Viele von uns Eltern von Kindern mit dem Extrachromosom wagen nur bedingt, über die langfristige Zukunft unserer kleinen Helden nachzudenken. Was könnte uns da besser gelegen kommen als ein erwachsener Mensch mit Down-Syndrom, der uns an seinem Leben teilhaben lässt?
Carina Kühne ist eine junge Frau, die uns einfach erzählt, was sie so bewegt und berührt. Dabei legt sie, wenn sie es für angebracht hält, auch schon mal den Finger auf diese oder jene Wunde in unserer Gesellschaft. Es ist aber nie ein erhobener und von "lauten" Worten begleiteter Zeigefinger. Carina erzählt nie aus der Position "Ich armes, behindertes Mädchen" heraus, sondern trotz so einiger negativer Erfahrungen vielmehr aus einer Position der Stärke. Was vermuten lässt, dass Carina ein tiefes Gleichgewicht und starken emotionalen Frieden in sich birgt.
Sie nimmt kein Blatt vor den Mund - warum sollte sie auch? - wenn sie uns zum Beispiel davon berichtet, dass sie für gewisse mediale Produktionen als "nicht behindert genug" angesehen wird, während sie auf der anderen Seite doch als "zu behindert" eingestuft wird, wenn es darum geht, eine Arbeit zu finden.
Genausowenig nimmt Carina allerdings ein Blatt vor den Mund, wenn es gilt, von all den schönen Dingen zu berichten, die ihr passieren.
Unser Urteil: Besonders wertvoll!
Egal, ob Sie direkt etwas mit dem Thema Down-Syndrom zu tun haben oder nicht - Tauchen Sie einfach einmal ein in:
Carinas Welt !
Immer das Aktuellste
Blog: Carina Kühne
Alessandra Fatuzzi - Darf eine junge Frau mit Down-Syndrom (mit-)verantwortlich für die Erziehung meiner Kinder sein?
Wir stellen diese Frage bewusst ein wenig provokativ.
Um zu verstehen, worum es überhaupt geht, müssen Sie sich aber erst einmal folgendes Video ansehen: Kindergärtnerin mit Down-Syndrom (Kurzreportage im Schweizer Fernsehen) - verbunden mit Dank an Lydias Mami für den Hinweis.
Einverstanden: Menschen mit Down-Syndrom haben ein anderes Potential als Menschen ohne Down-Syndrom. Neue Tätigkeitsbereiche und selbst neue Berufe werden geschaffen.
Dass man in unserem Fall den Schritt getan hat, INKLUSION (welche unseres Erachtens erst als verwirklicht betrachtet werden kann, wenn man das Wort nicht mehr braucht) so groß zu schreiben, dass man einen Menschen mit Down-Syndrom aktiv an der Erziehung von Kindern teilhaben lässt, ist zweifellos extrem lobenswert.
Foto: Alessandra Fatuzzi im Schweizer Fernsehen
Wie aktiv ist nun aber Alessandras neu geschaffener Berufszweig wirklich?
Welche Verantwortung besitzt sie?
Ist der Begriff "Kindergärtnerin" gerechtfertigt; handelt es sich tatsächlich um einen halbwegs vollwertigen Arbeitsplatz, oder geht es eher um eine für den Krippenbetreiber billige Stelle als Hilfskraft?
Diese und viele andere Fragen stellten sich uns sofort beim ersten Ansehen des Berichts.
Es wird nicht gesagt, wie viele Stunden Alessandra pro Tag, Woche oder Monat in der Kinderkrippe tätig ist. Es wird nicht allzuviel davon gezeigt, wie die "Spielassistentin" mit den Kindern zusammen ist und ihnen möglicherweise sogar etwas zeigt.
In der Küche und beim Saubermachen - meist also fein im Hintergrund - sehen wir Alessandra. Ausnahmen: Beim Füttern und Händewaschen sehen wir sie tatsächlich zusammen mit den Kindern.
Wir können vorstellen, dass Lydias Mami etwas betrübt von folgendem Umstand ist: Alessandras Bezahlung.
Da ist in der Reportage einerseits die Rede von einer 10-jährigen Ausbildung und einem extra neu geschaffenen Beruf, und fast im gleichen Atemzug spricht man dann von einem symbolischen Lohn von 230 Euro pro Monat als Entschädigung.
Damit niemand die Richtung unserer Kritik fehlinterpretiere:
Alessandra ist dort, die Kinder haben jeden Tag mehr als indirekten Kontakt mit ihr. Die Meinungen der befragten Eltern und der Direktorin ernten unseren Beifall. Im Großen und Ganzen beurteilen wir die Angelegenheit also als eine fantastische mit gigantischem Potential (hinsichtlich einer realistischen Umsetzung des humanen - nicht des politischen - Ziels der Integration von Menschen mit Behinderung).
Aber am Detail muss noch gearbeitet werden.
Wenn es sich um einen Hilfsjob handelt, dann sollte man ihn auch so nennen und keine Schönfärberei betreiben - das kann auf lange Sicht nicht im Sinne der Sache sein.
Wenn es sich um einen JOB handelt, dann sollte dieser auch ENTLOHNT und nicht ein symbolischer Pipibetrag als Anerkennung und Entschädigung überreicht werden.
Wozu Alessandra dort in der Krippe beruflich wirklich in der Lage und was dies an finanzieller Gegenleistung wert wäre, steht auf einem anderen und gewiss nicht unstreitbaren Blatt, aber vielleicht sollte man sich auch darüber noch einmal Gedanken machen.
Denn solange zumindest der Eindruck entsteht, dass Alessandra nur dort in der Krippe sein darf (im Sinne von "geduldet werden"), ist das Ziel der Gleichbehandlung noch nicht erreicht.
Trotzdem sei noch einmal unser Hut gezogen vor dieser wichtigen Entscheidung, die man getroffen hat und welche unter den (noch) herrschenden Umständen aus Sicht der Kinderkrippe zweifellos auch ein gewisses Risiko darstellte.
Down-Syndrom und Kunst: Laura Brückmann (Fotos & Video)

>>> Fotos und Information von Conny Wenk
>>> Lauras Biographie beim Inclusion Life Art Network
Dass das Vorhandensein eines Extrachromosoms nicht immer einen Hinderungsgrund darstellt, um dieses oder jenes zu lernen oder zu erreichen, zeigt uns Laura in eindrucksvoller Weise. Wenn das Schicksal sie dann auch noch mit Conny zusammenführt, kommt sozusagen als i-Tüpfelchen fotografischer Hochgenuss hinzu.
Und mit Dank an den hinweisgebenden Dr. Christian M. Kemper durften wir feststellen, dass Lauras Performance auch in bewegten Bildern vorliegt:
Paula und der Sondelfinger Kindergarten in der Reichenecker Straße - Inklusion ist mehr als nur eine gesetzliche Forderung
"Von Kopf bis Fuß ganz Paula" hat Andreas Dörr seinen Artikel genannt, in dem er von der sechsjährigen Paula und ihrem Umfeld berichtet. Und in dem er eine ganze Menge Leute zu Wort kommen lässt, welche wiederum so einige Dinge sagen, über die man als Leser oder Zuhörer vielleicht ein zweite Mal nachdenken könnte. Wenn man diese Dinge nicht sowieso schon als Selbstverständlichkeit verinnerlicht hat.
Aber lesen Sie selbst: >>> Zum Artikel im Reutlinger Generalanzeiger
Gemeinsam anders leben - Mehr vom Leben
So klappt's
Von Nathalie Göbel im SÜDKURIER
Alle reden von Integration. Ob es um ausländische Mitbürger geht oder um Menschen mit Behinderung, das Schlagwort lautet „Integration“ und oft mag man das Wort gar nicht mehr hören.
Zu viele halbherzige Projekte werden gestartet, die nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwinden. Entweder, weil sie niemand weiterverfolgt oder weil sie schon von Anfang an nicht darauf ausgelegt waren, länger zu bestehen.
Der kleine St. Georgener Verein „Gemeinsam anders leben“ zeigt, dass es auch anders gehen kann. Petra Misselwitz arbeitet trotz Down-Syndrom im Laden, und das nicht nur einmal pro Woche oder als „Projekt“, sondern mit einem Arbeitsvertrag. Dieser garantiert ihr eine Halbtagsstelle und Aufgaben, die sie darin bestätigen, dass eine Behinderung nicht zwingend den Ausschluss aus dem „normalen“ Erwerbsleben bedeutet.
Die Kunden wiederum kommen ganz unbefangen mit einem Menschen mit Behinderung in Kontakt. So einfach kann Integration funktionieren – ohne Worthülsen, „Projekte“ und Politiker, die meistens auch nicht wissen, wen sie eigentlich wie integrieren möchten.
Integration beginnt an der Ladentheke
Von Nathalie Göbel im SÜDKURIER
Petra Misselwitz hat das Down-Syndrom und arbeitet seit knapp einem Jahr im „Anderen Laden“ in St. Georgen
An diesem Vormittag ist im „Anderen Laden“ viel los. Gerade noch hat Petra Misselwitz die Second-Hand-Bekleidung wieder ordentlich ins Regal sortiert, da kommt bereits die nächste Kundin. Monika Storz sucht Tassen und Kerzenleuchter für eine größere Familienfeier. So viele, wie sie benötigt, hat sie gar nicht zu Hause vorrätig. Dafür wird sie in der Flohmarktabteilung des Ladens fündig. „Ich finde eigentlich fast immer etwas“, lacht sie.
Petra Misselwitz sorgt derweil dafür, dass die Einkäufe sicher verpackt werden. Sorgfältig packt sie Tassen und Kerzenleuchter in Zeitungspapier ein und rechnet aus, was die Kundin bezahlen muss. „Kassieren, das ist Übungssache“, sagt sie selbstbewusst. Für Petra Misselwitz ist die Arbeit im Laden nicht einfach nur ein Job. Die 40-Jährige hat das Down-Syndrom. Längst nicht alle Menschen, die von dieser Chromosomenstörung betroffen sind, können arbeiten gehen. Viele sind in Werkstätten beschäftigt – für Petra Misselwitz nicht das Richtige.
„Die Werkstattarbeit war für Petra zu monoton“, sagt Bettina Knieß, die gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard Anfang 2009 den Verein „Gemeinsam anders leben“ gegründet hat. Die Arbeit mit Menschen ist Petra Misselwitz gewöhnt: Sie arbeitete 14 Jahre lang als Hilfskraft im Kindergarten Schatzinsel. Kleine hauswirtschaftliche Arbeiten gehörten ebenso zu ihren Aufgaben wie das Spielen mit den Kindern.
Alles anders oder ganz normal?
Gefunden in der Frankfurter Neuen Presse
Unter dem Motto «Frauen sind anders – Männer auch» waren vor einem Jahr Menschen mit Behinderung zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Die jetzt in «Mehr vom Leben» versammelten Texte sind unverstellt authentisch. Sie reichen von prägnanten Zitaten und Gedichten über autobiografische Skizzen bis zu psychologisch treffenden Minidramen und satirischen Kurzgeschichten.
Ihr Anderssein hebt Gehandicapte hervor, aber noch immer sind verschämtes Wegschauen und reflexartiges Mitleid die überwiegenden Reaktionen. Was Frauen und Männer mit den unterschiedlichsten Einschränkungen wirklich bewegt – ihre Pläne und Träume, ihre Vorstellungen von Glück und Liebe, auch ihre Trauer und Resignation – lässt sich hier erfahren. Und so manches lieb gewonnene Vorurteil kann ad acta gelegt werden: etwa jenes, Behinderte würden nur unter ihresgleichen optimal gefördert. Die junge Frau mit Downsyndrom, die von ihrem hervorragenden Hauptschulabschluss an einer normalen Schule erzählt, ist der überzeugende Beweis für die Vorteile des integrativen Lernens.
«Mehr vom Leben» ist anregend und informativ, klug und witzig – auch und vor allem für Menschen ohne Behinderung. kab
Julia Fischer / Anne Ott / Fabian Schwarz (Hg.): «Mehr vom Leben. Frauen und Männer mit Behinderung erzählen». Balance Buch + Medien, Bonn. 279 S., 14,95
Bist du auf der Montessori-Schule? Was hast du denn?
Unterschiede zählen nicht
Von Julia Steinbach
in den Westfälischen Nachrichten
Borken. Es ist 9 Uhr morgens in der Montessori-Grundschule. Für die Klasse C steht Freiarbeit auf dem Programm. Dominik (7) hat sich in eine Ecke verzogen, um in einem Buch zu schmökern. Freund Jakob kommt dazu: „Mein Vater wäre jetzt schon viel weiter, der hat das nämlich gelernt“, sagt der Acht-Jährige. „Hab ich auch“, erwidert Dominik und fügt hinzu: „Ich bin nämlich nicht in der ersten, der dritten oder vierten, sondern schon in der zweiten Klasse.“
Für Außenstehende mag diese Erklärung komisch klingen. Doch für Jakob ist sie notwendig. Denn das Wissen darum, zu welchem Jahrgang ihre Schulkameraden gehören, ist für die Montessori-Schüler nicht selbstverständlich. Zwar gibt es auch hier Klassen. Aber der Unterricht ist zum großen Teil jahrgangsübergreifend. Die vier Klassen heißen darum einfach A, B, C und D. Und das ist nicht das einzig Besondere. Die Schule arbeitet integrativ. Seit 25 Jahren lernen hier Kinder mit und ohne Förderbedarf zusammen nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik.
In der Klasse C haben fünf Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf, so wie Susanne, ein Kind mit Down-Syndrom. Die Zehnjährige sitzt in einer großen Gruppe Mädchen und Jungen, lacht, redet und bastelt an einer Kette. „Die Förderkinder sind noch mehr integriert als erhofft“, sagt Dieter Neugebauer, Mitglied der Schulleitung, stolz.
Zusammen mit der Fachlehrerin für Sonderpädagogik Petra Kerßen-Müller betreut der Lehrer an diesem Morgen die Freiarbeit der bunt gemischten Klasse. Wie seine Kollegin sitzt er an einem der niedrigen Holztische. Mal steht eine ganze Traube Schüler um ihn herum, mal hat nur ein einziges Kind Erklärungsbedarf. Ermahnen muss der Pädagoge nur selten. Die Arbeitsmoral ist gut. „Viele Kinder fangen sogar schon vor Beginn des Unterrichts an zu arbeiten“, sagt Dieter Neugebauer.
Am späten Vormittag teilen sich dann die Jahrgangsstufen. Für die ersten und zweiten Jahrgänge steht fächerübergreifendes Lernen auf dem Stundenplan. Die dritten und vierten Jahrgänge teilen sich in Untergruppen auf und gehen zum Epochenunterricht. „Das bedeutet, ein bestimmtes Fach wird über mehrere Wochen unterrichtet“, erklärt Neugebauer. Bei den Drittklässlern ist Kunst dran. Lehrerin Ursula Risthaus hat ein lustiges und interessantes Thema ausgesucht: Kniepuppen-Basteln. Mit den fertigen Puppen soll die Gruppe bei der Jubiläums-Feier auftreten.
Wo es gewünscht wird, setzt Risthaus selbst die Nadel an oder gibt Tipps. Doch das meiste machen die Kinder unter sich aus. „Wenn ich nicht weiß, wie ich einen Stich machen soll, frage ich erst mal meine Freundin Zoe“, erklärt Lily (8).
Selbstständigkeit wird hier groß geschrieben, gegenseitiges Helfen sowieso. Und wo kommt Montessori-Pädagogik ins Spiel? Eigentlich überall. „Die Lehre Maria Montessoris geht vom Kind aus“, sagt Dieter Neugebauer. „Das Kind entwickelt sich und wird dabei begleitet, aber nicht fremdbestimmt.“ Damit unterscheide die Montessori-Pädagogik sich maßgeblich von anderen Lehrmethoden, bei denen von Anfang an ein Ziel vorgegeben wird.
Am Anfang habe sich das Konzept schwer getan, vor allem wegen des integrativen Ansatzes. „Viele Kinder wurden gefragt: Bist du auf der Montessori-Schule? Was hast du denn?“, sagt Neugebauer. Solche Fragen gebe es aber schon lange nicht mehr. Drittklässlerin Lily fasst das Selbstverständnis der Schüler zusammen: „Ich finde es gut, dass die Kinder mit Förderbedarf dabei sind. Die sind doch genauso wie wir.“
Integration Kindergarten & Schule: Schaden oder "bremsen" Kinder mit Behinderung ihre Mitschüler? (Diskussion)
Der Ausgangsbeitrag:
Integration soll negativ sein ?
Ich habe letzte Woche den Bescheid vom KiGa bekommen, dass meine Tochter für September einen Platz bekommen hat.
Nun habe ich bereits bei der Anmeldung gesagt, ich fände es schön, wenn sie in die Integrationsgruppe käme, also gemeinsam mit behinderten und nichtbehinderten Kindern.
Nun ist Mitte Juni der erste Infoabend wo es auch um die Aufteilung in die verschiedenen Gruppen geht.
Für mich ist klar, dass meine Tochter in die Integrationsgruppe geht, wenn das machbar ist - einfach aus dem Grund, weil ich es schön fände, wenn sie damit aufwächst, dass der Umgang mit behinderten Menschen so normal ist wie mit nichtbehinderten. Ich wünsche mir für sie ein Aufwachsen in Toleranz, soweit ich ihr das ermöglichen kann.
Auch in der Spielgruppe, in der sie im Moment noch ist, ist ein Junge mit Down-Syndrom.
Nun hat mir eine andere Mutter aus dieser Spielgruppe "im Vertrauen" gesagt, dass sie ihr Kind niemals in die Intergrationsgruppe geben würde, denn da werde es nicht gescheit gefördert und bliebe auf der Strecke, zumal ein Kind ja auch das Recht hat, eine gesunde Welt zu erleben und zu begreifen.
Hüh....?
Mir sind solche Aussagen zutiefst fremd...um es höflich auszudrücken.
Allerdings muss ich zugeben, dass mir der Satz, dass meine Tochter dort nicht gefördert wird, also quasi zurückstecken muss, doch im Gehörgang sitzt...auch wenn ich es nicht glauben mag.
Die Vorstellung, im KiGa diesen Floh im Ohr anzusprechen, ist mir irgendwie zuwider....ich will für mein Kind das Beste, und das ist u.a. optimale Förderung, die aber auch die soziale/emotionale Intelligenz mit einschliesst...
Habt ihr eine Idee ? Oder Erfahrungen ?
Danke....
Violet
>>> Reaktionen lesen und mitdiskutieren
Tempo ist gut, Vertrauen schöner
Von Johannes Kloth in der saarbruecker-zeitung
Am Anfang war ich Steffi. Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis Özkan mich das erste Mal mit meinem richtigen Namen ansprach. Als ich ihn kennenlernte, war Özkan 14 Jahre alt. Ich leistete meinen Zivildienst in einer Schule für geistig behinderte Kinder, betreute Özkan und elf weitere Schüler einer Klasse. Ein Jahr. Tag für Tag.
Neben dem Down-Syndrom war es seine türkische Herkunft, die Özkan in Deutschland den Spracherwerb zusätzlich erschwerte. Dass er so lange Zeit den Namen einer langjährigen Schul-Praktikantin rief, wenn er mich sah, hatte jedoch einen anderen Grund. Die Beziehung zu geistig behinderten Kindern hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. Und Vertrauen braucht Zeit.
Das habe ich in meinem Jahr Zivildienst gelernt. Einem Jahr, das zu den schönsten Erfahrungen meines Lebens gehört. Selten habe ich mich so ausgeglichen gefühlt wie in der Zeit, die ich mit diesen Kindern verbrachte. Als er mich schließlich in sein Herz geschlossen hatte, war Özkan nicht mehr zu bremsen. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Türkei-Urlaub, brachte seine Lieblingscomics mit in die Schule, forderte mich zum „Armdrücken“ heraus.
Özkan und ich standen im Zoo stundenlang vor dem Gehege der Esel, seinen Lieblingstieren. Ich brachte ihm Fußballspielen bei. Und er mir – so pathetisch es klingen mag –, dass es Wichtigeres im Leben gibt, als die eigene Karriere zu planen. Noch immer besuche ich Özkan regelmäßig in der Werkstatt, in der er mittlerweile arbeitet.
Ab kommenden Oktober, so will es Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg, soll der Wehrdienst – und damit auch der Zivildienst – nur noch sechs Monate dauern. Das würde eine weitere Reduzierung des ohnehin nur noch neun von einst 20 Monate umfassenden „Ersatzdienstes“ bedeuten. Gestern habe ich mir die Frage gestellt: Was wäre gewesen, hätte die Politik die Straffung des Zivildienstes und die Schul- und Studienreformen bereits zu meiner Zeit umgesetzt?
Dank des achtjährigen Gymnasiums hätte ich mit 18 mein Abitur gemacht, noch im selben Jahr meinen Zivildienst beendet und vermutlich mit 21 Jahren bereits einen Bachelor-Abschluss in der Tasche gehabt. Das wäre dem modernen Arbeitsmarkt sicherlich gerechter geworden. Viele schöne Erfahrungen der Zivi-Zeit, von denen ich noch heute zehre, wären mir jedoch verwehrt geblieben.
Und Özkan? Er würde sich heute vermutlich – wenn überhaupt – nur noch an einen Typen namens Steffi erinnern. Der kurz mal reingeschneit kam in sein Leben.
Da rein ---> da raus: Ohrenkuss .... ein neuer, feiner Bericht zur Zeitschrift und zur aktuellen Ausgabe "Unsichtbar"
von Claus-Dieter Stille in der Reader's Edition
Foto: Autor Michael Häger demonstriert den Ohrenkuss, Copyright: Ohrenkuss
Zu meiner Kindheit sagte man noch unbedacht Neger zu farbigen Menschen. Jedenfalls dann, wenn wir dieses Wort von unseren Eltern zuvor gehört und damit verinnerlicht hatten. Zumindest traf dieses Nicht-Bedenken wohl in der Regel auf uns Kinder zu. Als die wir den - bei farbigen Mitmenschen (die zu dieser Zeit im Stadtbild zumeist nur in Gestalt von afrikanischen Studenten vorkamen), wie wir erst später lernten, freilich zu recht negativ besetzten Begriff - ja für völlig normal hielten. Die Dinge aber bleiben nicht so wie sind sind…
Die sind krank. Punkt
Ähnlich unbedacht übernahmen wir später, schon in der frühen Schulzeit, in Bezug auf ab und an im Straßenbild augenscheinlich - im Gegensatz zu uns - eindeutig anders aussehenden Menschen, andere Bezeichnungen, die heute - dem gesellschaftlich errungenen Fortschritt sei es gedankt - ebenfalls längst aus unserem Vokabular gestrichen sind. Wenn wir zu jener Zeit, wohl etwas verwirrt angesichts dieser andersartig wirkenden, uns zuweilen, meist in der Gruppe begegnenden Menschen, Erwachsene über diese befragten, erhielten wir unterschiedliche Antworten. Manche der Erwachsenen sagten uns, es handele sich um mongoloide Menschen. Und Mongolismus sei eben eine Krankheit. Punkt. Oder einfach: Die sind krank. Andere hielten diese Menschen schlicht für bekloppt. Was uns verstörte. Näher nachzufragen, getrauten wir uns nicht. Den meisten Erwachsenen wäre das wohl auch unangenehm gewesen. Das war zu spüren.
Andere Kinder ließen sich sogar dazu verleiten, die Mongoloiden zu verspotten. Man sagt: Kinder können grausam sein. Und es stimmt. Mongoloid bedeutete nichts weiter als dem Mongolen ähnlich. Später, so erinnere ich, hörte ich betreffs dieser Krankheit auch noch die Bezeichnung trisomaler Schwachsinn.
Das Down-Syndrom
Unterschiedliche Begriffe für ein und dieselbe Krankheit, die mehr oder weniger einmal entweder hier oder dort gang und gäbe waren. Inzwischen gehören sie der Vergangenheit an. Nicht nur aus Rücksichtnahme auf das Volk der Mongolen. Man spricht heute betreffs dieser genetisch bedingten Entwicklungshemmungen und Veränderungen des Erscheinungsbildes eines Menschen vom Down-Syndrom. Benannt nach dem britischen Arzt J. L. H. Down. Menschen mit Down-Syndrom haben 47 Chromosomen, eines mehr als die anderen. Bei ihnen ist das 21. Chromosom dreimal vorhanden. Weshalb man auch von einer Trisomie 21 spricht.
Katja de Braganca kam in Madrid die Idee zum Projekt OHRENKUSS
Im Allgemeinen gingen zunächst auch Experten davon aus, dass Kinder mit Down-Syndrom nicht lesen, geschweige denn schreiben können. Vorkommende, scheinbare Gegenbeweise wurden auch von Humangenetikern in der Regel so erklärt: Die Betreffenden hätten die Texte wahrscheinlich irgendwo abgeschrieben. Umso mehr staunte die Humangenetikerin Katja de Braganca, die 1987 auf einer Tagung in Madrid einem interessanten Vortrag mit dem Thema “Lesen und Schreiben - Lernen bei Kindern mit Down-Syndrom” lauscht: Plötzlich bleibt ihr Blick auf einer Overhead-Projektion haften. Darauf zu lesen ist die Geschichte von Robin Hood, geschrieben von einem Jungen mit Down-Syndrom. Katja de Braganca ist damals spontan begeistert. Hauptsächlich von dem witzigen Schreibstil des Autors. Auf der Stelle erinnert sie sich an die Zeit ihrer Diplom- und Doktorarbeit am Bonner Institut für Humangenetik, in der sie viele Menschen mit Down-Syndrom kennengelernt hatte. Unter ihnen befanden sich viele Jugendliche. Und es war durchaus vorgekommen, dass bei Gesprächen mit denen plötzlich jemand äußerst stolz etwas Geschriebene präsentierte. Katja de Braganca verband beide Erlebnisse. Eine Idee begann Gestalt anzunehmen: Eine Zeitschrift, gemacht von Menschen mit Down-Syndrom. Die Idee wurde in die Tat umgesetzt. Die Zeitschrift erhielt den Namen OHRENKUSS. Er ist leicht erklärt. Auf dem oben stehenden Photo zeigt Ohrenkuss-Autor Michael Häger, was mit “Ohrenkuss…da rein, da raus” gemeint ist: Mit dem Zeigefinger der linken Hand zum linken Ohr hin. Und mit dem Daumen der rechten Hand vom rechten Ohr weg zeigen:
Da rein, da raus. Was das bedeutet? Vieles geht in den Kopf hinein. Das meiste geht aber auch wieder hinaus. Nur das Wichtigste bleibt drin. Und dies ist ein OHRENKUSS.
OHRENKUSS fand inzwischen viele Unterstützerinnen und Unterstützer
Vor Jahren sorgte Alfred Biolek , der Katja de Braganca in seine Talkshow eingeladen hatte dafür dass das Projekt OHRENKUSS einem breiteren Publikum bekannt wurde. Nicht zuletzt dadurch gewann OHRENKUSS zahlreiche Förderer und hat inzwischen viele Unterstützerinnen und Unterstützer landauf landab. Und den Autoren und der Redaktion von OHRENKUSS macht die Arbeit jedesmal wieder aufs Neue Spass. Der Erfolg gibt dem Projekt recht und macht unablässig Lust, die Arbeit weiter fortzusetzen. Die Volkswagen-Stiftung föderte das Magazin. Das Projekt wurde prämiert. Es erhielt u. a. eine Auszeichnung im Wettbewerb “Demokratie leben”, seitens des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar
Soeben ist die neueste Ausgabe von OHRENKUSS ausgeliefert worden. Der Titel: UNSICHTBAR. Auf dem Cover ein Ultraschall-Bild von Matteo Zandegiacomo. Er ist auf dieser Aufnahme nur ein paar Wochen alt und ungeboren. Auf Seite 3 ist er fast zwei Jahre. “…hat 47 Chromosomen”, heißt es im neuen OHRENKUSS, “und wird hoffentlich irgendwann beim Ohrenkuss mitschreiben.” Weiter kann man dort lesen: “Menschen mit Down-Syndrom sind immer erkennbar (das nervt sie manchmal) - weil die Auswirkungen des dritten Chromosoms 21 sichtbar sind. Man erkennt sie und meint sie zu kennen - vor der Geburt und auch im Leben. Schon Antoine de Saint-Exupéry (der Autor von DER KLEINE PRINZ; C.-D. Stille) wusste es besser: ihm war klar, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist.”
Scheinbar Gewohntes mit anderen Augen neu erblicken
Den OHRENKUSS zu lesen ist jedesmal wieder ein außergewöhnliches Erlebnis. Die in dem Magazin versammelten Texte kleiden eine auf den ersten Blick ungewohnte Autoren-Sicht auf die Welt und die Dinge des Lebens in oft tief berührende Worte, welche einem als Leser so sicherlich noch nie gekommen sind und uns deshalb in die Lage versetzen können, manches - scheinbar Gewohntes - mit ganz anderen Augen völlig neu zu erblicken.
Die OHRENKUSS-Autoren schreiben ihre Texte selbst auf dem Papier oder am Computer oder diktieren sie. Auf die Schreibweise wird kein Einfluss genommen. Die Texte werden somit auch nicht verbessert. Sie erscheinen dann im Heft genauso wie sie von den Autoren erdacht und geschrieben wurden. Gerade dies verleiht den Texten einen ganz besonders außergewöhnlichen Charakter und hinerläßt bei den Rezipienten des Magazins einen nachhaltigen, wie gleichermaßen nachdenklich stimmenden Eindruck.
In diesen Zustand kann sich jede(r) versetzen und dabei gleichzeitig auch noch ein tolles Projekt unterstützen. OHRENKUSS kann abonniert werden. Das Abonnement des halbjährlich erscheindende Magazins, von Anfang bis Ende gemacht von Menschen mit Down-Syndrom, kostet 19,60 Euro pro Jahr (zzgl. 2 Euro für Porto und Versand). Hier ein Einblick in das aktuelle Heft “Unsichtbar”.
Warum mir am Anfang dieses Textes eingefallen ist, dass wir als Kinder nichts dabei fanden, farbige Mitmenschen Neger zu nennen? Ganz einfach: Weil Dinge sich ändern und Menschen zu neuen Erkenntnissen kommen können…
Gesetz und Realität: Ein Platz für Paula Sander - Behinderte Kinder auf Schulsuche (Reportage Samstag, 13. März 2010, WDR, tag7)
gefunden beim WDR / Wissen
Eltern, die Kinder mit einer Behinderung haben, müssen kämpfen - nicht mit, sondern oft gegen Gutachter, Sonderpädagogen, Behörden und Lehrer. Im deutschen Schulsystem ist die Aufnahme von Kindern mit Behinderung in eine Regelschule immer noch die Ausnahme, obwohl auch Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat.
"Wir haben an unserer Schule schon genug Probleme. Eine Schülerin mit einem Down-Syndrom wäre da eine zu große Zumutung", sagte eine Schuldirektorin den Eltern von Paula Sander. Das war nicht die einzige Absage.
Nach der UN-Behindertenrechtskonvention darf eine Behinderung kein Grund sein, einen Menschen auszuschließen. An der Umsetzung arbeitet der deutsche Gesetzgeber noch. So besuchen in NRW nur 16 Prozent aller behinderten Kinder und Jugendlichen eine integrative Schule. 106.950 Schüler sind mit ihrer Behinderung auf so genannten "Förderschulen", wo sie nach Handicaps sortiert unter sich bleiben. 
Tina Sander, die Mutter der kleinen Paula, will ihre Tochter deshalb nicht auf eine Sonderschule schicken: "Wie soll sie denn dort lernen, mit dem wirklichen Problemen des alltäglichen Lebens umzugehen?" Genauso denkt Laura Duarte. Gemeinsam mit ihrem Mann kämpft auch sie dafür, dass ihr Sohn Ernesto, der ebenfalls das Down-Syndrom hat, eine Regelschule besuchen kann: "Nur an einer normalen Schule im Kontakt zu Kindern ohne Behinderung kann mein Sohn lernen, sich in dieser Gesellschaft zurechtzufinden."
"tag7" hat beide Familien ein Jahr lang bei ihrer Suche nach einem "integrativen" Schulplatz begleitet. Ein Jahr, in dem die Eltern mit dem Gedanken an die Einschulung ihres Kindes abends ins Bett gehen und morgens wieder aufstehen. Und eines Tages stehen sich Paula und Ernesto sogar als Konkurrenten gegenüber - um einen der wenigen Plätze in einer integrativen Schule in NRW.
Reportage mit: Cornelia Uebel, Yüksel Ugurlu
Praktikum: Kinder mit Down-Syndrom betreuen - in ECUADOR
Anmerkung: Dieser Beitrag ist als Hinweis auf die Existenz des Angebots zu verstehen, nicht als Empfehlung. Eine solche können wir aufgrund fehlender Erfahrung mit Pangaya nicht geben.
Daher bitten wir alle Interessierten, sich anhand der vorhandenen Möglichkeiten sorgfältig zu informieren, bevor sie sich bewerben.
Bei der Vermittlung des ausgeschriebenen Praktikumsplatzes entstehen Kosten!
Auslandspraktikum in Ecuador: therapeutisches Zentrum für Kinder und Jugendliche
Praktikumssprache:
Spanisch
Tätigkeitsbereich:
Das Zentrum wurde im Zusammenhang mit einer Stiftung ins Leben gerufen, um Kindern und Jugendlichen mit Down-Syndrom eine Perspektive in der Gesellschaft Ecuadors zu bieten. Die politischen und sozialen Probleme des Landes haben die Entwicklung sozialer Aspekte stagnieren lassen, wobei besonders für Menschen mit Behinderungen wenige Möglichkeiten bestehen.
In dem Therapiezentrum werden unterschiedliche Programme entwickelt und umgesetzt, die den Kindern und Jugendlichen eine gesellschaftliche Eingliederung auf sozialer und beruflicher Ebene ermöglichen sollen. Neben einer Schule mit sonderpädagogischem Ansatz gibt es verschiedene Werkstätten und Therapieräume.
Während deines Praktikums assistierst du den Fachkräften bei den unterschiedlichen pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen. Dabei kannst du eigene Schwerpunkte setzen und nach einer entsprechenden Anfangszeit auch selbständig Maßnahmen entwickeln und umsetzten.
Qualifikation:
Du bist gegenwärtig in einer Ausbildung oder einem Studium mit den Schwerpunkten Sonderschulpädagogik, Psychotherapie, Ergotherapie, Musik- oder Tanztherapie. Du hast großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Down Syndrom und verfügst auch über die entsprechende Geduld und Offenheit. Deine Sprachkenntnisse sind ausreichend, um dich mit den Kindern und Jugendlichen sowie mit dem Team zu verständigen und an den Therapien teilzunehmen.
Bewerbung:
Bitte bewirb dich über unser Anmeldeformular unter Angabe der Praktikumsnummer EC0991. Das Anmeldeformular steht dir auf unserer Website www.pangaya.de zum Download zur Verfügung.
Behinderte Kinder in Schulklassen - Die Diskussion in der Schweiz mit Video der Rundschau SF1 24. Februar 2010
Foto, Video und Text © Schweizer Fernsehen
Gefunden vía Peter Lilienhard
Behinderte, lernschwache und verhaltensauffällige Kinder sollen nicht mehr Sonderschulen besuchen, sondern in normale Klassen integriert werden. Die Reform sorgt für rote Köpfe bei Eltern, Lehrer und Heilpädagogen. Wie funktioniert sie in der Praxis? Die Rundschau hat Daniela, die ein Downsyndrom hat, und die beinahe blinde Nastasja in der Schule begleitet.
Video Stream der Sendung - der Beitrag beginnt in Minute 9:
Auszüge aus der Diskussion zum Beitrag:
° Bin selber Mutter eines, mittlerweile
30-jährigen Sohnes mit Down Syndrom und
möchte allen Eltern mit gleichem Schicksal viel Mut und Zuversicht wünschen.
Unser behinderter Sohn ist uns als drittes Kind geschenkt worden und dieses Schicksal hat besonders mir als Mutter völlig den Boden unter den Füssen weggezogen. Mein Wunsch war natürlich eine "normale Einschulung" für unser Kind. Es wurde damals auch freundlicherweise auf mein Drängen eingegangen und schon bald mussten mein Mann und ich feststelle, dass der Bub total überfordert war. Er hat sich ganz schnell zum Klassenclown gemacht und das tat uns weh. Aus dieser Erfahrung lernten wir, dass eine heilpädagogische Institution viel mehr brachte. 11 Jahre verbrachte unser Sohn in diesem Internat und heute kommen wir zu dem Schluss, dass es die richtige Entscheidung war. Selbständigkeit, Zuverlässigkeit sind nebst einem tollen Charakter sein Markenzeichen. Ein richtiger Segen für unsere ganze Familie.
° Ich bin erstaunt über die vielen gut gemeinten und bisher auch vorgelebten Erfahrungsmethoden in und um Schulen. Pädagogen macht weiter so. Traurig ist jedoch die Tatsache, dass die einzige Motivation der politischen Entscheidungsträger zu Veränderungen im System das Geld ist. Die Klimaerwärmung ist im Anzug. Die Gelderwärmung ist schon da.
Anzeige: Handbuch für Lehrer von Kindern mit Down-Syndrom
° Integration ist wichtig!!Wir alle leben in einem Land und müssen lernen uns gegenseitig zu akzeptieren. Auch wenn wir alle nicht gleich denken und nicht gleiche Voraussetzungen haben unser Leben zu leben. Die Integration behinderter Menschen in der Volksschule auf zunehmen ist eine wichtige und notwendige Sache... dadurch lernen die "gesunden" Kinder und Jugendlichen diese Menschen, die sich wohl fühlen in dieser Umgebung zu akzeptieren.
Meine Schwester ist auch behindert und konnte auch gewisse Unterrichte besuchen in der Volksschule.
Es ist aber auch klar das nicht jede Klassenstufe dies machen kann.
Mein Vorschlag wäre:
Kindergarten, 1.Klasse und 2.Klasse gesamt schweizerisch so zu gestalten dass es Platz hat für Behinderte die in der gleichen Wahrnehmungsphase sind wie die Kinder in dieser Klasse.
Ziel ist, dass sich die Kinder bewusst werden auch andere Kinder zu akzeptieren und zu integrieren.
° manchmal ist es wirklich besser, man bleibt bei seinen leisten und tut was man kann.
neues könnte sonst viel schlechter werden, als es sein könnte wenn man es gern haben würde.
Es ist einfach: wir können sie nicht wegsperren. sie sind alltag.
Als man in den 70-ern die Ausbildung zum Lehramt machte, wurde im Methodikunterricht gelehrt, dass die Volksschule kein Experimentierfeld sein dürfe.
Das geht heute ganz andere Wege; alles und jedes, was sich irgendein Bildungspolitiker oder der ganze administrative Stab der Erziehungsdepartemente ausdenkt, wird in den Schulalltag geworfen..dort sollen dann die unausgegorenen Ideen ausreifen. Nichts und niemand aus der strategischen Ebene ist je bereit die Reformen vor Ort auf ihren wirklichen Erfolg hin zu überprüfen; ich habe seit meiner 30-jährigen Tätigkeit im Schuldienst (Primarschule, Oberstufe und Gymnasium) noch nie ein wissenschaftliches Mitarbeiterchen in einem Schulzimmer gesehen, das sich erkundigt hätte, ob irgendeines seiner Ideechen überhaupt Sinn machen täte und realisierbar sei, so wie es sich das ausgeheckt hätte....(Kommt hinzu, dass keiner von diesen Erziehungsplanern, es länger als ein Tag in einem Schulzimmer aushalten würde; sie tun also gut daran, überhaupt nicht erst vor Ort zu erscheinen).
Weil alles so unausgegoren und weltfremd in die Schulstuben gelangt, heisst es dann irgendmal für jene, die sich mit den Reformen herumschlagen müssen: "Vorwärts Kameraden, es geht zurück!"
Allmählich gehen den Betroffenen (Lehrpersonen)die Augen auf und sie stellen fest, dass die Reformbesoffenheit in der Erziehungslandschaft nicht ein singuläres, zeitbegrenztes Suchtereignis war, sondern zum chronischen- und krankmachenden Dauerzustand verkommt.
Ich frage mich, ob diese Vorgehensweisen der Bildungspolitiker nicht schon fast kriminellen Charakter haben, weil sie verfassungswidrig sind. Die politisch abgesegneten Leerläufe in der Bildungslandschaft verstossen meines Erachtens gegen die "verfassungsmässige Verhältnismässigkeit".
Im konkreten Zürcher Reformprojekt, "integrieren von Behinderten" -nichts gegen diese hehernen Ziele- treibt dies in den zürichnahen Kantonen ganz besondere Blüten; im Nachäffen von Reformen geübt, versucht man nun auch renitente und verhaltensauffällige Schüler in Regelklassen umzuteilen. Mitgegeben wird diesen Klassen dann ein heilpädagogischer Copilot, der es dann richten soll. Dass da was "krank" ist im Volksschulsystem, verraten die Reformplaner dieses Projekts schon deshalb, da sie einen HEILpädagogen beiseite stellen. Denn heilen muss man ja nur, wo was krank ist oder krank gemacht wir.
Wäre die Volksschule ein Automobilbetrieb, wäre diese aus folgenden Gründen schon längst konkurs:
a) einer zu grossen Modellpalette
b) einer Unzahl an "Rückrufaktionen"
Es grüsst: Ein Auch-Akademiker, der bei seinem Leisten blieb
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Menschen mit Down-Syndrom: Was kommt nach der Schule? - Alexander Pika in der Mundus-Seniorenresidenz Mainz ist ein Mut machendes Beispiel
Ein Praktikant, der auf die Leute zugeht
24.02.2010 - MAINZ
Von Christophe Braun in der Allgemeinen Zeitung
Foto: hbz/Jörg Henkel
Am meisten Spaß, verkündet Alexander Pika, mache es ihm, sich um die Pflanzen zu kümmern. "Na klar!", bestätigt er auf Nachfrage: In den letzten Monaten habe er seinen grünen Daumen entdeckt. Außerdem arbeitet er sehr gerne im Restaurant - besonders beim Essen servieren. Die Bewohner "sind alle froh, mich zu sehen!", berichtet er stolz. Für das hausinterne Nachrichtenblatt ist er sogar schon interviewt worden.
Alexander Pika ist 19 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Im Sommer 2009 hat er seinen Abschluss an der Peter-Jordan-Schule auf dem Hartenberg gemacht. Seit September letzten Jahres macht er ein Praktikum in der Mundus-Seniorenresidenz in der Großen Bleiche. In wenigen Wochen soll er fest eingestellt werden. Zu Alexanders täglichen Aufgaben gehören Arbeiten in der Hauswirtschaft, im Restaurant und in der Wäscherei. Er arbeitet von 8 bis 14 Uhr, natürlich mit Pausen. Mittagessen bekommt er bei seiner Oma Anne Pika, die selbst seit acht Jahren in der Residenz wohnt.
"Man muss die Mundus schon loben!", sagt Anne Pika: Sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner gingen sehr gut mit ihm um; er habe sich schnell eingelebt. Noch während Alexander zur Schule ging, habe die damalige Hausleiterin sie angesprochen, erzählt Alexanders Oma: "Sie hat gesagt: Frau Pika, wenn Ihr Enkel hier ein Praktikum machen möchte, das ist möglich. Das habe ich Alexanders Mama erzählt. Wir haben vor Freude geweint." Wie es nach der Schule weitergehen sollte, sei lange unklar gewesen. Menschen mit geistiger Behinderung stehen neben den Werkstätten für Behinderte wenige Möglichkeiten offen.
Alexander sei "wirklich mit Begeisterung ans Praktikum herangegangen", sagt Waltraud Hoffmann von der Mundus. Er sei "einfach ein Mensch, der auf die Leute zugeht. Wir waren uns alle einig, dass es wichtig ist, dass wir ihn unterstützen. Wir haben auch gemerkt, wie er in seiner Aufgabe aufgeht."
In der Mundus-Seniorenresidenz wohnen zurzeit etwa 190 Menschen; das Haus hat 75 Mitarbeiter. "Ich bin der Meinung, dass wir nicht nur einen sozialen Auftrag unseren Bewohnern gegenüber haben, sondern auch den Mitarbeitern gegenüber", erklärt Christian Schultz, der Direktor des Hauses. Mit seinem Praktikanten ist er rundweg zufrieden. Manches dauere etwas länger, "aber man kann ihm schon was zutrauen." Gleichzeitig betont Schultz die Rolle der Mitarbeiter, die Alexander bei seinen Arbeiten begleiten.
Wenn am frühen Nachmittag Feierabend ist, steht für Alexander noch einiges auf dem Programm: Er nimmt Tanzunterricht, reitet, lernt Keyboardspielen und besucht die Montessori-Schule; im Augenblick liest er "Robinson Crusoe". Häufig begleitet ihn bei seinen Unternehmungen seine Oma. Und außerdem ist da auch noch seine Lieblingssendung, "Gute Zeiten schlechte Zeiten", von der er keine Folge verpasst.