In dem Moment, wo die Entscheidung gefallen war, wusste ich, dass es die richtige ist“, sagt Bähner. Die beiden kaufen einen Kinderwagen, streichen das Kinderzimmer, machen ein Fotoshooting mit Babybauch - „all das, was andere Eltern viel früher machen“. Marek kommt vier Wochen zu früh mit Kaiserschnitt zur Welt. „Ich glaube, dass kein anderer Vater seinen Sohn mehr lieben kann als ich“, sagt Bähner.

Marek ist nach den Worten seiner Mutter auf dem Entwicklungsstand eines Kindes von etwa elf, zwölf Monaten. Er hat kleinere motorische Defizite, macht Ergotherapie und Krankengymnastik, „aber er ist aufmerksam, neugierig, beobachtet und fängt an zu brabbeln“. Den Eltern ist bewusst, dass sich die Defizite vergrößern werden - was genau da auf sie zukommt, das wissen sie nicht. „Aber wir sind guter Hoffnung.“

Natürlich richtet sich das Leben der beiden nach den Bedürfnissen des Kindes aus. „Wenn wir ein gesundes Kind hätten, hätte ich sicher früher wieder angefangen zu arbeiten“, sagt Münch. Und sie sind bei der Suche nach einem Kindergartenplatz „schon mit Diskriminierung konfrontiert worden“ - ansonsten hätten sie aber keinerlei Probleme mit Behörden gehabt.

Im Moment steht allerdings ohnehin anderes im Vordergrund. Kirsten Münch ist wieder schwanger. In der 15. Woche. Sie hat wieder eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen - es ist alles in Ordnung. „Es wird wieder ein Junge“, sagt sie.

Von werdenden Eltern und der Angst vor diesem einen Chrosmosom

Montag, 15. Februar 2010

Wenn auch die im Titel genannte Angst nur einen kleinen Teil der Geschichte darstellt, wollen wir trotzdem auf sie hinweisen, geht es doch um eine Angst, die in unseren Tagen so gut wie jedes werdende Elternpaar betrifft.


Ein unbeschreibliches Glücksgefühl

Erzählt von Cornelia bei Conny liebt Papier


Damals zwei Jahre nach Geburt meiner Ältesten war ich wieder schwanger - kurz vor Weihnachten - der Kindergeburtstag lag hinter uns - die Vorfreude auf ein schönes Weihnachtsfest wuchs - als ich mit starken Schmerzen ins Krankenhaus musste. In einer nächtlichen Notoperation wurde zwar mein Leben gerettet - nicht aber das meines kleinen Sohnes - im 3. Monat - wurde eine Bauchhöhlenschwangerschaft diagnostiziert - eine Austragung wäre nicht möglich gewesen. Die Zeit danach war schlimm - besonders, da ich Weihnachten im Krankenhaus verbringen musste und nicht das erste Weihnachtsfest miterleben durfte, welches mein Töchterchen bewusst wahrnehmen konnte.

Aber wie heißt es so schön: Die Zeit heilt alle Wunden und so ging die Zeit ins Land - nur schwanger wurde ich einfach nicht mehr. Und ich wollte doch so gerne noch ein Kind! Der lange qualvolle Weg durch die verschiedenen Möglichkeiten des Kinderkriegens ist mir noch gut in Erinnerung - Temperaturmessung, verschiedene Ärzte mit immer neuen Diagnosen und Ideen, Liebe nach Stundenplan (grauenvoll - wenn Du willst darfst Du nicht und wenn Du musst - willst Du nicht - erst nahmen wir es mit Humor - doch der blieb schnell auf der Strecke) danach erst die schwächere Gelbkörperhormon-Behandlung, hinterher die große Hormonbehandlung mit dem Hinweis - auch eine Mehrlingsschwangerschaft zu bekommen - ich hätte auch 5 Stück genommen! - etc. fast alles - bis auf eine künstliche Befruchtung - ist mir wohlbekannt. Und im nachhinein das schlimmste, was man sich selbst antun kann, diese immerwährende Hoffnung, die sich aufbaut, die grenzenlose Enttäuschung, wenn es wieder nicht geklappt hat, dieses Gefühl des eigenen Versagens...Jeden Monat - immer wieder! Zweimal Hoffnung und zweimal war nach 2 Monaten wieder Schluss - Krankenhaus - Ausschabung! Nie mehr möchte ich so etwas durchmachen - irgendwann gab ich auf und resignierte - arrangierte mich mit dem Zustand - zumal ich ja eine süße kleine Tochter hatte, die mich für alles entschädigte - und die Zeit verging.

Mittlerweile war ich geschieden, meine Tochter besuchte das Gymnasium und ich lebte in einer neuen Partnerschaft mit meinem jetzigen Mann. Wir drei waren eine glückliche kleine Familie, waren viel unterwegs - gingen Abends spazieren, saßen an den schönen Sommerabenden auch mal im Biergarten, machten Fortbildungsveranstaltungen mit am Bodensee und dann auch eine Tour in unsere Lieblingsstadt Paris, die Stadt, die uns soviel bedeutet - wir haben damals in Paris endgültig zueinander gefunden und nun sollte sie - wie sich später herausstellen sollte - wieder Schicksal spielen.

Es war ein ganz normaler Freitag Ende Oktober - als mein Mann nach Hause kam und mich in den Arm nahm - und ich ihm antwortete: "Vorsicht mit der werdenden Mutter!" - Kaum war das raus - schauten wir uns beide an wie vom Blitz getroffen! Ich rannte zu meiner Handtasche, kramte meinen Kalender heraus und tatsächlich - ich, die immer die Uhr danach stellen konnte - wenn dieser Mist mir wieder jegliche Lebensqualität nahm - hatte nicht mitbekommen, dass ich schon 4 Wochen drüber war. Am nächsten Morgen einen Schwangerschaftstest in der Apotheke besorgt - wieder einen Tag gewartet und dann Sonntag Morgen in aller Frühe ins Badezimmer marschiert damit ich ja nicht gestört wurde - auf dem Badewannenrand gesessen und gewartet. Ich habe nicht hingeschaut - habe versucht - mich abzulenken bis die Zeit endlich vorbei war. Und dann war es so weit - leuchtend blau - prangte das positive Ergebnis in dem kleinen Fenster des Teststäbchens. Was ging mir alles in diesem Moment durch den Kopf - von Himmel hoch jauchzend bis zum Tode betrübt - wie man so schön sagt - grenzenloses Glück - gepaart mit riesengroßer Angst: Ich war 35 - mein Mann 39 - also nicht mehr die Jüngsten - hinzu kam, dass im Bekanntenkreis ein Paar mit der gleichen Konstellation ebenfalls nach 10 Jahren einen Sohn bekommen haben, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam. All das ging mir durch den Kopf als ich ins Schlafzimmer ging - und meinen Mann mit den Worten weckte: "Guten Morgen Papa!" - Mehr brauchte ich nicht zu sagen - auch ihm war sofort klar - was ich gemeint habe. Und wo war's wohl passiert? - Genau - in Paris - in unserer ganz speziellen Stadt der Liebe!

Den Besuch beim Gynäkologen - zwei Tage später - hätte ich mir sparen können - ich wusste, der Test stimmte - als Frau hat man sowas einfach im Gefühl. Es war so schön, auf dem Monitor diesen kleinen pulsierenden Punkt zu sehen - das kleine Herz - das da schon so kraftvoll schlug - und ich habe in diesem Moment geschworen - dieses Kind zu bekommen, zu lieben und zu beschützen - egal - was auch passieren würde. Meine Älteste, die mich jahrelang gelöchert hatte - ein Geschwisterchen zu bekommen - musste ins Krankenhaus und bekam den Wurmfortsatz heraus - und ausgerechnet - als´ich ihr berichten wollte, dass sie nun "Schwester" werden würde - verkündete, sie wäre jetzt doch froh, keine Geschwister zu haben - die anderen Kinder auf dem Zimmer hatten anscheinend dermaßen nervige Exemplare - dass ihr die Lust vergangen war. Also hielten wir uns erst einmal mit unserer Neuigkeit zurück.

Im Januar hatten wir unseren Termin zur Fruchtwasseruntersuchung in der Universitätsklinik in Essen - und während ich untersucht wurde - ließ mein Mann den Monitor nicht aus den Augen und passte genau auf, dass die Nadel nicht unser Baby traf - und wieder hieß es warten. Eine Woche Schonung war angesagt - damit keine vorzeitigen Wehen ausgelöst wurden - und ausgerechnet am letzten Tag - als ich schon dachte - alles geschafft zu haben - bekam ich krampfartige Unterleibsschmerzen - noch mal 2 Tage strammes Liegen - dann war es überstanden.

Zwei Wochen später habe ich es nicht mehr ausgehalten und im humangenetischen Institut angerufen. Nie werde ich vergessen - wie mir der zuständige Arzt mitteilte: "Herzlichen Glückwunsch - wir haben bei Ihnen 23 XX-Chromosomen-Paare feststellen können - sie bekommen also eine gesunde Tochter!" Ich weiß nicht - wie ich die nächsten Minuten überstanden habe - ich bin aus meinem Büro gerannt - die Straße hinunter - wo mein Mann ein paar ´Häuser weiter in der Werkstatt arbeitete. Ich zerrte ihn aus der Kabine, in der er einen Patienten behandelte und fiel ihm heulend um den Hals. All die Anspannung der letzten Wochen fiel ab und endlich, endlich konnten wir uns unbeschwert auf unser Kind freuen!

Warum ich das ausgerechnet heute erzähle? Beim Durchsehen unserer Fotokiste fiel mir das Schreiben des Humangenetischen Instituts (der Himmel allein weiß - wie es dahin gekommen ist) in die Hände (das Ergebnis damals kam natürlich der guten Ordnung halber auch noch schriftlich) und das war genau heute von 21 Jahren! Und wie damals - hat mich auch jetzt wieder dieses unbeschreibliche Glücksgefühl erfasst - zumal ich ja das Endprodukt vor mir habe ;) - und das wollte ich einfach mit Euch teilen!