"Ich bin richtige Künstlerin" (Heike Sattler) - wenn behinderte Menschen Preise gewinnen

Dienstag, 16. Februar 2010

gefunden in der Wormser Zeitung


"Ich bin jetzt eine richtige Künstlerin, denn ich habe einen Preis gewonnen." Heike Satter, eine der beiden Preisträger des "atelierblau" der Lebenshilfe, ist sichtlich stolz. Zu Recht, denn sie ist neben ihrem Kollegen Dietmar Grafe Gewinnerin des 1. Design-Wettbewerbs von Eucrea e.V. Deutschland. Man spürt die Freude über den Erfolg dieser liebenswerten jungen Frau, die mit einem Down-Syndrom zur Welt kam. Wer hätte in früheren Jahren gedacht, dass ein Mensch mit Behinderung auf solch einem Gebiet Anerkennung erfahren könnte?

Besondere Talente bei Menschen mit Behinderung zu entdecken und zu fördern, darum bemüht sich seit einigen Jahren das Netzwerk Eucrea Deutschland e.V. aus Hamburg. Künstler mit Behinderung aus den Bereichen der bildenden oder darstellenden Kunst bekommen so die Möglichkeit, ihre Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Letztes Jahr hat sich dieser Verband vermehrt mit dem Bereich Design
beschäftigt. Mit dem Werkstatt-Staub und dem Klischee: "Behinderte stellen nur einfache Holzgegenstände nach Anleitung her" sollte gründlich aufgeräumt werden. So entschieden sich die Verantwortlichen von Eucrea einen ersten Design-Wettbewerb für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung auszurichten.

Das "atelierblau", seit Oktober letzten Jahres Teil der Lebenshilfe, ergriff neben vielen anderen Ateliers aus Deutschland die Chance für ihre Künstler, sie hat entsprechende Arbeiten ausgesucht und abgeschickt. So wurden unter mehreren hundert Einreichungen die Motive von Heike Satter "Frau König" und "Punkerengel" und das Motiv von Dietmar Grafe "Wormser Dom" ausgewählt und im Rahmen einer Ausstellung in Köln präsentiert. Weitere Ausstellungen in München und Hamburg sind geplant. Die beiden glücklichen Künstler wurden von ihren Familien Ende letzten Monats nach Köln zur Preisverleihung begleitet. Ein Ereignis, was alle Beteiligten wohl niemals vergessen werden.

Mit diesem Gewinn steigt nicht nur das Ansehen der beiden Künstler, auch innerhalb der Familien wächst der Respekt. Nicht nur den Künstlern selbst, sondern auch den Eltern tut diese Anerkennung gut, denn sie begleiten mit viel Liebe und Geduld ihr behindertes Kind durch das Leben und leisten Unglaubliches. Entsprechend stolz redet die Mutter von Dietmar Grafe. Die Mutter von Heike Satter freute sich ebenfalls: "Meine Tochter hat etwas geschafft, was ich nie erreicht habe oder erreichen werde. Ich bin sehr stolz auf sie."

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