Wichtig ist, dass man Integration trotz Schwierigkeiten praktiziert

Dienstag, 26. Januar 2010

Fire-Kids nehmen Joy an die Hand
Welche Erfahrungen Vordorfs Kinderfeuerwehr in einem Jahr mit einem Mädchen mit Down-Syndrom sammelt

Von Daniela Wimmer bei Newsclick

VORDORF. Seit einem Jahr ist Joy-Malin Mitglied der Kinderfeuerwehr "Fire-Kids" und findet Gefallen an Spiel, Spaß und Brandschutzerziehung. Was selbstverständlich klingt, ist es nicht, denn: Die Siebenjährige hat Trisomie 21, das Down-Syndrom.

Die Fire-Kids haben sich seit ihrer Gründung derart zum Dauerbrenner gemausert, dass 16 Kinder auf der Warteliste stehen. Als vor Jahresfrist Joy-Malin soweit vorgerückt war, das ihre Aufnahme bevorstand, haben die Betreuer Tanja Conti, Yvonne Engeler und Andrea Manz lange diskutiert, ob sie sich der Herausforderung stellen können, ohne dass die Arbeit mit den anderen Kindern zu kurz kommt.

Erleichtert wurde die Entscheidung, als Rüdiger Manz, selbst Vater einer von der Behinderung betroffenen Tochter, Joys individuelle Betreuung übernahm. "Wir haben es nicht bereut, auch wenn es bis heute nicht einfach ist", beschönigt Yvonne Engeler nichts.

Anfangs habe Joy nicht dableiben wollen und immer wieder versucht, wegzulaufen. Das habe sich gelegt, aber eine gewisse Distanz gerade zu Beginn des Dienstes sei immer spürbar. Während eine Gruppe Theorie im Schulungsraum hat, spielt die andere Feuerwehr-Memory. Ein paar Meter entfernt tauschen Joy und Rüdiger Manz in respektvollen Abstand zueinander die entsprechenden Karten. "Integration in die Gruppe ist das noch lange nicht", zieht Manz ein Fazit des ersten Jahres. "Dazu sind die Entwicklungsunterschiede zu groß".

Eine Prognose, wie es mit Joy weitergeht, ob sie etwa eines Tages in die Jugendfeuerwehr wechseln kann, wagt er nicht: "Rein rechtlich wäre es möglich." Ob er die Betreuung übernommen hätte, wenn er selbst nicht betroffen wäre, vermochte Manz nicht zu sagen, aber: "Es ist wichtig, dass das Angebot besteht". Nach wie vor ist Joy sehr scheu, möchte aber überall dabei sein und ist es auch. "Sie hat am dreitägigen Zeltlager der Samtgemeinde-Jugendwehren in Grassel teilgenommen", berichtet Engeler. "So manches Kind musste dort abgeholt werden, nicht aber Joy". Im Kreis der Kinder ist die Nähe größer. Es hat etwas von bemuttern, liegt aber wohl daran, dass Joy jünger wirkt, wenn Eileen, Sarah, Lisa oder Sophia ihrer Feuerwehrkollegin schon mal resolut die Schirmmütze gerade rücken oder sie an die Hand nehmen, wenn sie nicht mitmachen will. Aber Joy lässt es sich gern gefallen. "Für die Kinder war es eine bsoziale Herausforderung, die zur Selbstverständlichkeit im Umgang geworden ist", sagt Engeler.

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