Von werdenden Eltern und der Angst vor diesem einen Chrosmosom

Montag, 15. Februar 2010

Wenn auch die im Titel genannte Angst nur einen kleinen Teil der Geschichte darstellt, wollen wir trotzdem auf sie hinweisen, geht es doch um eine Angst, die in unseren Tagen so gut wie jedes werdende Elternpaar betrifft.


Ein unbeschreibliches Glücksgefühl

Erzählt von Cornelia bei Conny liebt Papier


Damals zwei Jahre nach Geburt meiner Ältesten war ich wieder schwanger - kurz vor Weihnachten - der Kindergeburtstag lag hinter uns - die Vorfreude auf ein schönes Weihnachtsfest wuchs - als ich mit starken Schmerzen ins Krankenhaus musste. In einer nächtlichen Notoperation wurde zwar mein Leben gerettet - nicht aber das meines kleinen Sohnes - im 3. Monat - wurde eine Bauchhöhlenschwangerschaft diagnostiziert - eine Austragung wäre nicht möglich gewesen. Die Zeit danach war schlimm - besonders, da ich Weihnachten im Krankenhaus verbringen musste und nicht das erste Weihnachtsfest miterleben durfte, welches mein Töchterchen bewusst wahrnehmen konnte.

Aber wie heißt es so schön: Die Zeit heilt alle Wunden und so ging die Zeit ins Land - nur schwanger wurde ich einfach nicht mehr. Und ich wollte doch so gerne noch ein Kind! Der lange qualvolle Weg durch die verschiedenen Möglichkeiten des Kinderkriegens ist mir noch gut in Erinnerung - Temperaturmessung, verschiedene Ärzte mit immer neuen Diagnosen und Ideen, Liebe nach Stundenplan (grauenvoll - wenn Du willst darfst Du nicht und wenn Du musst - willst Du nicht - erst nahmen wir es mit Humor - doch der blieb schnell auf der Strecke) danach erst die schwächere Gelbkörperhormon-Behandlung, hinterher die große Hormonbehandlung mit dem Hinweis - auch eine Mehrlingsschwangerschaft zu bekommen - ich hätte auch 5 Stück genommen! - etc. fast alles - bis auf eine künstliche Befruchtung - ist mir wohlbekannt. Und im nachhinein das schlimmste, was man sich selbst antun kann, diese immerwährende Hoffnung, die sich aufbaut, die grenzenlose Enttäuschung, wenn es wieder nicht geklappt hat, dieses Gefühl des eigenen Versagens...Jeden Monat - immer wieder! Zweimal Hoffnung und zweimal war nach 2 Monaten wieder Schluss - Krankenhaus - Ausschabung! Nie mehr möchte ich so etwas durchmachen - irgendwann gab ich auf und resignierte - arrangierte mich mit dem Zustand - zumal ich ja eine süße kleine Tochter hatte, die mich für alles entschädigte - und die Zeit verging.

Mittlerweile war ich geschieden, meine Tochter besuchte das Gymnasium und ich lebte in einer neuen Partnerschaft mit meinem jetzigen Mann. Wir drei waren eine glückliche kleine Familie, waren viel unterwegs - gingen Abends spazieren, saßen an den schönen Sommerabenden auch mal im Biergarten, machten Fortbildungsveranstaltungen mit am Bodensee und dann auch eine Tour in unsere Lieblingsstadt Paris, die Stadt, die uns soviel bedeutet - wir haben damals in Paris endgültig zueinander gefunden und nun sollte sie - wie sich später herausstellen sollte - wieder Schicksal spielen.

Es war ein ganz normaler Freitag Ende Oktober - als mein Mann nach Hause kam und mich in den Arm nahm - und ich ihm antwortete: "Vorsicht mit der werdenden Mutter!" - Kaum war das raus - schauten wir uns beide an wie vom Blitz getroffen! Ich rannte zu meiner Handtasche, kramte meinen Kalender heraus und tatsächlich - ich, die immer die Uhr danach stellen konnte - wenn dieser Mist mir wieder jegliche Lebensqualität nahm - hatte nicht mitbekommen, dass ich schon 4 Wochen drüber war. Am nächsten Morgen einen Schwangerschaftstest in der Apotheke besorgt - wieder einen Tag gewartet und dann Sonntag Morgen in aller Frühe ins Badezimmer marschiert damit ich ja nicht gestört wurde - auf dem Badewannenrand gesessen und gewartet. Ich habe nicht hingeschaut - habe versucht - mich abzulenken bis die Zeit endlich vorbei war. Und dann war es so weit - leuchtend blau - prangte das positive Ergebnis in dem kleinen Fenster des Teststäbchens. Was ging mir alles in diesem Moment durch den Kopf - von Himmel hoch jauchzend bis zum Tode betrübt - wie man so schön sagt - grenzenloses Glück - gepaart mit riesengroßer Angst: Ich war 35 - mein Mann 39 - also nicht mehr die Jüngsten - hinzu kam, dass im Bekanntenkreis ein Paar mit der gleichen Konstellation ebenfalls nach 10 Jahren einen Sohn bekommen haben, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam. All das ging mir durch den Kopf als ich ins Schlafzimmer ging - und meinen Mann mit den Worten weckte: "Guten Morgen Papa!" - Mehr brauchte ich nicht zu sagen - auch ihm war sofort klar - was ich gemeint habe. Und wo war's wohl passiert? - Genau - in Paris - in unserer ganz speziellen Stadt der Liebe!

Den Besuch beim Gynäkologen - zwei Tage später - hätte ich mir sparen können - ich wusste, der Test stimmte - als Frau hat man sowas einfach im Gefühl. Es war so schön, auf dem Monitor diesen kleinen pulsierenden Punkt zu sehen - das kleine Herz - das da schon so kraftvoll schlug - und ich habe in diesem Moment geschworen - dieses Kind zu bekommen, zu lieben und zu beschützen - egal - was auch passieren würde. Meine Älteste, die mich jahrelang gelöchert hatte - ein Geschwisterchen zu bekommen - musste ins Krankenhaus und bekam den Wurmfortsatz heraus - und ausgerechnet - als´ich ihr berichten wollte, dass sie nun "Schwester" werden würde - verkündete, sie wäre jetzt doch froh, keine Geschwister zu haben - die anderen Kinder auf dem Zimmer hatten anscheinend dermaßen nervige Exemplare - dass ihr die Lust vergangen war. Also hielten wir uns erst einmal mit unserer Neuigkeit zurück.

Im Januar hatten wir unseren Termin zur Fruchtwasseruntersuchung in der Universitätsklinik in Essen - und während ich untersucht wurde - ließ mein Mann den Monitor nicht aus den Augen und passte genau auf, dass die Nadel nicht unser Baby traf - und wieder hieß es warten. Eine Woche Schonung war angesagt - damit keine vorzeitigen Wehen ausgelöst wurden - und ausgerechnet am letzten Tag - als ich schon dachte - alles geschafft zu haben - bekam ich krampfartige Unterleibsschmerzen - noch mal 2 Tage strammes Liegen - dann war es überstanden.

Zwei Wochen später habe ich es nicht mehr ausgehalten und im humangenetischen Institut angerufen. Nie werde ich vergessen - wie mir der zuständige Arzt mitteilte: "Herzlichen Glückwunsch - wir haben bei Ihnen 23 XX-Chromosomen-Paare feststellen können - sie bekommen also eine gesunde Tochter!" Ich weiß nicht - wie ich die nächsten Minuten überstanden habe - ich bin aus meinem Büro gerannt - die Straße hinunter - wo mein Mann ein paar ´Häuser weiter in der Werkstatt arbeitete. Ich zerrte ihn aus der Kabine, in der er einen Patienten behandelte und fiel ihm heulend um den Hals. All die Anspannung der letzten Wochen fiel ab und endlich, endlich konnten wir uns unbeschwert auf unser Kind freuen!

Warum ich das ausgerechnet heute erzähle? Beim Durchsehen unserer Fotokiste fiel mir das Schreiben des Humangenetischen Instituts (der Himmel allein weiß - wie es dahin gekommen ist) in die Hände (das Ergebnis damals kam natürlich der guten Ordnung halber auch noch schriftlich) und das war genau heute von 21 Jahren! Und wie damals - hat mich auch jetzt wieder dieses unbeschreibliche Glücksgefühl erfasst - zumal ich ja das Endprodukt vor mir habe ;) - und das wollte ich einfach mit Euch teilen!

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