So ein Zirkus: Fabia Niemann und Friederike Limbach bei Zambaioni

Donnerstag, 4. Februar 2010

von Imane Outaggarts (inkl. Foto) im Tagblatt

Viele denken, dass Menschen mit Trisomie 21 unfähig sind, etwas allein zu bewältigen. Fabia Niemann und Friederike Limbach beweisen das Gegenteil. FLUGPLATZ-Mitarbeiterin Imane Outaggarts hat sich beim Training des Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni mit ihnen getroffen.

Mit einem breiten Lächeln und einer festen Umarmung begrüßen mich Fabia Niemann, 17 Jahre, und Friederike Limbach, 16 Jahre: Seit ihrer Grundschulzeit sind sie beste Freundinnen. Doch die beiden sehen sich nicht nur beim Unterricht, sondern auch in ihrer Freizeit – beispielsweise, wenn sie beim Zirkus Zambaioni das Einradfahren lernen.

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Beide sind ziemlich aktiv und genießen ihr Leben uneingeschränkt. Das Einzige, was sie von den meisten Jugendlichen unterscheidet, ist ihre Behinderung namens Trisomie 21, auch als Down-Syndrom bekannt.

Integration bedeutet Gleichbehandlung
Zwei mal in der Woche trifft sich der Zirkus Zambaioni. Dort üben viele Jugendliche – darunter Fabia und Friederike – Diabolo, Jonglage, Akrobatik und Zaubern. Oder sie lernen, wie man auf einer Laufkugel die Balance hält. Mareike Fichtner, die Fabia und Friederike von Anfang an im Zambaioni begleitet hat, schildert ihr Engagement im Zirkus als eine enorme Bereicherung: „Man neigt dazu Leute, die eine Behinderung haben, anders zu behandeln, was falsch ist. Integration bedeutet, sie gleich zu behandeln und sie nicht mit Samthandschuhen anzufassen.“

Fabia und Friederike haben einen ziemlich straffen Stundenplan. Beide haben zahlreiche Hobbys: Kochen, Backen, Skifahren, Schwimmen, Musik hören und Malen. Außerdem spielen sie Computergames, Fußball und Klavier. Zu einem fast täglichen Ritual ist das Tischkickerspiel geworden, in dem das zweiköpfige Team – bisher – vergeblich versucht, Friederikes Bruder zu besiegen. Jeden Tag schreiben sie die Ergebnisse aus den Sportnachrichten ab, und vor dem Einschlafen lesen sie im Bett noch eine Stunde. Zudem sind sie keineswegs publikumsscheu. Sofort erkennbar wird dies bei den Zambaioni-Vorstellungen, bei denen die beiden seit drei Jahren dabei sind.

Alles möchten sie einmal ausprobieren, und immer wieder verblüffen diese zwei warmherzigen Mädchen ihre Umgebung mit ihren Fähigkeiten. Obwohl sie erst seit drei
Jahren einmal wöchentlich Klavierunterricht hat, spielt Fabia gelassen und nahezu perfekt vor zahlreichen Gästen bei Mamas Geburtstagsfest.

Die Schule gefällt den beiden gut. Fabias und Friederikes Lieblingsfächer sind Schwimmen, Singen, Religion und Kochen.

Nichts scheint unmöglich. Warum soll dann Friederikes Traum, in der Wilhelma zu arbeiten, nicht in Erfüllung gehen? Oder Fabias Wünsche, Kinder zu haben, den Führerschein zu machen und mit dem Wohnmobil durch die USA zu reisen, ganz bizarr erscheinen? Doch wie nehmen andere Menschen Jugendliche mit Behinderung wahr? Fabias Mutter ist überzeugt: „Je offener und selbstverständlicher wir damit umgehen, desto unbefangener konnten ihr auch die anderen Menschen begegnen. Dies gilt für Erwachsene wie für Kinder. Nur: Kinder können mit Menschen, die ‚anders’ sind, sowieso viel natürlicher umgehen.“

Kommentar: Gleichberechtigung ist wichtig
Fabia Niemann möchte im kommenden Jahr einer anthroposophischen Lebensgemeinschaft beitreten und ihr Leben möglichst selbständig und selbstbestimmt gestalten. Fabia Niemann und Friederike Limbach zeigten mir durch ihre vielen Aktivitäten, dass alle Möglichkeiten auch für Menschen mit Behinderungen offen stehen, solange die Gesellschaft sie als Gleichwertige behandelt. Schön, dass dies beim Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni so ist.

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