Menschen mit Down-Syndrom: Was kommt nach der Schule? - Alexander Pika in der Mundus-Seniorenresidenz Mainz ist ein Mut machendes Beispiel

Mittwoch, 24. Februar 2010


Ein Praktikant, der auf die Leute zugeht
24.02.2010 - MAINZ

Von Christophe Braun in der Allgemeinen Zeitung
Foto: hbz/Jörg Henkel


Am meisten Spaß, verkündet Alexander Pika, mache es ihm, sich um die Pflanzen zu kümmern. "Na klar!", bestätigt er auf Nachfrage: In den letzten Monaten habe er seinen grünen Daumen entdeckt. Außerdem arbeitet er sehr gerne im Restaurant - besonders beim Essen servieren. Die Bewohner "sind alle froh, mich zu sehen!", berichtet er stolz. Für das hausinterne Nachrichtenblatt ist er sogar schon interviewt worden.

Alexander Pika ist 19 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Im Sommer 2009 hat er seinen Abschluss an der Peter-Jordan-Schule auf dem Hartenberg gemacht. Seit September letzten Jahres macht er ein Praktikum in der Mundus-Seniorenresidenz in der Großen Bleiche. In wenigen Wochen soll er fest eingestellt werden. Zu Alexanders täglichen Aufgaben gehören Arbeiten in der Hauswirtschaft, im Restaurant und in der Wäscherei. Er arbeitet von 8 bis 14 Uhr, natürlich mit Pausen. Mittagessen bekommt er bei seiner Oma Anne Pika, die selbst seit acht Jahren in der Residenz wohnt.

"Man muss die Mundus schon loben!", sagt Anne Pika: Sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner gingen sehr gut mit ihm um; er habe sich schnell eingelebt. Noch während Alexander zur Schule ging, habe die damalige Hausleiterin sie angesprochen, erzählt Alexanders Oma: "Sie hat gesagt: Frau Pika, wenn Ihr Enkel hier ein Praktikum machen möchte, das ist möglich. Das habe ich Alexanders Mama erzählt. Wir haben vor Freude geweint." Wie es nach der Schule weitergehen sollte, sei lange unklar gewesen. Menschen mit geistiger Behinderung stehen neben den Werkstätten für Behinderte wenige Möglichkeiten offen.

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Alexander sei "wirklich mit Begeisterung ans Praktikum herangegangen", sagt Waltraud Hoffmann von der Mundus. Er sei "einfach ein Mensch, der auf die Leute zugeht. Wir waren uns alle einig, dass es wichtig ist, dass wir ihn unterstützen. Wir haben auch gemerkt, wie er in seiner Aufgabe aufgeht."

In der Mundus-Seniorenresidenz wohnen zurzeit etwa 190 Menschen; das Haus hat 75 Mitarbeiter. "Ich bin der Meinung, dass wir nicht nur einen sozialen Auftrag unseren Bewohnern gegenüber haben, sondern auch den Mitarbeitern gegenüber", erklärt Christian Schultz, der Direktor des Hauses. Mit seinem Praktikanten ist er rundweg zufrieden. Manches dauere etwas länger, "aber man kann ihm schon was zutrauen." Gleichzeitig betont Schultz die Rolle der Mitarbeiter, die Alexander bei seinen Arbeiten begleiten.

Wenn am frühen Nachmittag Feierabend ist, steht für Alexander noch einiges auf dem Programm: Er nimmt Tanzunterricht, reitet, lernt Keyboardspielen und besucht die Montessori-Schule; im Augenblick liest er "Robinson Crusoe". Häufig begleitet ihn bei seinen Unternehmungen seine Oma. Und außerdem ist da auch noch seine Lieblingssendung, "Gute Zeiten schlechte Zeiten", von der er keine Folge verpasst.

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