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Integration Kindergarten & Schule: Schaden oder "bremsen" Kinder mit Behinderung ihre Mitschüler? (Diskussion)

Dienstag, 25. Mai 2010

Der Ausgangsbeitrag:

Integration soll negativ sein ?

Ich habe letzte Woche den Bescheid vom KiGa bekommen, dass meine Tochter für September einen Platz bekommen hat.
Nun habe ich bereits bei der Anmeldung gesagt, ich fände es schön, wenn sie in die Integrationsgruppe käme, also gemeinsam mit behinderten und nichtbehinderten Kindern.
Nun ist Mitte Juni der erste Infoabend wo es auch um die Aufteilung in die verschiedenen Gruppen geht.
Für mich ist klar, dass meine Tochter in die Integrationsgruppe geht, wenn das machbar ist - einfach aus dem Grund, weil ich es schön fände, wenn sie damit aufwächst, dass der Umgang mit behinderten Menschen so normal ist wie mit nichtbehinderten. Ich wünsche mir für sie ein Aufwachsen in Toleranz, soweit ich ihr das ermöglichen kann.
Auch in der Spielgruppe, in der sie im Moment noch ist, ist ein Junge mit Down-Syndrom.
Nun hat mir eine andere Mutter aus dieser Spielgruppe "im Vertrauen" gesagt, dass sie ihr Kind niemals in die Intergrationsgruppe geben würde, denn da werde es nicht gescheit gefördert und bliebe auf der Strecke, zumal ein Kind ja auch das Recht hat, eine gesunde Welt zu erleben und zu begreifen.
Hüh....?
Mir sind solche Aussagen zutiefst fremd...um es höflich auszudrücken.
Allerdings muss ich zugeben, dass mir der Satz, dass meine Tochter dort nicht gefördert wird, also quasi zurückstecken muss, doch im Gehörgang sitzt...auch wenn ich es nicht glauben mag.
Die Vorstellung, im KiGa diesen Floh im Ohr anzusprechen, ist mir irgendwie zuwider....ich will für mein Kind das Beste, und das ist u.a. optimale Förderung, die aber auch die soziale/emotionale Intelligenz mit einschliesst...
Habt ihr eine Idee ? Oder Erfahrungen ?
Danke....

Violet

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KÖNIGS WUSTERHAUSEN: Behinderungen sollen nicht mehr zelebriert werden

Donnerstag, 6. Mai 2010

GLEICHSTELLUNG: Das Einfache, das so schwer zu machen ist

Bei einem Aktionstag wurde gestern dafür geworben, Menschen mit Behinderungen besser einzubeziehen

Von Andrea Müller in der Märkischen Allgemeinen

KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Die Leute blieben gestern stehen, waren neugierig auf das, was auf dem Bahnhofsvorplatz in Königs Wusterhausen geschah. Vertreter von Kreis, Stadt und wohltätigen Trägern starteten hier eine Aktion zur Gleichstellung behinderter Menschen. Der 5. Mai steht alljährlich unter diesem Zeichen. Luftballons, Umfragebögen und Abzeichen mit dem Wort „Inklusion“ zogen die Aufmerksamkeit der Vorbeieilenden auf sich.

„Ich finde es ganz schlecht, dass nicht alle Türen zum Bahnhof immer geöffnet sind“, erklärte ein Königs-Wusterhausener auf dem Weg zu seiner Bahn. Andere beklagten das Chaos wegen des Schienenersatzverkehrs, da gegenwärtig auf der Zug-strecke Königs Wusterhausen–Lübben gebaut wird. Der war auch Inhalt einer Befragung, bei der man sich danach erkundigte, ob man allein reiste oder in Familie, ob mit oder ohne Gepäck, ob mit oder ohne Rollstuhl, ob man mit der Parkplatz-Situation zufrieden sei. Manche machten sich bei dem Interview richtig Luft, war das Chaos hinter dem Bahnhof – hier stehen die Busse des Schienenersatzverkehrs – sowieso schon groß. Wer hier noch durch eine Behinderung eingeschränkt war, kam gar nicht mehr klar.

Dabei sollen künftig Behinderte nicht mehr als solche behandelt werden, sondern wie andere Menschen auch. Dafür wurde extra ein neues Wort erfunden. „Inklusion“ war auf den Stickern der Agierenden gestern zu lesen. „Behinderungen sollen nicht mehr zelebriert werden“, erläuterte der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Luplow. Dabei zeigte er ein Foto. Darauf waren junge Menschen am Tisch zu sehen und eine junge Frau als Kellnerin. Darunter stand: Sie unterscheidet nur noch, dass sie noch nicht Feierabend hat. Die Kellnerin hatte das Down-Syndrom, eine geistige und zum Teil auch körperliche Behinderung.

„Inklusion“ bedeutet Einbeziehung und so will es Luplow auch verstanden wissen. Ginge es nach den Initiatoren, so würde es bald keine speziellen Werkstätten mehr für Behinderte geben und keine Förderschulen für Kinder mit Behinderungen. Sie würden wie andere Kinder auch eine Schule besuchen und arbeiten gehen. Es ist das Einfache, das so schwer zu machen ist. Dass das Zeit braucht, ist allen klar: „Wir reden nicht von sofort, sondern über ein Zeitfenster von 25Jahren“, sagte er.

Elke Voigt, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald, und Michael Schneider von der Arbeitsgemeinschaft Bau und Verkehr des Kreises, konnten gestern aber auch einen tollen Erfolg verkünden. In Bindow hatten sie sich davon überzeugt, dass im Ortsgemeinschaftshaus an die Barrierefreiheit gedacht wurde. „Sie hatten eine Toilette für Behinderte im Außenbereich geplant“, so Schneider, der im Rollstuhl sitzt. „Sie haben dann schnell eingesehen, dass es so nicht geht“, meinte Elke Voigt. So wird das Stuhllager geräumt und zur behindertengerechten Toilette umgebaut. „Manchmal fehlt die Vorstellungskraft, was eine Außentoilette bedeutet“, so Voigt. Sie und auch Schneider haben sich über das Erreichte sehr gefreut.

Schweiz: Diskussion um Insieme - Kampagne "Schraube locker" & Co.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Wieder eine Provokation, doch die Empörung bleibt aus
Von Markus Brotschi in der BAZ online
Foto: Sulzer, Sutter AG

Insieme zeigt Plakate von geistig Behinderten mit Aussagen wie «Schraube locker». Die IV musste eine ähnliche Kampagne nach heftigen Protesten von Behindertenverbänden abbrechen.

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«Schraube locker? Sprung in der Schüssel? Für mich keine Behinderung»: Mit diesen Sprüchen werden ein Mann und eine Frau mit Downsyndrom präsentiert. Verantwortlich für die Kampagne ist Insieme, eine Organisation für Eltern behinderter Kinder. Vor einem halben Jahr stand auf Plakatwänden Ähnliches: «Behinderte sind dauernd krank» oder «Behinderte liegen uns nur auf der Tasche». Absender war die Invalidenversicherung (IV). Die IV musste ihre Kampagne nach einem Entrüstungssturm der Behindertenorganisationen, darunter auch Insieme, abbrechen.

Wie kommt Insieme dazu, auf ihr 50-jähriges Bestehen mit der gleichen Methode hinzuweisen, die sie kürzlich verurteilte? «Es sind Redewendungen, die jeder von uns kennt», sagt Kommunikationsleiterin Beatrice Zenzünen. Ziel sei es, eine Diskussion über Vorurteile anzuregen. Zenzünen sieht den Unterschied zur IV-Kampagne darin, dass die IV zuerst nur Vorurteile verbreitete und «viel zu lange mit der Auflösung der Urheberschaft zuwartete». Zudem seien die Auflösungen schlecht erkennbar gewesen und keine Betroffenen einbezogen worden.

Das Tabu brach Pro Infirmis

Fragt sich allerdings, ob die IV nicht kritisiert worden wäre, wenn neben den Sprüchen Behinderte abgebildet worden wären. Die Auflösung lieferte die IV aufgrund der Proteste nach wenigen Tagen: «Behinderte liegen uns nur auf der Tasche – wenn wir ihre Fähigkeiten nicht nutzen», «Behinderte sind dauernd krank – und trotzdem morgens die Ersten im Büro». Doch es war zu spät, die Kampagne wurde eingestellt.

Von Kritikern der IV-Plakate erhält die Insieme-Kampagne Lob. Die Abbildung Betroffener schaffe Authentizität und verleihe den Sprüchen Selbstironie, findet Bruno Schmucki vom Invalidenverband Procap. Bei der IV-Kampagne sei die Provokation dagegen im Vordergrund gestanden.

Bis vor wenigen Jahren verwendeten Behindertenverbände nur Symbolbilder oder zeigten höchstens einen Rollstuhlfahrer von hinten. Das Tabu brach 2001 Pro Infirmis, die Menschen mit ihrer Behinderung zeigte, etwa mit einem verstümmelten Bein. Für Mark Zumbühl, Kommunikationschef von Pro Infirmis, kommt es auf den Urheber einer Kampagne an. «Die Insieme-Kampagne kommt von den Betroffenen und von Organisationen, welche die Anliegen von Menschen mit Behinderung verstehen.» Auf den Plakaten sind Schauspieler der Zürcher Theatergruppe Hora zu sehen, die mit geistig Behinderten arbeitet. Die Plakate seien im Einverständnis mit den Betroffenen, den Angehörigen und den Betreuern realisiert worden, betont Insieme.

«Vorurteile werden zementiert»

Für den Zürcher Werber Frank Bodin erreicht die Insieme-Kampagne ihr Ziel trotzdem nicht. «Sie sagt mir nichts Neues und widerlegt das im Spruch ausgedrückte Vorurteil nicht. Damit werden die Vorurteile sogar zementiert.» Bodin hält sowohl die Insieme-Plakate als auch jene der IV für «dumm». Als Beispiel einer gelungenen Kampagne nennt er jene von Pro Infirmis. Mit dem Slogan «Wir lassen uns nicht behindern» seien Menschen mit ihrer körperlichen Behinderung auf würdige Weise gezeigt worden und hätten ein «neues Selbstbewusstsein» demonstriert. Diese Aussage sei für die Betrachter neu und überraschend gewesen. Wer aber Kalauer wie «Schraube locker» brauche und Menschen mit einer Schraube oder einer zersprungenen Schüssel präsentiere, zeige, dass eine grundlegende Kampagnenidee fehle.

>>> ZUR DISKUSSION

Tim's Story: Wenn der Wille der Natur stärker ist als der menschliche - und ein Kind seine eigene Abtreibung überlebt

Donnerstag, 25. März 2010


Das Geschenk eines Lebens

Von Silvia Dahlkamp im Spiegel
Foto © SPIEGEL ONLINE 2010


Zwei Mütter, ein Sohn: Susanne B. erfuhr im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft, dass ihr Kind mit Down-Syndrom geboren werden würde. Sie entschied sich für eine Spätabtreibung - doch der Junge überlebte. Simone G. und ihre Familie nahmen Tim auf.

Tim's Story: Wenn der Wille der Natur stärker ist als der menschliche - und ein Kind seine eigene Abtreibung überlebt, Baby, Behinderung Handicap, Deutschland, Diskriminierung Rassismus, Down Syndrom, Down-Syndrome, Extrachromosom, Geschichten Stories, Kind, Krankheit Gesundheit Medizin, Trisomie 21, Tim sitzt auf dem Boden und spielt. So, wie nur Kinder spielen können: voll bei der Sache, versunken in seine Welt. Tim dreht Frisbeescheiben. Grüne, gelbe, blaue. Brabbelt vor sich hin, wirft sie weg, krabbelt hinterher. Tim liebt Frisbeescheiben. Er lässt sie kreiseln. Stundenlang. Bis seine Schwester und die zwei Brüder nach Hause kommen. Um kurz nach sechs sitzt die ganze Familie am Abendbrottisch. Der ganz normale Alltag mit vier Kindern eben - und doch ist bei der Familie G. vieles anders.


Mama Simone ist nicht die Frau, die Tim geboren hat. Papa Bernd ist nicht sein leiblicher Vater. Sie sahen ihren Sohn zum ersten Mal vor zwölf Jahren, auf einer Frühchenstation. Kurz vor Weihnachten rief das Jugendamt an: "Wir suchen Pflegeeltern für einen Säugling." Nicht für irgendeinen Säugling.

Tim hatte seine eigene Abtreibung überlebt.

Jetzt lag er in einem Brutkasten, hatte nur eine Windel an. In seiner winzigen Nase steckte ein Beatmungsschlauch, im Mund eine Nahrungssonde. Die Herzmaschine piepte.

Tim war winzig, nur 1500 Gramm schwer. Seit fünf Monaten kämpfte er ums Überleben. Es würde ein kurzes, elendes Leben, glaubten die Ärzte. Die Krankenakte war lang: Down-Syndrom, Wasserkopf, Hirnblutungen ersten und zweiten Grades. Und trotzdem: "Wir schauten in seine blauen Augen und wussten, dieser kleine Kerl gehört zu uns", sagen die G.s heute.

"Nein, da waren keine Zweifel. Nein, wir haben nicht gegrübelt", erinnert sich Bernd G. "Warum auch?" Er schaut fasziniert zu, wie die Frisbees durch die Küche rollen. Schaut, wie Eltern eben schauen, wenn ihre Kinder gerade ein neues Stück Welt entdeckt haben. Stolz.

Er und seine Frau können das, was Tims leibliche Eltern nicht schafften. Bedingungslos lieben.

Dabei hatten sich Susanne B.* und ihr Mann so sehr ein zweites Kind gewünscht. Für Susanne, damals 35, war es die dritte Schwangerschaft. Sie freute sich unbändig auf ihr Baby, wollte zunächst nicht einmal eine Fruchtwasseruntersuchung. Doch weil sie nach einem gesunden Sohn bereits ein totes Kind zur Welt gebracht hatte, waren die Ärzte sensibilisiert. Am Ende des sechsten Monats bestätigte sich ein Verdacht: Down-Syndrom. Susanne B. brach zusammen.

Ein Leben mit einem behinderten Kind, das schafft sie nicht

25. Woche, plus vier Tage. Da ist der Bauch schon gewölbt. Das Kind strampelt kräftig. Es erkennt die Stimmen von Mutter und Vater. Es kann leben. Doch Susanne B. war nur verzweifelt, war sich sicher: Ein Leben mit einem behinderten Kind, das schafft sie nicht.

Alles ging ganz schnell. Um 11.15 Uhr hatte ihr der Arzt die Diagnose mitgeteilt. Um 14.30 Uhr stand sie mit dem Koffer auf der Frauenstation. Eine Medizinerin klärte auf: "Wahrscheinlich stirbt der Fötus während oder kurz nach der Geburt. Vielleicht wird er aber leben." Susanne B. war überfordert, reagierte panisch: "Ich will es nicht. Ich verlange, dass Sie mir das wegmachen." Sie droht sogar mit Selbstmord. Gegen 16 Uhr wird die Geburt eingeleitet.

Als alles vorbei war, grübelte Susanne B. oft: Wäre es besser gewesen, wenn ich nichts gewusst hätte von der Behinderung? Oder besser, wenn ich viel mehr gewusst hätte - über das Down-Syndrom, das, was sie nur als "Mongolismus" kannte? "Dann hätte ich mich für eine normale Entbindung und gegen einen Abbruch entschieden", sagte sie später.

Susanne B. tat, was neunzig Prozent aller Mütter tun, wenn sie erfahren, dass ihr Kind Down-Syndrom hat. Sie entschied sich für eine Abtreibung. Auch in Grenzfällen wie bei Tim, wenn das Kind schon leben kann, brechen 62 Prozent aller Mütter die Schwangerschaft ab. Das belegen Zahlen aus der Frauengesundheitsforschung.

Geboren worden, um zu sterben

Die Spätabtreibung darf allerdings nie mit der Behinderung begründet werden, nur mit einer körperlichen und seelischen Notfallsituation der Mutter. 237 Spätabtreibungen wurden dem Statistischen Bundesamt im vergangenen Jahr gemeldet. Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung (CDU) schätzt, dass es in Wahrheit viel mehr sind. Denn Embryos, die schon im Mutterleib mit einer Kalium-Chlorid-Spritze getötet und unmittelbar danach geboren werden, tauchen in dem Zahlenwerk nicht auf.

Susannes Baby sollte auf seinem Weg durch den Geburtskanal sterben, an den Anstrengungen und toxischen Medikamenten, die die Wehen einleiteten.

Tim hat seine Mutter nie kennen gelernt. Nach mehr als 30 Stunden Qual und Schmerzen musste der Arzt ihn aus Susannes Leib herausziehen, weil er sich noch nicht gedreht hatte. Ein kleines Bündel Mensch, nur 650 Gramm schwer, leichter als ein Paket Mehl.

Susanne wollte Tim nicht sehen, die Pfleger brachten ihn weg. Neun Stunden lag der Fötus nackt in einem Kreißsaal in Oldenburg, notdürftig in ein paar Handtücher gewickelt. Wozu ein Wärmebettchen, ein Brutkasten? Dieses Kind war geboren worden, um zu sterben. Doch Tim gab nicht auf: Als sein Körper schon auf 28 Grad abgekühlt war, schnappte er noch nach Luft. Da kam er auf die Frühchenstation, und später dann zur Familie G.

Seit dem Tag seiner Ankunft in ihrem Leben kämpfen die G.s für Tim. Er schlief in der Familienwiege, unter einem Sauerstoffzelt. Nachts kamen die Pflegeeltern oft im Stundentakt an sein Bettchen. Weil die Lungen noch nicht ausgereift waren, musste er immer wieder wochenlang zurück ins Krankenhaus.

Und dann waren da noch andere Krankheiten, die in den Stunden nach der Geburt entstanden. Mehr als zwanzig Operationen in drei Jahren musste Tim überstehen. Fast jedes Mal sagten die Ärzte: "Diesmal schafft er es nicht." Dann haben alle geweint. Simone G., ihr Mann, ihre Söhne, die damals vier und sechs Jahre alt waren.

Auch Susanne B. hat geweint. Wenn die Erinnerungen hochkamen. Auch sie hat gekämpft. Gegen ihre Schuldgefühle. Sie schämte sich. Für das, was sie in jenen furchtbaren Stunden gesagt und getan hatte. Sie hätte alles dafür gegeben, damit ihrem Sohn das Leid erspart geblieben wäre. Doch kein Arzt und kein Psychologe konnten ihr die Last nehmen, die sie niederdrückte und später auch ihren Körper krank machte.

Susanne B. verklagte den Arzt, der in jener Nacht Dienst hatte. 13.000 Euro Schmerzensgeld musste der Gynäkologe schließlich zahlen.

Wer war Schuld, dass Tim sich so quälen musste? Dass sie sich seitdem quälen musste? Diese Frage hat kein Gericht je geklärt. Während ihr behinderter Sohn sich ins Leben kämpfte, verlor Susanne B. nach und nach die Kraft zu leben. Sie starb mit nur 41 Jahren.

Tims Mütter haben nur einmal miteinander gesprochen. Als Susanne B. sich sechs Monate nach der Geburt das Zuhause anschaute, das sie ihrem Sohn gern gegeben hätte, wenn ihre Kraft gereicht hätte. "Sie hatte wohl Angst, was die Familie, die Nachbarn, die Freunde sagen könnten", vermutet Simone G. "Sie wusste nicht, dass es Hilfe gibt."

Tims leiblicher Vater schaute früher viermal im Jahr für eine Stunde vorbei. "Er ist doch mein Fleisch und Blut", sagte er über Tim, wenn er bei den G.s auf der Küchenbank saß und seinem Sohn beim Spielen zusah. Nachdem seine Frau gestorben war, hat er nie wieder geklingelt.

"Bei behinderten Kindern freut man sich über Erfolge doppelt"

Simone G. guckt besorgt auf die Uhr. Sie wartet auf den Behindertenbus, der ihren Sohn jeden Nachmittag von der Schule nach Hause bringt.

Ein Wunder, sagen die Ärzte. Zwar wird Tim nie lesen und schreiben lernen, aber vieles andere: Was Töne sind, wie man auf einer Trommel schlägt, im Rhythmus tanzt, fröhlich im Bällebad tobt. Und noch ein Wunder: Tim kann laufen. Mit sechs Jahren machte er die ersten Schritte an der Hand. Mit acht Jahren tapste er wackelig hinter seiner Schwester Lissy her. Mit neun Jahren konnte er endlich stabil gehen.

Was andere in vier Monaten schaffen, dafür brauchte er drei Jahre. Heute kann er sogar auf dem Trampolin im Garten springen. "Er ist sehr weit zurück, alles geht sehr langsam", sagt Simone G. Jetzt soll Tim noch essen lernen. Damit er Eis schlecken, Kekse knabbern und Pommes genießen kann. So wie jedes andere Kind auch. Bis heute wird er über eine Nahrungssonde ernährt, auch das eine Folge der frühen Geburt.

Wieso hat sie so ein Kind genommen? Ein Kind, das einen immer brauchen wird, das man nie wieder loslassen kann und das einen auch nie wieder loslässt, egal, wie alt man wird. Simone G. zuckt mit den Schultern. "So schwer ist es doch gar nicht. Bei gesunden Kindern macht man ständig Druck: ,'Kümmere dich um die Schule', ,'Übe dein Instrument', ,'Räume dein Zimmer auf'. Bei behinderten Kindern erwartet man nichts und freut sich über jeden Erfolg doppelt."

Tim bringt viel Freude. Manchmal geht sein Vater mit ihm und seinen Brüdern zum Basketball im Nachbarort. Die Dragons spielen in der ersten Liga. Tim jubelt über jeden Korb, lacht und klatscht. Und reißt mit seiner Begeisterung alle mit.

Das Leben der G.s hat sich verändert, seit ihrer Entscheidung vor zwölf Jahren. Familie und Freunde haben damals gesagt: "Ihr seid verrückt." Doch Simone und Bernd G. taten, was sie immer schon wollten. Sie gründeten eine große Familie. Schon vor der Hochzeit war klar: "Wir wollen mindestens fünf Kinder, eigene und Pflegekinder." Woher der Wunsch kam, das wissen sie nicht mehr. Er war einfach da. Besonders gläubig sind sie nicht. "Und ein Helfersyndrom haben wir auch nicht", lacht Bernd G., der als leitender Lebensmitteltechniker arbeitet, von morgens acht bis abends um sechs Uhr.


"Na mein Schatz, wie war es in der Schule?", fragt Papa Bernd, wenn er nach Hause kommt. Tim gibt ein paar grunzende Geräusche von sich, schiebt sich ganz dicht an seinen Vater heran, klopft ihm auf die Schultern. Dann dasselbe Ritual bei Mutter Simone, nur ohne Schulterklopfen. Die sagt lächelnd: "Er mag eher Männer. Ich weiß auch nicht, warum."

"Wir wissen, dass Tim weiß, wer wir sind, und das reicht"

Sprechen hat Tim bis heute nicht gelernt. Nur manchmal kommen ein paar Geistesblitze. Einmal sagte Tim: "Hier bin ich." Alle drehten sich um und staunten. Doch er hatte es schon wieder vergessen. Ein anderes Mal rief er "Mama und Papa". Doch auch diese Worte verschwanden wieder. Bernd G. ist es egal. "Wir wissen, dass Tim weiß, wer wir sind, und das reicht." Zurzeit kennt er den Namen des Hundes. Leo heißt er. Tim schreit: "Eo, eo!" Und ruft "Tschüs", wenn morgens der Schulbus hupt.

So glücklich ist die Familie mit Tim, dass der Familienrat vor fünf Jahren beschloss, noch ein Kind aufzunehmen. "Junge oder Mädchen?", darüber gab es damals Streit. Mutter Simone setzte sich durch. "Wir bekommen eine Schwester, so wie unser Tim", freute sich Sohn Pablo und hüpfte durchs Wohnzimmer. Und so kam Tochter Lissy, heute 9, zu den G.s. Auch sie hat das Down-Syndrom. Ihre Mutter hatte sie gleich nach der Geburt in ein Kinderheim gegeben. Tim liebt seine kleine Schwester. Sie ist jetzt Familie.

*Name von der Redaktion geändert

Fluch und Segen: Pränataldiagnose

Donnerstag, 18. März 2010

Eine Meinung zum Thema gefunden bei das-schwangerschafts-erlebnis.de

Wie so oft, kommt das Gute mit dem Bösen Hand in Hand. Ist es nicht wunderbar, frühzeitig wissen zu können, ob Sie ein gesundes Kind erwarten?

Ehrlich gesagt bin ich in dieser Hinsicht ziemlich gespalten. Für mich ist das ein bissel wie mit einem Knüppel über den Friedhof zu gehen: Je fester man ihn packt, desto größer die Befürchtung, dass ein Geist erscheint.

Und haben wir nicht alle auch von Fällen gehört, in denen ein behindertes Kind prognostiziert war und ein gesundes geboren wurde?


Wer einmal miterlebt hat, durch welche Hölle eine werdende Mutter geht, bis sie ein “endgültiges Ergebnis” hat, wird sich selbst diese Frage vielleicht anders beantworten, als jemand anderer.

Wiederholen wir noch mal kurz die entscheidende Passage: „Ein Computerprogramm errechnet daraus das persönliche Risiko …” Hier steht Risiko, nicht Tatsache!

Die Pest bei der Pränataldiagnostik liegt im Umstand, definitivere Ergebnisse erst in fortgeschrittenerem Stadium der Schwangerschaft liefern zu können.

Was bei diesen Tests übersehen wird, ist, was sie mit der werdenden Mutter, mit den werdenden Eltern anstellen!

Zum einen bedeutet ein negatives Ergebnis – also kein Befund – keineswegs, dass das Embryo deshalb auch gesund ist. Immer noch kann es eine Fehlgeburt geben, immer noch kann ein behindertes Kind zur Welt kommen. Immer noch kann alles passieren!

Außerdem lassen diese Tests außer Acht, dass gerade durch sie ein stärkeres Bedürfnis in der Bevölkerung entsteht, möglicherweise behinderte Kinder frühzeitig aussieben zu müssen – was umgekehrt gleichbedeutend mit der Idee ist, dass behinderte Menschen weniger wert sind. Nicht dass das jemand offen sagen würde, aber diese Tests implantieren diesen Gedanken automatisch, denn wäre dem nicht so, wozu dann die Tests?

Und doch bin ich gleichzeitig auch der Meinung, Eltern sollten eine Chance haben, sich zu entscheiden, ein möglicherweise schwerstbehindertes Kind zur Welt zu bringen oder eben nicht. Die Belastungen, die auf die jungen Eltern lebenslang zu kommen können, sollte man, wenn es denn möglich ist, wählen können. Sie sehen, ich bin keineswegs klar und im Reinen mit diesen Tests.

Es bekümmert mich, wenn ich sehe, wie es an einer werdenden Mutter nagt, über Wochen hinweg, bis sie ein Ergebnis hat. Und hat sie es schließlich, hat sie ein Untersuchungsergebnis, eine Wahrscheinlichkeit – kein Kind. Es bekümmert mich, wenn ich mir vorstelle, was in einer erst werdenden Familie stattfindet, je nachdem wie dieser Befund ausfällt. Und stellen Sie sich vor, die werdende Mutter hat schon die ersten Bewegungen und Tritte wahrgenommen, hat schon eine Beziehung aufgebaut – und hört jetzt, dass dieses Kind höchstwahrscheinlich eine schwere Behinderung mit in diese Welt bringen wird. Wer will sich diese Belastung vorstellen?

Ich kenne eine alleinerziehende Mutter, die eine Tochter mit Downsyndrom großzieht – für nichts gäbe sie ihre Tochter her. Und doch: wer wollte mit ihr tauschen?

Pränataldiagnose ist eines dieser so merkwürdigen Entwicklungen, bei denen gut und böse Hand in Hand daher kommen und man beidem auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Die Schwangere muss eine Entscheidung treffen. Sie muss – sie hat da keine Wahl, denn auch wenn Sie nicht entscheidet, hat sie ja entschieden – und alles lastet auf ihr und auf ihr alleine.

Manchmal fällt es schwer, die Zeit zu genießen …

Wer wagt, kann verlieren - wer nicht wagt, hat schon verloren: Doku Soap mit behinderten Menschen im Schweizer Fernsehen

Dienstag, 16. März 2010

Von Fabian Zürcher bei Blick.ch

Eine siebenteilige Serie, deren Stars geistig Behinderte sind. Acht bis zehn Personen betreiben eine Badeanstalt, mit allem, was dazugehört. Sie kümmern sich um die Verpflegung der Gäste, kassieren Eintritt und organisieren das Unterhaltungsprogramm.

Die Dreharbeiten finden Anfang Sommer in einer Badi vermutlich in Schaffhausen statt. Ausgestrahlt wird die Soap ab 5. Juli jeweils am Montag um 21 Uhr. «Wir wollen zeigen, dass sich geistig behinderte Menschen in unserer Gesellschaft problemlos zurechtfinden. Sie sind Menschen wie du und ich», sagt SF-Programmentwickler Urs Fitze (43) zu BLICK.

Mit der Badi-Show begibt sich das Schweizer Fernsehen auf rutschiges Terrain: «Wir sind uns bewusst, dass es schwierig sein wird, mit Behinderten unverkrampft und gleichzeitig respektvoll umzugehen», so SF-Direktor Ueli Haldimann (56) in der «SonntagsZeitung».

Dem in der Schweiz bisher einmaligen TV-Projekt gegenüber kritisch eingestellt ist SVP-Ständerat Maximilian Reimann (67): «Es ist ethisch fragwürdig, wenn man Leute in den Mittelpunkt stellt, die in ihrer Zurechnungsfähigkeit beeinträchtigt sind.» Und: «Es gibt wohl bessere Sendegefässe, um auf die Lebensverhältnisse von Behinderten einzugehen als eine solche Badi-Soap.»

Anders denkt Barbara Camenzind (42), Sprecherin von Insieme 21 – der offiziellen Vereinigung der von Trisomie 21 Betroffenen: «Leute mit Down-Syndrom sind grossartige Unterhalter. Wichtig ist aber, dass die Teilnehmer nicht zur Belustigung der Zuschauer dienen.»

Camenzind verweist auf die US-amerikanische TV-Soap «The Specials». Das Format zeigt, wie Leute mit Down-Syndrom in einer Wohngemeinschaft leben. «Die Sendung ist total cool!»

Derselben Meinung ist offenbar auch das Schweizer Fernsehen: Ab November plant man im Rahmen von «SF bi de Lüt» am Freitagabend ein ähnliches Format auszustrahlen.

Krankenkasse bezahlt teure Aminosäurentherapie nicht - aber wenn sie funktioniert, werden sofort die Pflegestufe geändert und die Leistungen gekürzt

Samstag, 13. März 2010


Aminosäurentherapie hilft Alexander
von Suzanne Schattenhofer im Donaukurier
Foto: Herbert


Ingolstadt (DK) Das Schicksal des schwerbehinderten Alexander Eckardt hat viele Menschen berührt. Nach dem Spendenaufruf bei der Vorweihnacht der guten Herzen kamen gut 13 000 Euro zusammen – genug Geld, um die Aminosäurentherapie über den notwendigen Zeitraum von drei Jahren zu finanzieren.

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Die Hilfsbereitschaft und Spendenfreudigkeit der Menschen hat Alexanders Mutter tief berührt. Mit dem Geld ist die Behandlung über die gesamte Dauer der Therapie gesichert. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass sich der Zustand des schwer behinderten achtjährigen Buben danach dauerhaft bessert, dass er laufen und sprechen lernt.
Die Krämpfe und autoaggressiven Anfälle, bei denen sich Alexander selber an den Kopf haut, verschwanden dank der Aminosäurentherapie schon nach kürzester Zeit. Ein Ingolstädter Arzt bescheinigte ebenfalls die Wirksamkeit der Behandlung und belegte das mit EEG-Befunden.

Dennoch hat es die Krankenkasse abgelehnt, die Kosten zu übernehmen. Man berief sich auf die Entscheidung des gemeinsamen Bundesausschusses, der über alle Kassenleistungen entscheidet. Teure Neuroleptika hingegen, die zwar die Symptome lindern, nicht aber die Ursachen bekämpfen und außerdem starke Nebenwirkungen haben, hätte die Kasse bezahlt.

Doch die Eckhardts konnten die rund 10 000 Euro auch nicht aus eigener Tasche aufbringen. Vater Dimitri hat nur ein befristetes Arbeitsverhältnis, zudem ist der Betrieb in Kurzarbeit. In ihrer Verzweiflung wandte sich die Mutter an die Beratungsstelle offene Hilfen im Hollerhaus, und Bereichsleiterin Anja Hanke kam auf die Idee mit der Vorweihnachten der guten Herzen, eine Aktion des DONAUKURIER.

Anfang Dezember erschien der Zeitungsartikel, und gleich nachdem die ersten Spendengelder eintrafen, wurde die Therapie wieder begonnen. "Jeder Kurs dauert drei Monate und kostet rund 1200 Euro. Weil dazwischen pausiert wird, sind es pro Jahr drei Kurse", erklärt Lilia Eckardt. Die medizinische Betreuung und Begleitung läuft über das Konsultationszentrum der Aminosäurentherapie in Prag. Das empfiehlt Aminosäuren-Präparate auch bei zerebraler Kinderlähmung, Entwicklungsverzögerungen, Downsyndrom, Autismus, Epilepsie, multipler Sklerose, Parkinsonscher Krankheit oder altersbedingter Demenz. Weitere Informationen dazu unter www.aminocure.de.

Lilia Eckardt ist von der Therapie überzeugt, die ihr eine andere Mutter empfohlen hatte. "Deren Tochter wurde erfolgreich behandelt, und es gab keine Nebenwirkungen. Wir hoffen jetzt, dass auch Alexander Gas gibt. Manchmal, wenn ich mit ihm spreche, formt er schon mit den Lippen Laute."

Ungerecht findet es die Mutter, dass die Kasse die Therapie zwar nicht bezahlt – wenn sich aber Alexanders Zustand bessert, werden sofort die Pflegestufe geändert und die Leistungen gekürzt.

Manfred Fischer ist neuer OÖN-Leserbeirat und gibt ein paar Hinweise zum Umgang mit und der Wortwahl gegenüber Menschen mit Behinderung

Donnerstag, 11. März 2010

Von Marina Huber in den OÖNachrichten

OSTERMIETHING. Manfred Fischer ist neuer OÖN-Leserbeirat. Worauf er achtet und was er von falschen Bildern wie „an den Rollstuhl gefesselt“ hält, erzählt der Rollifahrer im Warte-Interview.

Warte: Worin sehen Sie Ihre Aufgaben als unser Leserbeirat?

Fischer: Als erstes werde ich auf die Ausdrucksweise bei Berichten über Menschen mit Behinderung achten. Zweitens achte ich auf lokale Berichterstattung. Ich will Linz darauf aufmerksam machen, dass es Braunau gibt. Ziel ist es, dass in der Hauptausgabe mehr aus dem Bezirk berichtet wird. Das Interesse an Lokalnachrichten ist groß, das sieht man ja an der Braunauer Warte.

Warte: Was sind denn die größten Patzer, die Sie immer wieder in Berichten über behinderte Menschen lesen?

Fischer: Es gibt einige Formulierungen, die man nicht verwenden sollte. Zum Beispiel an den Rollstuhl gefesselt. Das bringt mich auf die Palme, denn für mich ist der Rollstuhl ein Instrument der Mobilität. Ohne Rolli könnte ich nicht so stark am sozialen Leben außerhalb der Wohnung teilnehmen. Mit ihm bin ich überall dabei.

Warte: Worauf sollen Journalisten bei Berichten über behinderte Menschen achten?

Firscher: Ein Journalist sollte Formulierungen wie ‘der Behinderte’ oder ‘der Blinde’ nicht verwenden. Richtig ist ‘der behinderte Mensch.’ Die Behinderung ist nur eine Eigenschaft des Betroffenen, aber nicht die Haupteigenschaft. Der Mensch wird dadurch auf seine Behinderung reduziert. Auffällig ist auch, dass oft nach dem Armen-Hascherl-Prinzip berichtet wird. Das gefällt mir nicht.

Warte: Wird oft zu viel Mitleid ausgedrückt?

Fischer: Ja, so eine Art Überfürsorglichkeit, die oft zum Ausdruck kommt. Wenn über Menschen mit Down-Syndrom berichtet wird, darf man nicht in ein kindlisches Schema verfallen. Obwohl diese Leute manchmal ein kindliches Aussehen haben, sind sie meist Jugendliche oder Erwachsene. Uns so sollte der Journalist auch über sie berichten.

Manfred Fischer ist neuer OÖN-Leserbeirat und gibt ein paar Hinweise zum Umgang mit und der Wortwahl gegenüber Menschen mit Behinderung, Behinderung Handicap, Diskriminierung Rassismus, Deutschland, Integration integrativ,
Foto: Philipp Hubbe


Warte: Was fehlt Ihnen in den OÖN?

Fischer: Es gibt ja diese Straßenbefragungen. Toll wäre, wenn einmal ein Mensch im Rolli zu sehen wäre. Der Rolli soll dabei zu sehen sein, aber ohne Kommentar. Das würde den behinderten Menschen zeigen, dass auch sie gefragt werden. Oder allgemein bei Bildern – vom Jahrmarkt und Einkaufen zum Beispiel. Auch hier ist es wichtig, Fotos auszuwählen, worauf auch behinderte Menschen zu sehen sind. Diese Menschen gehören dazu. Vernachlässigt wird meiner Meinung nach auch die Berichterstattung aus dem Bereich Behindertensport. Diese Berichte sollen aber auch im Sport und nicht unter soziale Anliegen gebracht werden.

Warte: Sie geben auch Schulungen zum Thema richtiger Umgang mit behinderten Menschen. Was sind die wichtigsten Punkte?

Fischer: Es gibt zwei wichtige Punkte. Zum einen sollte man nicht überfürsorglich sein. Zum anderen: fragen, ob und wie man helfen kann. Ich merke, dass Leute oft unsicher sind. Es braucht keiner zu wissen, wie man behinderten Menschen hilft. Man kann jederzeit hingehen und fragen ‘kann ich helfen und wie’. Man hilft auch nicht ohne zu fragen. Das ist mir schon passiert. Ich warte bei einer Rampe auf jemanden und plötzlich packt mich jemand ohne Ankündigung und schiebt mich die Rampe rauf, obwohl ich das gar nicht wollte. Das ist ungut und gefährlich.

Warte: Fragen, aber auch ein Nein akzeptieren.

Fischer: Genau. Einfach weiter gehen und nicht nach drei Schritten stehen bleiben und schauen, ob er die Stufe tatsächlich alleine schafft.

Warte: Was erleben Sie so?

Fischer: Ich habe alles schon erlebt. Ärgerlich ist es, wenn ein Rollifahrer oder Kleinwüchsiger mit einer Begleitperson unterwegs ist, dieser eine Frage stellt und der Begleitperson geantwortet wird. Wenn der behinderte Mensch fragt, dann soll auch er die Antwort erhalten. Oder bestellen im Gasthaus. Die Bestellung läuft, der Rollifahrer ist an der Reihe und der Kellner fragt den daneben: ‘Und was kriegt er’?

Warte: Tatsächlich passiert?

Fischer: Das ist schon einigen Bekannten von mir passiert und ein massiver Grund, sauer zu werden.

Gesetz und Realität: Ein Platz für Paula Sander - Behinderte Kinder auf Schulsuche (Reportage Samstag, 13. März 2010, WDR, tag7)

Mittwoch, 10. März 2010


gefunden beim WDR / Wissen

Eltern, die Kinder mit einer Behinderung haben, müssen kämpfen - nicht mit, sondern oft gegen Gutachter, Sonderpädagogen, Behörden und Lehrer. Im deutschen Schulsystem ist die Aufnahme von Kindern mit Behinderung in eine Regelschule immer noch die Ausnahme, obwohl auch Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat.

"Wir haben an unserer Schule schon genug Probleme. Eine Schülerin mit einem Down-Syndrom wäre da eine zu große Zumutung", sagte eine Schuldirektorin den Eltern von Paula Sander. Das war nicht die einzige Absage.

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention darf eine Behinderung kein Grund sein, einen Menschen auszuschließen. An der Umsetzung arbeitet der deutsche Gesetzgeber noch. So besuchen in NRW nur 16 Prozent aller behinderten Kinder und Jugendlichen eine integrative Schule. 106.950 Schüler sind mit ihrer Behinderung auf so genannten "Förderschulen", wo sie nach Handicaps sortiert unter sich bleiben.

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Tina Sander, die Mutter der kleinen Paula, will ihre Tochter deshalb nicht auf eine Sonderschule schicken: "Wie soll sie denn dort lernen, mit dem wirklichen Problemen des alltäglichen Lebens umzugehen?" Genauso denkt Laura Duarte. Gemeinsam mit ihrem Mann kämpft auch sie dafür, dass ihr Sohn Ernesto, der ebenfalls das Down-Syndrom hat, eine Regelschule besuchen kann: "Nur an einer normalen Schule im Kontakt zu Kindern ohne Behinderung kann mein Sohn lernen, sich in dieser Gesellschaft zurechtzufinden."

"tag7" hat beide Familien ein Jahr lang bei ihrer Suche nach einem "integrativen" Schulplatz begleitet. Ein Jahr, in dem die Eltern mit dem Gedanken an die Einschulung ihres Kindes abends ins Bett gehen und morgens wieder aufstehen. Und eines Tages stehen sich Paula und Ernesto sogar als Konkurrenten gegenüber - um einen der wenigen Plätze in einer integrativen Schule in NRW.

Reportage mit: Cornelia Uebel, Yüksel Ugurlu

Mara Trapp aus Katschenreuth: "Ein großes Glück für unsere Familie" (sagt Mutter Beate)


von Katrin Geyer bei in Franken.de

Es war eine kleine Zeitungsnotiz, die bei Beate Trapp große Empörung auslöste: Im Online-Netzwerk Facebook, so war zu lesen, sei gegen behinderte Kinder gehetzt und dazu aufgefordert worden, Kinder mit dem Down-Syndrom "für Schießübungen" zu benutzen. Es mache sie "unendlich traurig", schrieb die Katschenreutherin als Reaktion auf die Zeitungsnotiz an die Bayerische Rundschau – und lud uns spontan zu sich ein, um zu erzählen, welches Glück sie jeden Tag mit ihrer Tochter Mara empfindet, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde.

Es gibt Kinder, die mit ihrem bezaubernden Charme sofort jeden für sich einnehmen. Mara, 16 Monate alt, gehört dazu, und wenn Beate Trapp versichert, dass ihre Tochter ein wahrer Sonnenschein und ein großes Glück für die ganze Familie sei, glaubt man ihr das sofort.

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Vielleicht liegt es an Maras sonnigem Naturell, dass Beate Trapp in ihrer engeren Umgebung keinerlei Vorbehalte verspürt. "Manchmal regieren Leute vielleicht ein bisschen verhalten, weil sie unsicher sind", sagt sie – und beruhigt gleich: "Mara ist ein ganz normales Kind. Aber eben eines, das ein paar Defizite hat."

Das Mara noch nicht laufen kann, gehört dazu. Kinder mit Down-Syndrom haben schwächere Muskeln als andere. Sitzen, stehen, laufen lernen sie deshalb erst mit Verzögerung. Mara macht diese Verzögerung wett, indem sie wieselflink durch die Wohnung robbt. "Wenn ihre Brüder mit ihr um die Wette krabbeln, kann sie sich ausschütten vor Lachen", sagt ihre Mutter.

Die siebenjährigen Zwillinge lieben ihre kleine Schwester über alles. Und wenn ab und zu Schulfreunde im Haus in der Grünbaumer Straße in Katschenreuth zum Spielen vorbeischauen, passiert es schon mal, dass sich einer lieber mit Mara als mit seinen Kumpels.

Der Alltag mit einem Kind mit Down-Syndrom ist manchmal schwierig. Beate und Wolfgang Trapp müssen einiges mehr organisieren als Eltern von Kindern ohne Behinderung: Krankengymnastik, Ergotherapie, Frühförderung stehen auf dem Terminplan.Und zuhause muss geübt werden. "Ich habe Mara immer wieder zum Krabbeln anleiten müssen, bis es endlich geklappt hat", berichtet Beate Trapp. Bis das Mädchen alleine aus einer Tasse trinken und selbstständig essen kann, wird es noch einige Zeit und viele Anstrengungen brauchen.

Schwer wird es betroffenen Eltern bisweilen auch dann gemacht, wenn es um die Finanzierung von Hilfen geht. "Manchmal muss man ganz schön kämpfen, bis die Frage geklärt ist, wer was bezahlt."

Und dennoch: Keinen einzigen Tag mit Mara möchte die Familie Trapp mehr missen. Vor allem deswegen machen Äußerungen wie die aus dem Internet Beate Trapp unendlich traurig: "Wir haben uns bewusst für Mara entschieden, und durch sie wissen wir erst, wie wertvoll Menschen mit Down-Syndrom sind. Menschen mit Down-Syndrom würden niemals bewusst auf den Gedanken kommen, andere vernichten zu wollen, weil das gar nicht in ihrer Natur liegt."

Die Antwort auf die Frage, was man Menschen wünschen sollte, die ähnlich denken, wie die Schreiber auf der erwähnten Internet-Seite, liegt für die Katschenreutherin klar auf der Hand: "Gesundheit. Und vor allem gesunde Kinder…"

Behinderte Kinder in Schulklassen - Die Diskussion in der Schweiz mit Video der Rundschau SF1 24. Februar 2010

Donnerstag, 25. Februar 2010


Foto, Video und Text © Schweizer Fernsehen
Gefunden vía Peter Lilienhard

Behinderte Kinder in Schulklassen - Die Diskussion in der Schweiz mit Video der Rundschau SF1 24. Februar 2010, Arbeit Beruf Schule Ausbildung, Behinderung Handicap, Diskriminierung Rassismus, Down Syndrom, Down-Syndrome, Extrachromosom, Kind, Integration integrativ, Politik Gesetz Recht, Schweiz,Behinderte, lernschwache und verhaltensauffällige Kinder sollen nicht mehr Sonderschulen besuchen, sondern in normale Klassen integriert werden. Die Reform sorgt für rote Köpfe bei Eltern, Lehrer und Heilpädagogen. Wie funktioniert sie in der Praxis? Die Rundschau hat Daniela, die ein Downsyndrom hat, und die beinahe blinde Nastasja in der Schule begleitet.


Video Stream der Sendung - der Beitrag beginnt in Minute 9:


Rundschau vom 24.02.2010


Auszüge aus der Diskussion zum Beitrag:

° Bin selber Mutter eines, mittlerweile
30-jährigen Sohnes mit Down Syndrom und
möchte allen Eltern mit gleichem Schicksal viel Mut und Zuversicht wünschen.
Unser behinderter Sohn ist uns als drittes Kind geschenkt worden und dieses Schicksal hat besonders mir als Mutter völlig den Boden unter den Füssen weggezogen. Mein Wunsch war natürlich eine "normale Einschulung" für unser Kind. Es wurde damals auch freundlicherweise auf mein Drängen eingegangen und schon bald mussten mein Mann und ich feststelle, dass der Bub total überfordert war. Er hat sich ganz schnell zum Klassenclown gemacht und das tat uns weh. Aus dieser Erfahrung lernten wir, dass eine heilpädagogische Institution viel mehr brachte. 11 Jahre verbrachte unser Sohn in diesem Internat und heute kommen wir zu dem Schluss, dass es die richtige Entscheidung war. Selbständigkeit, Zuverlässigkeit sind nebst einem tollen Charakter sein Markenzeichen. Ein richtiger Segen für unsere ganze Familie.




° Ich bin erstaunt über die vielen gut gemeinten und bisher auch vorgelebten Erfahrungsmethoden in und um Schulen. Pädagogen macht weiter so. Traurig ist jedoch die Tatsache, dass die einzige Motivation der politischen Entscheidungsträger zu Veränderungen im System das Geld ist. Die Klimaerwärmung ist im Anzug. Die Gelderwärmung ist schon da.


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° Integration ist wichtig!!Wir alle leben in einem Land und müssen lernen uns gegenseitig zu akzeptieren. Auch wenn wir alle nicht gleich denken und nicht gleiche Voraussetzungen haben unser Leben zu leben. Die Integration behinderter Menschen in der Volksschule auf zunehmen ist eine wichtige und notwendige Sache... dadurch lernen die "gesunden" Kinder und Jugendlichen diese Menschen, die sich wohl fühlen in dieser Umgebung zu akzeptieren.

Meine Schwester ist auch behindert und konnte auch gewisse Unterrichte besuchen in der Volksschule.

Es ist aber auch klar das nicht jede Klassenstufe dies machen kann.

Mein Vorschlag wäre:

Kindergarten, 1.Klasse und 2.Klasse gesamt schweizerisch so zu gestalten dass es Platz hat für Behinderte die in der gleichen Wahrnehmungsphase sind wie die Kinder in dieser Klasse.
Ziel ist, dass sich die Kinder bewusst werden auch andere Kinder zu akzeptieren und zu integrieren.




° manchmal ist es wirklich besser, man bleibt bei seinen leisten und tut was man kann.
neues könnte sonst viel schlechter werden, als es sein könnte wenn man es gern haben würde.

Es ist einfach: wir können sie nicht wegsperren. sie sind alltag.



Als man in den 70-ern die Ausbildung zum Lehramt machte, wurde im Methodikunterricht gelehrt, dass die Volksschule kein Experimentierfeld sein dürfe.
Das geht heute ganz andere Wege; alles und jedes, was sich irgendein Bildungspolitiker oder der ganze administrative Stab der Erziehungsdepartemente ausdenkt, wird in den Schulalltag geworfen..dort sollen dann die unausgegorenen Ideen ausreifen. Nichts und niemand aus der strategischen Ebene ist je bereit die Reformen vor Ort auf ihren wirklichen Erfolg hin zu überprüfen; ich habe seit meiner 30-jährigen Tätigkeit im Schuldienst (Primarschule, Oberstufe und Gymnasium) noch nie ein wissenschaftliches Mitarbeiterchen in einem Schulzimmer gesehen, das sich erkundigt hätte, ob irgendeines seiner Ideechen überhaupt Sinn machen täte und realisierbar sei, so wie es sich das ausgeheckt hätte....(Kommt hinzu, dass keiner von diesen Erziehungsplanern, es länger als ein Tag in einem Schulzimmer aushalten würde; sie tun also gut daran, überhaupt nicht erst vor Ort zu erscheinen).

Weil alles so unausgegoren und weltfremd in die Schulstuben gelangt, heisst es dann irgendmal für jene, die sich mit den Reformen herumschlagen müssen: "Vorwärts Kameraden, es geht zurück!"

Allmählich gehen den Betroffenen (Lehrpersonen)die Augen auf und sie stellen fest, dass die Reformbesoffenheit in der Erziehungslandschaft nicht ein singuläres, zeitbegrenztes Suchtereignis war, sondern zum chronischen- und krankmachenden Dauerzustand verkommt.
Ich frage mich, ob diese Vorgehensweisen der Bildungspolitiker nicht schon fast kriminellen Charakter haben, weil sie verfassungswidrig sind. Die politisch abgesegneten Leerläufe in der Bildungslandschaft verstossen meines Erachtens gegen die "verfassungsmässige Verhältnismässigkeit".

Im konkreten Zürcher Reformprojekt, "integrieren von Behinderten" -nichts gegen diese hehernen Ziele- treibt dies in den zürichnahen Kantonen ganz besondere Blüten; im Nachäffen von Reformen geübt, versucht man nun auch renitente und verhaltensauffällige Schüler in Regelklassen umzuteilen. Mitgegeben wird diesen Klassen dann ein heilpädagogischer Copilot, der es dann richten soll. Dass da was "krank" ist im Volksschulsystem, verraten die Reformplaner dieses Projekts schon deshalb, da sie einen HEILpädagogen beiseite stellen. Denn heilen muss man ja nur, wo was krank ist oder krank gemacht wir.
Wäre die Volksschule ein Automobilbetrieb, wäre diese aus folgenden Gründen schon längst konkurs:
a) einer zu grossen Modellpalette
b) einer Unzahl an "Rückrufaktionen"

Es grüsst: Ein Auch-Akademiker, der bei seinem Leisten blieb


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Francesco Totti kommentiert die mittlerweile deaktivierte italienische Facebook-Gruppe “Tiro a segno sui down” (“Zielschiessen mit Down-Kindern”)

Dienstag, 23. Februar 2010

Originalquelle: diversamenteaff-abile.gazzetta
Deutschsprachige Quelle: altravita.com

“Ich sehe sie jeden Samstag in meiner Fussballschule und für sie, nur für sie, arbeite ich als Trainer. Sie sind meine anderen Kinder, diese Gruppe von divers begabten Kindern, die in meinem seit 4 Jahren bestehenden Projekt mit Erfolg Fussball spielen. Wie ich es schon in meinem Buch ausgedrückt habe, das ich genau ihnen gewidmet habe, sind alle Kinder gleich und wenn sie Fussball spielen rufen alle “Ey, gib mir den Ball”; die sogenannten Normalen und die sogenannten Andersartigen, so dass ich das Projekt, das sich ihnen widmet, mit ein bisschen Ironie, die braucht man immer, “Geben wir der Andersartigkeit einen Tritt” genannt habe. Mich bewegt und reisst mit, wenn ich sie trainiere: um manche Hürden zu überwinden hilft manchmal eben auch ein Ball. Sie spielen und besiegen die Schüchternheit, die Angst, als etwas Abartiges gesehen zu werden, auch die Wut über bestimmte absurde Behandlungen, mit denen sie von den sogenanten Normalen bedacht werden, oft selbst ohne böse Absicht. Ich beobachte sie, ich verbringe Zeit mit ihnen und dann fällt mir immer ein, dass wir glauben, wir müssten ihnen, den andersartig Begabten, helfen sich zu bewegen und viele Dinge zu verstehen, wohingegen wir am Ende erstaunt feststellen müssen, dass es viel mehr sie sind, die uns viele Dinge beibringen.”
(Francesco Totti)

Francesco Totti kommentiert die mittlerweile deaktivierte italienische Facebook-Gruppe Tiro a segno sui down,Zielschiessen mit Down-Kindern, Behinderung Handicap, Down Syndrom, Down-Syndrome, Extrachromosom, Trisomie 21, Sport, Diskriminierung Rassismus, Italien

“Li vedo tutti sabati alla mia scuola calcio e per loro, solo per loro, faccio l’allenatore. Sono gli altri miei figli, il gruppo di ragazzi diversamente abili che, nel mio progetto che va avanti da quattro anni, giocano a pallone con successo. Come ho messo anche nel libro che ho dedicato proprio a loro, i bambini sono tutti uguali e quando giocano a pallone fanno “Ahò, passame la palla”. Quelli cosiddetti normali e quelli cosiddetti diversi, tanto che il progetto che li riguarda l’ho chiamato, con un po’ d’ironia, che ci vuole sempre, “Diamo un calcio alla diversità”. Quando li alleno mi emoziono, mi commuovo: per vincere certe barriere può servire anche un pallone. Loro giocano e vincono la timidezza, la paura di essere considerati particolari, anche la rabbia di certi trattamenti assurdi che i cosiddetti normali gli regalano, spesso anche senza volere. Li guardo, sto con loro e mi viene sempre in mente che noi pensiamo di doverli aiutare, i diversamente abili, a muoversi, a capire molte cose, invece, alla fine, scopriamo che sono loro a insegnare tante cose a noi”.(Francesco Totti)